Landesbischof Ralf Meister

Ein Prediger aus Leidenschaft

Grundsätzliche Lebenseinstellungen, die von der Jugend bis ins hohe Alte starr bleiben, findet der künftige hannoversche Bischof Ralf Meister eher verdächtig. Bewegung und Veränderung bestimmen die Lebensgeschichte des 49-Jährigen.

Mit Meister tritt ein leidenschaftlicher Prediger an die Spitze der Landeskirche mit knapp drei Millionen Mitgliedern. Der bisherige Berliner Generalsuperintendent charakterisiert sich selbst als "ein Wandernder in dieser Welt". Die Attraktivität des Neuen, der schmerzhafte Abschied vom Alten und dazwischen immer wieder die Suche nach einem Ganzen: "Das ist eine Melodie meines Lebens", sagt er.

Seit Mai 2008 predigte der gebürtige Hamburger gegen den "verbreiteten Gewohnheitsatheismus" in der Bundeshauptstadt an. Im Sprengel Berlin mit rund 720.000 Gemeindemitgliedern traf er auf Menschen, die keine Großeltern, Eltern oder Freunde hatten, die sie mit dem Glauben vertraut machten, erläutert er: "Und die ihnen zeigen konnten, dass es auch im Christentum eine frohe, offene Wahrnehmung des Lebens gibt."

Dem Theologen ist es wichtig, schwierige theologische Themen so aufzubereiten, dass jeder sie verstehen kann: "Das gelingt oft, aber nicht immer." Gelernt hat er dieses Handwerk auch als langjähriger Autor von Morgenandachten im NDR und als "Wort zum Sonntag"-Sprecher in der ARD. Die Kritikkultur bei den Medien findet er befreiend: "Wer öffentlich reden will, muss präzise formulieren und sich auf die Hörerinnen und Hörer einstellen. Das hat mich sehr gereizt."

Folgerichtig war Meister fünf Jahre lang Rundfunkpastor in Kiel, dann von 2001 bis 2008 Propst in Lübeck. Von dort führte ihn sein Weg nach Berlin und jetzt nach Hannover. Studiert hat Meister neben Theologie auch Judaistik, ein Jahr lebte er deshalb in Jerusalem.

Die Stellen, auf die er sich im Lauf seines Lebens von sich aus beworben hat, bekam er nicht, erzählt der hochgewachsene Norddeutsche mit dem immer noch leichten Hamburger Slang. Immer hätten ihn andere gefragt. "Sonst wäre ich vielleicht Pfarrer in London geworden oder nach Beirut gegangen." Gott habe eben bestimmte Wege verhindert und andere möglich gemacht: "Und nun bin ich da."

Sein erstes Ziel für die nächsten Monate sieht der neue Bischof darin, seine Landeskirche zwischen Harz, Heide und Nordsee kennenzulernen: "Das ist eine klare Binnenperspektive, aus der aber nachhaltig Linien erwachsen werden."

Ein paar dieser Linien zeichnen sich bereits ab. Der gewaltlose Widerstand der Kirchengemeinden in Gorleben gehört dazu, das Kirchenasyl für Flüchtlinge und die Massentierhaltung, "wo Ökonomie und Ethik aufeinander bezogen werden müssen". In kritischen gesellschaftlichen Situationen sollte auch der Bischof klärend oder deutend einen Satz sagen, betont Meister: "Der muss aber immer theologisch klar begründbar sein."

epd