Landesbischof Ralf Meister

Brexit

"Die Sprache der Einheit in Europa ist zu einem gewissen Grad ersetzt worden durch Populismus und Nationalismus, durch Trennung statt Wiedervereinigung. Wir als Christen müssen uns diesen Tendenzen widersetzen. Im Namen der EKD sage ich: Wir sind und wir werden starke Partner der Church of England bleiben. Wir leben dafür, die Spaltung zwischen unseren Kirchen zu überbrücken." (Grußwort beim Treffen der Generalsynode der angelikanischen Kirche, 05.07.2018)


Sexueller Missbrauch

"Die Täter haben Grundgefühle des Miteinanders, das wir in Gesten und Zuneigung ausgedrückt haben, unter Generalverdacht gestellt. Das hat Auswirkungen darauf, wie sich momentan Erwachsene und Kinder begegnen. Dies ist ein globaler Kollateralschaden. Aus dieser Situation werden wir uns nicht mehr befreien können, und das erfüllt mich mit Sorge.“
(Gemeinsames Interview mit Bischof Heiner Wilmer, epd 23.10.2018)


Organspende

"Die Frage der Organspende ist eine höchst persönliche und emotionale. Es ist eine Entscheidung, die in die tiefsten Schichten der menschlichen Seele hinuntersteigt. Sie fragt nach meinem Ende, dem Tod und kann Angst auslösen.
Deshalb ist aus meiner Sicht der Weg des Ministers Spahn, die Widerspruchlösung, falsch. Bei einer Organentnahme muss ich selbst zu Lebzeiten aktiv „ja“ sagen. Ich allein muss in Verantwortung vor Gott und den Menschen frei entscheiden, ob Organe und Gewebe entnommen werden. Deshalb habe ich selbst in meinem Portemonnaie auch einen Organspendeausweis." (Gastkommentar in den Zeitungen der Madsack Mediengruppe, 10.09.2018)


Schöpfung, Landwirtschaft und Tierwohl

Lebensmittel im Einklang mit der Schöpfung produzieren
"Ich erkenne dankbar den hohen Einsatz aller Landwirte, die sich für ein höheres Tierwohl einsetzen. Alle Anstrengung für eine tiergerechte Aufzucht muss auch vom Konsumenten durch einen angemessenen Preis für das Produkt honoriert werden. Für mich stellt sich grundsätzlich die Frage, wie eine Einstellung in unserer Gesellschaft wächst, die um die Endlichkeit der Erde weiß und erkennt, dass uns die Schöpfung geschenkt ist? Das ist nicht zuerst eine ökologische oder soziale, es bleibt eine geistliche Frage." (Statement anlässlich eines Besuchs in einem sogenannten "Schweine-Aktivstall" in Hilter am Teutoburger Wald, 11.09.2018)

Verzicht in der Passionszeit
"Ich verzichte in der Passionszeit auf Fleisch. Zeitweilig auf Fleisch zu verzichten ist in Niedersachsen für mich ein besonders Zeichen. Das Land lebt stark von der Fleischproduktion. Im Schnitt essen die Deutschen mehr als 60 Kilo Fleisch pro Jahr. Ich bin noch groß geworden mit der klassischen Aufteilung: Fleisch gab es sonntags oder zu Festtagen. In der Woche Fleisch zu essen war eine große Ausnahme. Da ist es wichtig, auch mal Verzicht zu üben und sich zu überlegen: Ist das Ausmaß meines aktuellen Fleischkonsums eigentlich gut so. Die Art und Menge der Fleischproduktion ist so nicht zukunftsfähig. Wir werden die wachsende Weltbevölkerung mit dieser Form der Fleischerzeugung nicht satt bekommen, ohne das Ökosystem der Erde massiv zu schädigen. Ich nehme an vielen Gesprächen mit Landwirten teil. Gerade Verbandsvertreter sagen mir: Der Strukturwandel wird weitergehen, und weitere Schritte sind notwendig. Dabei darf allerdings die Existenz der Landwirte nicht gefährdet werden."


