Landesbischof Ralf Meister

Ralf Meister wurde am 25. November 2010 von der 24. Landessynode gewählt und am 26. März 2011 zum Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers eingeführt.

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Bild: Johannes Neukirch

Trump sicherheitspolitisches Risiko

Landesbischof Ralf Meister sieht den US-Präsidenten Donald Trump zunehmend als ein sicherheitspolitisches Risiko für die Weltgemeinschaft. "Die Entscheidung Trumps, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, kann man nicht wie manche andere seiner Verlautbarungen nur als politische Dummheit einordnen", sagte der evangelische Theologe im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Diese Proklamation müsse vielmehr so behandelt werden wie Trumps Provokation gegenüber Nordkorea vor einigen Wochen: "Er legt Feuer bei internationalen Konflikten und zwar leichtfertig, fahrlässig und hochgradig dumm."

Meister zitierte in diesem Zusammenhang den von den Nationalsozialisten ermordeten Theologen Dietrich Bonhoeffer (1906-1945), der gesagt habe, Dummheit sei ein viel gefährlicheres Phänomen als das Böse. Gegen das Böse könne man kämpfen, aber Dummheit sei ein menschlicher Defekt, der nicht mit Argumenten geheilt werden könne. "Die These Bonhoeffers trifft nach meiner Wahrnehmung auch auf Donald Trump zu", sagte Meister, der auch Ratsvorsitzender der evangelischen Kirchen in Niedersachsen ist.

Es sei extrem verunsichernd und alarmierend, wie evangelische Christen in den USA zur Wahl Trumps beigetragen hätten und ihn auch weiterhin unterstützten. "Die Trumpsche Politik unterscheidet sich grundlegend von der Wahrhaftigkeit eines christlichen Ethos. Es ist für mich ein großes Rätsel, wie sich breite Kreise im evangelikalen Lager damit identifizieren können", betonte Meister und fügte hinzu: "Ich wünsche mir, dass die europäischen Kirchen ein klares Signal gegen diese gefährlichen Auswüchse eines derartigen US-Protestantismus setzen."

Am Verbrennen der blauen Davidstern-Flagge in Berlin Anfang Dezember als Reaktion auf das Trump-Votum für Jerusalem sei ein markanter Anti-Israelismus zu beobachten gewesen, betonte Meister. Es gebe einen wachsenden Antisemitismus, der auch von in Deutschland lebenden arabischen Mitbürgern getragen werde. "Damit bekommt der ohnehin in rechtsextremen Parteien und Gruppierungen existierende Antisemitismus weiteren Zulauf und eine besondere Radikalität."

Er sehe es durchaus als eine Verantwortung von Christinnen und Christen, israelische Politik sachgerecht zu kritisieren, betonte Meister, der unter anderem auch in Israel studierte. "Wir erleben in den besetzten Gebieten viele Handlungen, die völkerrechtlich problematisch sind", sagte der Bischof: "Und das muss man auch sagen dürfen." Dagegen sei es aber "hochgefährlich und grober Unfug", die israelische Politik mit Verallgemeinerungen und Vorurteilen gegenüber Juden zu vermischen und bewerten zu wollen. Um am Frieden in dieser Region weiter zu arbeiten, müsse es bei einem offensiven Plädoyer für eine Zwei-Staaten-Lösung bleiben. (epd)

