Landesbischof Ralf Meister

Ralf Meister wurde am 26. März 2011 zum Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers eingeführt. Er ist damit Leitender Geistlicher der größten Landeskirche der EKD.

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Kein NPD-Verbot ist kritische Momentaufnahme

Nach dem Scheitern des NPD-Verbotsantrages vor dem Bundesverfassungsgericht hat Landesbischof Ralf Meister zu weiterem Einsatz gegen rechtsextreme Positionen aufgerufen. «Meine Sorge gilt jedem Einzelnen, der sich von menschenverachtenden, ausgrenzenden, rassistischen, antijudaistischen oder islamfeindlichen Positionen verführen lässt», sagte der evangelische Bischof am Dienstag dem epd in Hannover. «Wir bekämpfen diese Positionen und sind mit den Opfern dieser Diskriminierung solidarisch.»

Der Präsident des Karlsruher Gerichtes, Andreas Voßkuhle, hatte am Dienstag das Scheitern des Verbotsantrags der Bundesländer mit der geringen Bedeutung der NPD begründet. Die Partei verfolge zwar verfassungsfeindliche Ziele, es fehle aber an konkreten Anhaltspunkten, dass ihr Handeln zum Erfolg führen könnte.

Meister sagte: «Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes resultiert aus einer kritischen Momentaufnahme.» Jetzt müsse gefragt werden, wie gesellschaftliche Debatten zur Überwindung von menschenverachtenden und ausgrenzenden Positionen angestiftet werden könnten. Der Bischof verwies auf die Initiative «Kirche für Demokratie - gegen Rechtsextremismus» seiner Landeskirche und vergleichbare Initiativen. Sie hätten Programme entwickelt, um für Demokratie und gegen menschenfeindliche Haltungen einzutreten. «Diese Initiativen müssen wir weiter ausbauen.» (epd)
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ZDF-Gottesdienst: Zum Glauben ermutigen

Was heißt das eigentlich: Glauben?
Trägt mein Glaube in Krisen?

Diesen Fragen stellten sich Pastorin Beate Gärtner und Pastorin Gesa Steingräber-Broder aus der Matthäuskirche in Lehrte mit Landesbischof Ralf Meister im Fernsehgottesdienst "Typisch evangelisch - Zum Glauben ermutigt". Die Sorge um die eigenen Kinder, der Verlust eines lieben Menschen, das Erleben von Glauben im Alltag - bewegende Erzählungen von Gemeindegliedern standen im Focus des Gottesdienstes, den das ZDF live aus der Matthäuskirche in Lehrte bei Hannover übertrug. 

Landesbischof Ralf Meister hat in seiner Predigt vor einer "Welt der Helden" gewarnt. Insbesondere im vergangenen Jahr hätten überwiegend männliche Helden ihre Machtinteressen über das menschliche Miteinander gestellt, kritisierte der evangelische Theologe. "Frieden scheint nicht möglich zu sein." So ein "Spielplatz der Helden" führe zur permanenten Selbstüberforderung, gab er zu bedenken. "Hier ist jeder seines Glückes Schmied." Das Ergebnis dieser "versessenen Selbstüberschätzung" sei Gottverlassenheit. "Gerechtigkeit wird zur menschlichen Rechthaberei."    

Meister erinnerte an einen der vier zentralen Begriffe der Reformation - das "Sola fide". Hinter diesem Leitsatz "Allein durch Glauben" stecke die Überzeugung Martin Luthers, dass Gott nicht mit menschlicher Leistung zu gewinnen sei. Stattdessen gehe Gott selber aller menschlichen Leistung voraus. Auf uns warte ein Heil, das alle unsere Kräfte braucht und unsere Gebete. "Eine Botschaft, die auf unseren Heldenspielplätzen so nötig ist wie selten." 