Flucht und Asyl

Einwanderungsgesetz
"Wir brauchen endlich ein vernünftiges Einwanderungsgesetz. Wir müssen qualifizierten Menschen einen Weg ins Land ermöglichen, der sie nicht in Schlauchbooten übers Mittelmeer zwingt. Derzeit müssen Menschen auch aus demokratischen Musterländern in Afrika einen Asylantrag stellen, wenn sie zu uns kommen wollen, weil sie gar keine andere Möglichkeit haben – das ist doch widersinnig." (Interview mit der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, 13.07.2018)

Masterplan Migration des Bundesministeriums des Inneren, für Bau und Heimat
"Der jetzt vorgestellte Masterplan von Bundesinnenminister Horst Seehofer geht fast ausschließlich von Fragen der inneren Sicherheit und der Sicherung von Grenzen aus. Die globale Dimension des Themas greift er kaum auf.
Migration wird das wichtigste globale Thema im 21. Jahrhundert sein. So hoch kann man Mauern und Zäune gar nicht bauen, dass wir verzweifelte Menschen in Not abhalten können, zu uns zu kommen. Solche Masterpläne suggerieren Sicherheitsideale, die sich nicht einlösen lassen." (Interview mit der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, 13.07.2018)

Taufe von Geflüchteten
"Wir müssen sensibel mit dem Taufbegehren von Flüchtlingen umgehen und uns unserer besonderen Verantwortung bewusst sein. Die Aufgabe der Kirchengemeinden ist es, die Taufbewerber zu begleiten und zu unterrichten: in ihrer Hinwendung zu Christus und zum Glauben; in ihrem Wachstumsprozess im Glauben und darin, in der Gemeinschaft einer Ortsgemeinde ein geistliches Zuhause zu finden. Gibt es tatsächlich die Bereitschaft des Taufbewerbers, in einer christlichen Gemeinde zu leben? Es ist notwendig, die jeweilige Lebenssituation genau zu kennen. Das Kennenlernen findet zu beiden Seiten statt. Menschen, die die Taufe begehren, benötigen viel Zeit."

Kirchenasyl
"Kirchenasyl ist ein offensichtlich noch notwendiger Schutzraum für Menschenrechte. Es wird nur gewährt, wenn jemand trotz aller staatlichen Gesetze und Hilfen von Abschiebung, menschenunwürdigen Umständen oder Lebensgefahr bedroht ist.
Kirchenasyl wendet sich nicht gegen den Rechtsstaat, sondern erinnert diesen an das grundgesetzlich verankerte Recht auf Menschenwürde, Freiheit und körperliche Unversehrtheit. In den meisten Fällen kann den Menschen in einem Kirchenasyl durch eine erneute Überprüfung ihres Schutzbegehrens geholfen werden."

Aufnahme von Flüchtlingen in Niedersachsen
"Niedersachsen hat vielfältig und mit außerordentlichem Engagement auf die Menschen in Not, die Aufnahme in unserem Land erbaten, reagiert. Das Bündnis "Niedersachsen-packt-an" ist Ausdruck einer gemeinsamen Haltung, die Menschen verbindet. Sie macht sie widerständig gegen fahrlässige Argumente, die die Humanität in unserem Land bedrohen. Wir brauchen gerade in unruhigen Zeiten eine öffentliche Vergewisserung, die Haltungen in unserer Gesellschaft stabilisiert. Mit der Initiative Niedersachsen-packt-an ist es allen Beteiligten gelungen, in einer kritischen Phase unseres Landes, bei der Aufnahme von Flüchtlingen, ein gutes Beispiel zu setzen. Ich hoffe sehr, dass der bei Niedersachsen-packt-an gelungene Schulterschluss über das aktuelle Geschehen hinausreicht und den vor uns liegenden Integrationsprozess weiter vorantreibt." (Statement zum Tag des Flüchtlings 2017)

Fluchtursachen
"Lampedusa entscheidet über die Humanität in Europa. Wir dürfen uns nicht an den Grundkonflikt einer globalen Ungerechtigkeit gewöhnen. Die Menschen in den südlichen Ländern werden aufgrund der Armut sowie der politischen und medizinischen Verhältnisse geradezu zur Auswanderung getrieben. Die reichen Staaten müssen sich für eine erfolgreiche Entwicklungspolitik und eine gerechte Weltwirtschaftsordnung einsetzen."