Torben Schmitz vor etwa einem Monat
Über diesen Artikel habe ich mich sehr gewundert. Wie kann man als evangelischer Landesbischof eine solche Meinung vertreten? Es ist doch unsere christliche Pflicht Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen! Zumindest sagt es die Bibel an unzähligen Stellen (google hilft bei der Suche). So sehr Trump auch sonst in der Kritik steht. Hier hat er eine wegweisende, historische, christliche Entscheidung getroffen. Ob er das aus christlichen Gründen tat sei mal dahingestellt. Einen Friedensprozess gab es faktisch nicht mehr. Er hat die Tür zum Frieden, mit Israel als „Verwalter der Region“, geöffnet.
Ich kann mir diesen Artikel nur als Distanzierung von der Kritik an den amerikanischen Evangelikalen erklären. Schade, dass hat doch unsere Kirche nicht nötig. Ich wünsche mir wieder mehr Mut zum Bekenntnis, zum Glauben und zur Schrift!
Lutz Dulz vor etwa einem Monat
So so, der von Millionen Menschen demokratisch gewählte und legitimierte Präsident der Vereinigten Staaten ist also "hochgradig dumm", Herr Bischof? Wissen Sie, das alle US-Präsidenten seit 1995, Clinton, Bush und Obama, Jerusalem zur Hauptstadt Israels erklärt haben? Aber nur einer hat geliefert: Trump. Siehe hier: https://twitter.com/realDonaldTrump/status/939006911629869056
Vielleicht sollten Sie ihr Trump-Bashing einmal selbstkritisch überprüfen, bevor Sie ihn erneut beschimpfen.
. Bischofskanzlei vor etwa einem Monat
Sehr geehrte Kommentatoren,
wir verweisen an dieser Stelle auf die jetzt bereits sichtbaren Folgen dieses außenpolitischen Alleingangs eines Präsidenten und auf die gesellschaftliche Verpflichtung, zu der der Bundespräsident angesichts brennender Flaggen in Berlin aufgerufen hat. Zu Recht betonte er, dass zu Deutschland die "Verantwortung vor unserer Geschichte" gehört, die Lehren aus zwei Weltkriegen und dem Holocaust, die Verantwortung für die Sicherheit Israels und die Absage an jede Form von Rassismus und Antisemitismus beinhaltet. Das ist die Grundlage, auf der Landesbischof Meister sich geäußert hat.
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Bild: Bischofskanzlei

Zum Advent

Gütiger Gott, 
komm in unsere Dunkelheiten und 
wirf dein Licht auf unsere Schatten.

 
Lass uns aufleben mit Zuversicht. 
Begegne denen, die bedrückt sind. 
Denen, die sich fürchten vor dem Alleinsein. 
Denen, die Leid aushalten müssen. 
Denen, die ihren Weg nicht finden durch die verwirrende Welt.

 
Nimm die Erschrockenen an die Hand und die Suchenden. 
In das Leben, das dir widerspricht, 
sende du dein Licht. 

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Bild: Jens Schulze

Entschuldigung für die Diskriminierung Homosexueller

Landesbischof Ralf Meister hat sich im Rahmen seines Bischofsberichtes öffentlich für alle Diskriminierungen gegenüber homosexuellen Mitgliedern seiner Landeskirche in der Vergangenheit entschuldigt. "Ich bitte dafür um Verzeihung", sagte er unter dem Beifall der Kirchenparlamentarier vor der evangelischen Landessynode in Hannover. Die Landeskirche habe einen "langen, intensiven, diskussionsfreudigen und kontroversen Gang" in Bezug auf homosexuelle Partnerschaften hinter sich, der mehr als 30 Jahre gedauert habe, betonte der Theologe.

Kaum ein anderes Thema sei in den vergangenen Jahrzehnten so intensiv und leidenschaftlich, "aber auch theologisch so kämpferisch im Ringen um Wahrheit und zugleich oft menschlich kränkend und sozial diskriminierend behandelt worden wie dieses", sagte der Bischof. Die Kirche stehe im Blick auf die Institution der Ehe vor Neuorientierungen. Dabei gehe es nicht darum, die traditionelle Ehe leichtfertig infrage zu stellen, sondern sie zu öffnen. 

Meister bezog sich in seinem Bericht auf den Bundestagsbeschluss zur "Ehe für alle", der Ende Juni auch gleichgeschlechtlichen Paaren die Eheschließung ermöglicht hatte. Zwar bleibe für ihn das biblische Vorbild eines Paares von Mann und Frau das "Urbild" für die Zweiergemeinschaft, denn in ihm finde sich die biologische Voraussetzung für die Familie, sagte er. "Dennoch trenne ich zwischen Ehe und Familie klar. Eine Zweisamkeit in Verbindlichkeit und Treue steht auch unter gleichgeschlechtlichen Paaren unter Gottes Segen." 

Eine Zweierbeziehung dürfe nicht von vornherein unter dem Blickwinkel der Familie als eigentlicher Zweckbestimmung gesehen werden, führte der Bischof aus. Schon die Verfasser des Grundgesetzes hätten den Artikel über den Schutz von Ehe und Familie sehr sorgfältig formuliert, um eine Diskriminierung kinderloser Ehepartner zu vermeiden. Über die Jahrhunderte betrachtet sei die Ehe in verschiedenen Zeiten in der Gesellschaft sehr unterschiedlich charakterisiert worden - lange als Vernunftgemeinschaft, später unter dem Gesichtspunkt der Liebe. Die Trauung einer homosexuellen Partnerschaft sei "kein Mittelpunktverlust unserer Zivilisation".