Der Gottesdienst war Auftakt einer vierteiligen ZDF-Reihe. In den ersten vier evangelischen Fernsehgottesdiensten in diesem Jahr soll den Angaben zufolge je ein zentraler Begriff der Reformation vorgestellt werden. Neben dem Leitsatz "Allein durch Glauben" gehören dazu die Begriffe "Allein durch Gnade", "Allein durch die Schrift" und "Allein durch Christus". (epd/red)

Die Predigt im Wortlaut

Gottesdienst noch einmal ansehen (bis 15.1. online)

Bild: Dr. Andreas Wilkening, Lehrte

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Epiphanias 2017: Gemeinsames Lernen neuer Ordnungen

Landesbischof Ralf Meister und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) haben dazu aufgerufen, populistischen Tendenzen in der Gesellschaft zu widerstehen. "Wir folgen nicht den lautesten Rufern und den schnellsten Vorschlägen", sagte Meister am Freitag beim 67. Epiphanias-Empfang der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers im Kloster Loccum bei Nienburg. 

Meister erinnerte vor rund 140 Gästen aus Landespolitik, Wirtschaft und Kultur in Niedersachsen an die Lehren aus der NS-Zeit. "Wir bleiben skeptisch bei einer Idealisierung des Volkes und nationaler Ausgrenzung", sagte er. Angesichts einer "neuen Unordnung" in der Welt seien die Rufe nach einer kraftvollen, neuen Ordnung mit Regeln, denen alle zu folgen hätten, der falsche Weg. 

Die Weltlage und die Hilflosigkeit Europas angesichts internationaler Konflikte sei beunruhigend: "Der Aufstieg neuer, lautstarker Helden, auch in demokratischen Gesellschaften, irritiert", sagte der Bischof und fügte hinzu: "Der Umgang mit dem islamistischen Terror und mit Menschen, denen ihr eigener Tod mehr wert ist als unsere Leben, wirft grundlegende Ordnungen um."

Weil sagte, in einer Zeit unübersehbarer Umbrüche würden von den Politikern Antworten erwartet, die überzeugender seien als die einfachen Parolen der Populisten. Er verwies dabei auf den Terror und internationale Krisen, aber auch auf die wirtschaftliche Stärke und die Lebenszufriedenheit in Deutschland.

Zu den wichtigsten Herausforderungen gehöre die innere Sicherheit. "Die Bürgerinnen und Bürger wissen aber sehr wohl zwischen Sicherheit und simulierter Sicherheit zu unterscheiden", betonte Weil: "Eine sich selbst überschlagende Welle von immer neuen Gesetzesvorschlägen schafft gerade nicht Sicherheit, sondern schürt Unsicherheit."

Der Ministerpräsident stellte sich hinter die große Zahl der Flüchtlinge und Muslime im Land. "Die überwältigende Mehrheit von in Deutschland lebenden Muslimen sind nicht etwa verkappte Extremisten, sondern genauso anständige Bürger wie alle anderen auch", betonte er. Unter großem Applaus würdigte Weil den Einsatz der vielen Menschen, die sich nach wie vor für die Integration von Flüchtlingen engagierten. (epd)

Die Ansprache von Landesbischof Meister im Wortlaut

Bild: Johannes Neukirch

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2017: Ich will

"Gott spricht: Ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben. Jahreslosung 2017 aus Hesekiel 36,26

„Kirche muss sich ändern!“ „Kirche muss moderner werden!“ Das stand auf orangenen Zetteln, die mit dicken Nägeln an eine große Holztür genagelt waren. Auf unserem Ehrenamtlichentag im letzten Jahr schrieben die Besucherinnen und Besucher neue Thesen. „Kirche muss sich ändern!“  Was können wir dafür tun? Was müssen wir in Bewegung setzen?