Ehe für alle

"Menschen leben nicht nur in der Ehe zwischen Mann und Frau, sondern auch in anderen Beziehungsformen in Verlässlichkeit, Verbindlichkeit und Verantwortung miteinander. Wir begrüßen es deshalb, wenn der Bundestag die Ehe für gleichgeschlechtlichen Partnerschaften öffnet. Die  Landeskirche stellt aktuell eingetragene Lebenspartnerschaften genauso unter Gottes Wort und Segen wie auch die Ehen zwischen Mann und Frau. Die öffentlichen Segnungsgottesdienste sollen zum Ausdruck bringen, dass das Leben in Beziehungen ein Abbild der Treue des göttlichen Liebesbundes mit dem Menschen ist. Sie unterscheiden sich in den zentralen Elementen (gegenseitiges Treueversprechen, Ringwechsel, Segenszuspruch) nicht von einer Trauung. Wenn der Bundestag die Ehe für gleichgeschlechtliche Partnerschaften öffnet, werden wir die Bezeichnung des Segnungsgottesdienstes anpassen, denn nach evangelischem Verständnis segnet die Kirche eine staatliche vollzogene Trauung."


Homosexualität

"Homosexualität ist aus Sicht der Landeskirche weder Sünde noch muss sie geheilt werden. Das steht klar und deutlich in der Gottesdienstordnung für Segnungen von Paaren in eingetragener Lebenspartnerschaft: „Als Kirche begrüßen wir, wenn in gleichgeschlechtlicher Beziehung lebende Menschen eine eingetragene Lebenspartnerschaft eingehen und diese unter Gottes Wort und Segen stellen“, und: „In der Gemeinde Jesu Christi sind Unterschiede von Herkunft, Geschlecht und sexueller Orientierung aufgehoben.“


Reformationstag als gesetzlicher Feiertag

"Es ist gut, dass die Länder Niedersachsen, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein überlegen, den Reformationstag als gesetzlichen Feiertag einzuführen. In ökumenischer Verbundenheit und unter Beteiligung anderer Religionen, aber auch mit Menschen ohne religiöse Bezüge, gelangen uns während des Reformationsjubiläums intensive Begegnungen. Dazu gehörte auch die kritische Auseinandersetzung mit theologischen Irrtümern der Reformatoren. Die übervollen Gottesdienste in allen Landeskirchen am Reformationstag 2017 zeigten, dass er breit in der Gesellschaft verankert ist. Selten zuvor hat ein evangelischer Festtag religionsübergreifend, ökumenisch und weltoffen so viele Menschen in unserem Land, ja international, mit in das Nachdenken über Herkunft und Zukunft unserer Gesellschaft gezogen. Der Reformationstag als gesetzlicher Feiertag würde nicht nur das historische Erbe pflegen, sondern muss auch reformatorische Impulse in die Gegenwart übersetzen und für die Zukunft fruchtbar machen."


Europa

"Europa ist eine Frage der Haltung. Es geht darum, nationale Interessen zurückzustellen und schwächere Länder zu unterstützen. Der Wert eines friedlichen, freiheitlichen, demokratischen und rechtsstaatlichen Verbandes ist unschätzbar."


Karfreitagsdebatte

"Wer einen Feiertag als freien Tag in Anspruch nimmt – denn dagegen richtet sich die Kritik ja nicht – sollte den Grund für diesen Feiertag auch dann achten, wenn er nicht der eigenen Überzeugung entspricht.