Zu der Forderung des Bundesverfassungsgerichts, für intersexuelle Menschen ein drittes Geschlecht für den Eintrag ins Geburtenregister zuzulassen, sagte der Bischof, er wolle keine rechtlichen Einschätzung vornehmen. Ihm sei vielmehr eine Akzeptanz der Vielfalt wichtig. Er fügte hinzu: "Was sich leicht sagt, wirkt für manche Menschen bedrohlich, weil diese Einordnungen mit Werthaltungen verbunden sind." Veränderungen könnten dann als eine Gefahr für die eigene Identität wahrgenommen werden.

Skeptisch zeigte sich der Landesbischof gegenüber anderen Formen der Elternschaft wie etwa der Leihmutterschaft. Für ein Kind bleibe auch im vorgeburtlichen Heranwachsen die Beziehung zu seinen Eltern entscheidend. Deshalb lehne er jede Form von Leihmutterschaft strikt ab. Zudem müsse jedes Kind einen Anspruch auf seine Herkunft haben. "Die multiple Elternschaft, die inzwischen dazu führen kann, dass bis zu vier oder fünf Personen im DNA-Strang eines werdenden Kindes beteiligt sind, halte ich für höchstproblematisch." (epd)
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Bild: Enno Haaks

Weiter Einsatz für Christen in Syrien

Die hannoversche Landeskirche will weiterhin bedrängten Christen in Syrien beistehen. Die Kirche hoffe auf mindestens zwei evangelische Schulen aus Niedersachsen, die sich auf eine Partnerschaft zu Schulen in Syrien und im Libanon einlassen, sagte Landesbischof Ralf Meister vor der evangelischen Landessynode in Hannover. Besuche von Lehrerinnen und Lehrern sowie der Austausch von Schülergruppen seien momentan noch nicht denkbar, wären aber ein Ziel. "Gemeinsame Treffen vielleicht von Schulleitungen im Libanon wären schon jetzt möglich." 

In Niedersachsen gibt es sechs evangelische Schulen in Trägerschaft der hannoverschen Landeskirche. Die Evangelische Kirche in Syrien und im Libanon unterhält sechs Schulen in Syrien, sieben Schulen im Libanon und noch einmal fünf eigens für syrische Flüchtlingskinder gegründete Schulen ebenfalls im Libanon. Im Libanon leben mehr als eine Million Flüchtlinge aus dem Nachbarland.

Die Landeskirche hatte im vergangenen Jahr begonnen, ihre Verbindungen zur evangelischen Kirche in Syrien auszubauen. Sie will so Solidarität zu den Menschen zeigen, die trotz des Bürgerkrieges im Land ausharren. Bischof Meister besuchte zu diesem Zweck bereits zweimal den Libanon und konnte im Oktober auch einen kurzen Besuch in der vom Bürgerkrieg zerstörten syrischen Stadt Homs machen. 

Meister hofft, Studierende aus Lüneburg und Göttingen gewinnen zu können, die die Schularbeit der syrischen Kirche in den Flüchtlingscamps im Libanon kennenlernen. Denkbar sei auch eine Zusammenarbeit mit der Universität Hildesheim zum Thema Trauma-Heilung, sagte er vor dem Kirchenparlament. (epd)
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Bild: Jens Schulze

Bericht vor der Synode

Im Mittelpunkt des Herbstberichtes steht das Nachdenken über alte und neue Ordnungen, über Mittelpunktsverluste und neue Orientierungen: In der Frage nach der Zukunft der protestantischen Ehe und der Vielfalt der Geschlechter. Der Frage nach der Zukunft der Kirche. Der Bedeutung einer globalen Verbundenheit und Verantwortung. Und im Halleluja für Menschen aus der Landeskirche.  

Den schriftlichen Bericht finden Sie hier
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Bild: Bischofskanzlei

Trinken Sie laut oder leise?

„Laut“ und „Leise“ wird ab Dezember in der Bischofskanzlei ausgeschenkt, Mineralwasser mit Kohlensäure oder ohne. „Viva con Agua“ ist das Projekt, das damit unterstützt wird. „Viva con Agua“ wurde 2006 gegründet und setzt sich dafür ein, dass alle Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben. Der Verein ist davon überzeugt: Die Vision „Wasser für alle“ ist keine Utopie!