Die Antwort der Jahreslosung für das neue Jahr: Wir können nichts tun. Unsere Anstrengungen retten nichts. Sie ändern auch nichts. Das war die tiefe Einsicht der Reformatoren, an die wir in diesem Jahr besonders denken. Die grundlegende Hoffnung auf Änderung liegt auf dem „Ich will“ Gottes:  „Ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben.“

Gott verleiht seinen Geist, damit wir Ausstrahlungskraft bekommen. Sein Handeln zielt auf die Welt, die ihn braucht. Ein neues Herz. Ein neuer Geist. Eine neue Kirche – Gemeinschaft der Heiligen. Neue Themen an alten Türen. Gott  macht den Anfang. Das geschieht nicht, indem die Institution erneuert, die Strukturen geändert oder die Verwaltung gestrafft wird. Das ist alles wichtig und soll geschehen. Aber neue Strahlkraft bekommen wir dort, wo Gottes „Ich will“ an uns wahr wird. Die Kraft des Anfangs – bis zu unserem letzten Tag. „Ich will...“ sagt Gott wieder und wieder, unverbesserlich gnädig..  „Solches sollte uns ja bewegen und treiben, unser Herz auf Gott zu erwägen mit aller Zuversicht“ (Martin Luther). 


Ein gesegnetes 2017 wünscht Ihnen

Ralf Meister

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Bild: Andrea Horn

Birthe Ullmann
vor 13 Tagen
Sehr geehrter Herr Meister,
obwohl ich mich überhaupt nicht für begriffsstutzig halte, muss ich ehrlich zugeben, dass ich Ihre Neujahrsansprache tatsächlich nicht verstehe.
Ihren Text habe ich bereits mehrfach durchgelesen, aber ich weiß wirklich und ganz aufrichtig nicht was Sie meinen.
Was soll Ihre Aussage "Wir können nichts tun" denn bedeuten? Der tiefere Sinn erschließt sich mir hier nicht.
Sollen wir in Ohnmacht und Passivität verharren? Wie soll das gehen in einer Gesellschaft, die sich der Zivilisation verschrieben hat?
Können Sie mir Ihre Worte erklären?
Es grüßt Sie
Birthe Ullmann
Bischofskanzlei
vor 13 Tagen
Sehr geehrte Frau Ullmann,

ein ur-reformatorischer Gedanke. "Mit unsrer Macht ist nichts getan" - mit diesen Worten beginnt die zweite Strophe von Luthers Lied "Ein feste Burg ist unser Gott". Menschliches Handeln, menschliche Macht steht nicht an erster Stelle - wohin das führt, wenn Menschen sich für allmächtig halten, zeigt unsere Zeit zur Genüge.
Deshalb: Zuerst Gott und die Frage: Was willst du Gott, das ich tun soll? Denn ohne dich kann ich nichts tun.
Dann erst wir und unser Handeln.
Das ist gut evangelisch.

Beste Grüße vom Team der Bischofskanzlei

Birthe Ullmann
vor 12 Tagen
Liebes Team der Bischofskanzlei,
ganz herzlichen Dank für Ihre Antwort. Leider vermisse ich einen solchen Dialog in den Kirchengemeinden.
Ich stimme Ihnen darin zu, wenn Sie sagen, dass der Mensch nicht allmächtig ist.
Macht ist an sich ja auch ein sehr negativ geprägter Begriff in Bezug auf das Wirken des Menschen - obwohl Macht ursprünglich von dem Verb vermögen abstammt, was zunächst "können" oder "fähig sein" bedeutete.
Der Mensch hat im heutigen Sinne der Begriffe Verantwortung und keine Macht - die Erde ist uns nur geliehen.

Gibt es eine Terminübersicht zu den Dialog-Foren, die Sie z. B. auf Wochenmärkten durchführen? Bei Gelegenheit würde ich gerne einmal dort vorbeischauen.

Herzliche Grüße sendet Ihnen
Birthe Ullmann
Wolfgang Banse
vor 8 Tagen
Kirche muß und sollte sich ändern,im Bezug auf die Semper Reformanda,um der Kirche und der Gläubigen willen.Ein gesegnetes,gnadenreiches,gesundes Jahr 2017 Wolfgang Banse
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Klar für Demokratie eintreten im Wahljahr 2017

Landesbischof Ralf Meister hat für das Wahljahr 2017 dazu aufgerufen, Nüchternheit und Gelassenheit zu bewahren. "Andernfalls besteht die Gefahr, dass wir in einen Populismus abgleiten, in dem allgemeine Gewissheiten durch Verdächtigungen und Lügen erschüttert werden", sagte der evangelische Theologe im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Er sei trotz aller Skandalisierungen im vergangenen Jahr von Grund auf optimistisch, dass die überwältigende Mehrheit der Deutschen fest zur Demokratie stehe, sagte Meister. "Auch wenn wir im rechten oder linken Spektrum politische Ausreißer haben, die auch mal zweistellig werden können, bleibt die Stabilität unserer Staatsform bestehen."