Unsere Gesellschaft lebt von öffentlichen Unterbrechungen, die Selbstverständlichkeiten und Alltägliches in Frage stellen. Die Erzählung vom Kreuzestod Jesu in den Evangelien ist eine solche Unterbrechung, ein Krisen-Ruf. Aber im Evangelium ist in grundlegend anderer Weise von Krise die Rede, als wir es kennen, nämlich: wahrhaftig, befreiend, zum Leben bestärkend. Die Botschaft von Tod und Auferstehung verliert sich nicht in einem apokalyptischen Szenario und leistet sich nicht den Luxus feuilletonistischer Hoffnungslosigkeit, sondern sie probt den christlichen Aufstand gegen innere und äußere Leerstände. Damit leisten wir einen grundlegend wichtigen Beitrag für die Ethik und Stabilität unserer Gesellschaft."


Sterbebegleitung

"Ich begrüße die Entscheidung für das Verbot von Sterbehilfe-Organisationen als notwendigen Schritt. In der Sterbebegleitung insgesamt ist es jedoch nur ein Aspekt unter vielen. Nicht nur die Kirchen, sondern die Gesellschaft insgesamt müssen sich weiterhin um eine menschenwürdige Sterbebegleitung und die Entwicklung der Kriterien für die Gewissensentscheidungen der Ärzte und Angehörigen Sterbender kümmern." (Bundestagsdebatte am 6.11.2015)


Verhältnis von Christentum und Judentum

"Die Gründung des Staates Israel ist nicht zu denken ohne das Wort Auschwitz.
Ein Land, ein Staat, eine Verheißung, die auf die Suche nach Sicherheit für Jüdinnen und Juden in einer Welt, die immer noch voller Antisemitismus ist, eine Antwort gibt.
Man kann viel die Politik in Israel kritisieren, verstehen kann man sie nur unter der Einsicht, dass einmal Deutschland versuchte, das jüdische Volk vollständig zu vernichten.

Das Nachdenken über Gott hat im Judentum wie im Christentum mit Auschwitz eine neue Seite aufgeschlagen. Mühsam suchte das Christentum ein neues Verhältnis zu den jüdischen Geschwistern. Es war ein langer Weg zur Einsicht, dass eine christliche Theologie, die ihre Wurzeln, nämlich das Judentum ignorierte oder bekämpfte, Gott mordete.

Wir sind immer noch in dieser theologischen Arbeit, die auch sichtbar in der Liturgie, in den Texten und unserer Schriftauslegung hör- und sichtbar werden muss."


Kirche in der Stadt

"Die Zukunft der Städte entscheidet sich nicht in Europa, sondern in den boomenden Regionen der Welt. Für eine missionarische Kirche liegt die Herausforderung im rasanten Wachstum der Städte in Südamerika, Afrika und Asien. In 20 Jahren werden vermutlich zwei Drittel der Weltbevölkerung in Großstädten und Megacities mit mehr als zehn Millionen Einwohnern leben. In der Konsequenz bedeutet das eine enorme Zunahme der gesellschaftlichen Spaltung in Arme und Reiche, die schon jetzt in vielen Städten extrem ist.

Die Städte bleiben Schulen des Respekts und der Toleranz, weil die Begegnung mit dem Fremden die Voraussetzung städtischen Lebens ist. Es liegt in der Verantwortung der Religionsgemeinschaften, ob sie sich für die friedliche Lösung städtischer Konflikte einsetzen oder in interreligiösen Auseinandersetzungen selbst Gewalt ausüben. Die moderne Stadt braucht Kirchen, die sich ihrer öffentlichen Verantwortung als Teil wie als Gegenüber der Stadtgesellschaft bewusst sind."


Freie Meinungsäußerung

"Unsere Kultur hat das Gut der freien Meinungsäußerung in Jahrhunderten sowohl den weltlichen wie auch den religiösen Machthabern abgetrotzt.

Meinungsfreiheit, Glaubensfreiheit und Kunstfreiheit sind für mich Errungenschaften, die nicht infrage gestellt werden dürfen. Ebenso wenig wie die Religionsfreiheit. Das schließt auch ein, dass Menschen Respekt vor religiösen Gefühlen fordern dürfen. Die Balance dieser Grundrechte muss von einer Gesellschaft immer wieder eingeübt werden."