Die Organisation versteht sich als „Offenes Netzwerk“, das eng mit der Welthungerhilfe zusammenarbeitet. Ortsgruppen, sogenannte Crews, existieren in über 50 Städten Deutschlands. In den ersten sechs Jahren wurden über 2 Mio. Euro an Spenden gesammelt. Durch die damit finanzierten Wasserprojekte konnten nach eigenen Angaben die Lebensbedingungen von über 200.000 Menschen in Ländern des globalen Südens verbessert werden. Aktuell werden Projekte in Äthiopien, Nepal und Uganda gefördert.

„Viva con Agua“ wird unterstützt vom FC St. Pauli und dessen Fans. Der Fußballclub stellt der Initiative Teile des Millerntor-Stadions für die seit 2011 stattfindende soziale Kunstgalerie „Millerntor Gallery“ zur Verfügung und ermöglicht Viva con Agua das Sammeln von Pfandbechern bei Heimspielen. Bekannte Künstler wie Gentleman, Clueso, Campino von den Toten Hosen, Wir sind Helden, Maybebop und Bela B. engagieren sich für die Arbeit von „Viva con Agua“.

http://www.vivaconagua.org/


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Bild: Grabmal Friedhof Gersthofen. Foto: Myheimat.de

Reise in zwei verschiedenen Welten

Ewigkeitssonntag. Früher nannte man den Tag auch Totensonntag, denn in allen Kirchen werden heute die Namen der Verstorbenen des vergangenen Jahres verlesen. Oft werden auch Kerzen dazu entzündet. Unsere Toten sind auf einer Reise, einer Reise bei Gott. 

Manchmal denke ich unvermittelt an liebe Menschen, die gestorben sind. Ich lese ein Buch und frage mich, was ein verstorbener, guter Freund, zu dem Buch sagen würde -  und ich flüstere diese Frage. Ein anderes Mal beim Spaziergang fallen mir Gespräche ein, die ich einmal mit ihm geführt habe. Und ich denke an seine mahnenden Worte über meinen Lebensweg. Wie schaute er jetzt wohl auf mein Leben? Ich frage ihn.

Früher war man skeptisch in der Trauerarbeit, wenn es um Gespräche mir Verstorbenen ging. Man dachte, dass solche Gespräche gefährlich seinen könnten. Das können sie vermutlich auch, wenn man sich von ihnen abhängig macht und glaube, die Toten damit ins Leben zurückzurufen.

Doch die Menschen, die für mich wichtig waren, bleiben es auch nach ihrem Tod. Lebende wie Tote sind auf einer Reise in zwei verschiedenen Welten und beide doch bei Gott. Es ist für und richtig, wenn wir der Trauer und dem Gedenken Raum geben. Das kann beim Entzünden der Kerze, den Lesen alter Briefe und dem Gespräch geschehen.

Oder am heutigen Ewigkeitssonntag, wenn viele Menschen in die Kirchen und anschließend auf die Friedhöfe gehen. Um gemeinsam zu gedenken und zu spüren, was es bedeutet, dass der Tod eben nicht das Ende ist. Nicht für die Verstorbenen, die geborgen sind bei Gott. Und nicht für uns, die wir in unserer Welt uns dankbar erinnern können an erfüllte gemeinsame Zeiten.

Landesbischof Ralf Meister im "Zwischenruf" auf NDR Niedersachsen 

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Bild: Kirche Oldenburg

Zum Amtsverzicht 
von Bischof Jan Janssen

Der Oldenburger Bischof Jan Janssen ist von seinem Amt zurückgetreten. Synodenpräsidentin Sabine Blütchen informierte am Donnerstag das in Rastede bei Oldenburg tagende Kirchenparlament. Bereits am Mittwoch hatte Janssen gemäß der Kirchenordnung Blütchen über seine Entscheidung unterrichtet. Er möchte künftig wieder als Seelsorger im Pfarrdienst tätig sein, allerdings außerhalb der oldenburgischen Landeskirche.

Landesbischof Meister sagte dazu: „Als Ratsvorsitzender der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen und ganz persönlich bedauere ich den Rückzug von Jan Janssen vom Amt des Bischofs der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg sehr. Gleichzeitig habe ich hohen Respekt davor, dass Jan Janssen nach gut neun Jahren im bischöflichen Amt für sich die Entscheidung getroffen hat, die Verantwortung an der Spitze der oldenburgischen Kirche in andere Hände zu legen und eine neue pastorale Aufgabe zu übernehmen. 
Ich bin sehr dankbar, für die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Jan Janssen im Rat der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen und in vielen anderen Bereichen des gemeinsamen kirchlichen Handelns.
Für seinen weiteren Lebensweg wünsche ich ihm und seiner Familie von Herzen alles Gute und Gottes Segen.“

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Bild: Wikipedia

Gratulation an Ministerpräsident Weil

Als Vorsitzender der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen, gratuliert Landesbischof Ralf Meister Stephan Weil  zur Wiederwahl als Ministerpräsident des Landes Niedersachsen:

"Im Namen der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen gratuliere ich Stephan Weil herzlich zu seiner Wiederwahl als Ministerpräsident unseres Bundeslandes.

Nach einem harten Wahlkampf ist die schnelle und konsensorientierte Bildung einer neuen Regierung in Niedersachsen für mich ein wichtiges Signal für die Verlässlichkeit und Kraft der demokratischen Strukturen. Dem Ministerpräsidenten und den Ministerinnen und Ministern des neuen Kabinetts wünsche ich für die vor ihnen liegenden Aufgaben Freude am Gestalten, Besonnenheit und Gottes Segen.

In den vergangenen Jahren hat unser gemeinsames Vorgehen, beispielhaft im Bündnis „Niedersachsen packt an“, gezeigt, dass ein konstruktives Zusammenwirken politischer und zivilgesellschaftlicher Verantwortungsträger einen wichtigen Beitrag leistet zur Stärkung der demokratischen Kultur in unserem Land.  Als evangelische Kirchen in Niedersachsen sagen wir gerne unseren Beitrag zu einer weiteren vertrauensvollen Zusammenarbeit mit der Landesregierung zu."


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Bild: Filmplakat Human Flow

Human Flow - Bündnisunterstützer eingeladen

Landesbischof Meister hat 150 Unterstützerinnen und Unterstützer des Bündnisses "Niedersachsen packt an" zum neuen Film von Ai Weiwei "Human Flow" eingeladen.

 Seine persönlichen Eindrücke zum Film:

Die zwei Faktoren, die das 21. Jahrhundert prägen und verändern werden, sind der Klimawandel und die Migration. Am Umgang mit beiden Phänomenen wird sich die Zukunft der Menschheit und die Lebensfähigkeit unseres Planeten Erde entscheiden. Zum Thema der Migration hat einer der berühmtesten Künstler der Gegenwart, Ai Weiwei,  mit dem Film HUMAN FLOW ein eindrückliches Statement abgegeben.

Wer in 140 Minuten die Reise Ai Weiweis durch Flüchtlingslager in Wüstenlandschaft oder auf Schlammfeldern verfolgt, wer das unwürdige Leben von Greisen, hochschwangeren Frauen und Kindern in Zelten, Containern oder im Flugzeughangar gesehen hat, der hält die in europäischen Ländern heftig diskutierte Frage nach einer „Obergrenze“ für eine marginale Entscheidung, die im Angesicht der Dimension dieser Menschheitsherausforderung wie eine politische Posse erscheint.

Ai Weiwei dreht einen Dokumentationsfilm und setzt sich als Betrachter zeitweilig mit ins Bild. Man sieht ihn mit dem Handy filmen, man sieht ihn in der stillen Betrachtung einer Szene oder an der Route der Flüchtlinge. Diese Ereignisse, so zeigt er, erlauben nicht eine distanzierte Wahrnehmung, sondern sind immer beteiligte Beobachtung. Und die entscheidende Frage ist, ob die Weltgesellschaft bereit ist, sich zu beteiligen. Auf der Pressekonferenz während der Filmfestspiele in Venedig beschreibt er sich nicht als Erklärer. Er habe keine Antwort, er selbst bleibe nur Zuschauer. Doch zugleich dokumentiert er in Bildern die Dimension dieser Migrationsbewegung als eine Tragödie, die nicht die Menschheit, sondern den einzelnen Menschen trifft. Es ist nicht „die Flüchtlingswelle“ oder der „Strom der Menschen“, sondern das Bild von Abermillionen einzelnen Personen, die aufbrachen, um eine andere, sichere, bessere Welt zu finden.

Die Kritik auf diesen Film, als er in Venedig auf der Filmbiennale gezeigt wurde, war vom Publikum und den Journalisten scharf: „Kennen wir“, „Nichts Neues“, „Zu lang“.
Dieser Film hat kein gutes Ende. Aber er stellt in seiner Totalität, mit der er dieses Drama der Menschheitsgeschichte erzählt, die Frage, ob die Weltgemeinschaft diese Herausforderung des 21. Jahrhunderts annimmt oder scheitern wird. (Ralf Meister)


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