Diese Stabilität sei jedoch nur dann gewährleistet, wenn Parteien, Verbände und Vereine immer wieder klar für Demokratie einträten, betonte der Bischof. Zurzeit sei zwar weltweit eine kritische politische Entwicklung zu beobachten, doch die dürfe nicht zu "einem apokalyptischen Szenario der Hoffnungslosigkeit" gemacht werden. "Wir müssen noch deutlicher die Allianzen zeigen, die sich zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung bekennen."

Zu den wichtigen zivilgesellschaftlichen Akteuren gehöre auch die Kirche. Sie müsse sich daran gewöhnen, als ein Partner unter vielen anderen auch wechselnde Bündnisse einzugehen. Das könnten sowohl andere Verbände sein als auch der Staat, Nichtregierungsorganisationen oder Spontan-Initiativen. Wesentlich sei dabei, verbindlich und verlässlich zu bleiben, sagte Meister. "Wir müssen das, was wir versprechen, auch tun und können nicht morgen behaupten, wir hätten es uns anders überlegt."

Seit kurzem sammele die hannoversche Landeskirche als größte Mitgliedskirche in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) Erfahrungen in sogenannten Dialog-Foren. "Wir führen zum Beispiel auf Wochenmärkten offene Gespräche mit Menschen, die nicht in unsere Gottesdienste kommen, sondern sich eher kritisch zur Gesellschaft verhalten und nach Orientierung suchen." Die bisherigen Begegnungen waren Meister zufolge sehr positiv, weil es trotz unterschiedlicher Auffassungen wie etwa in der Flüchtlingsfrage möglich war, konstruktiv miteinander zu reden.

"Die Kirche agiert eben nicht für die Kirche, sondern für das Gemeinwohl und das soziale Miteinander in unserem Land", unterstrich der Bischof. Pastoren und andere kirchliche Mitarbeiter müssten sich in ihrer täglichen Arbeit immer wieder fragen, was sie für ihr Dorf oder ihren Stadtteil tun könnten. "Und da ist es dann auch wichtig, das Geld nicht nur für die Renovierung der Orgel zu sammeln, sondern auch für das Familienzentrum oder irgendeine andere soziale Initiative, die das ganze Dorf haben will."

copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen
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Bild: Bild: Jens Schulze

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Er kommt in die Freude und in die Angst

Es muss ein Faltposter aus der Apothekenrundschau gewesen sein. Jahr um Jahr hing dieses Bild Die Anbetung der Heiligen Drei Könige von Rogier van der Weyden in der Advents- und Weihnachtszeit über dem kleinen Sideboard neben dem Esstisch bei uns zu Hause. Mit Tesa-Film an der Wand befestigt, wurde es mit den Jahren immer etwas schäbiger an den Ecken, und die Knickfalze druckten trübe Linien über das Bild. Doch die prachtvolle Szene mit der entrückt schauenden Maria, dem greisen Joseph, dem nackten Kind und den Königen in reich verzierten Gewändern in einer zerfallenen Hütte blieb immer farbenreich anschaulich. Dieses Bild löste für mich die Kinderphantasien von weihnachtlichen Schneebildern mit einer frierenden heiligen Familie ab, denen ich am liebsten meine Winterjacke und meine Bettdecke geschenkt hätte.

Die Farbenpracht und die Intimität der Szene im Dreikönigsbild von Rogier von der Weyden fasziniert mich bis heute. Oft stand ich lange davor und empfand es als unglaublich, dass man überhaupt eine solche Malerei schaffen konnte. Viele Details dieses großartigen Altarbildes regten bei mir in den ersten Jahren neue Phantasien an: Wohin liefen die Menschen in der Stadt? Warum hatten die Könige nach ihrer wochenlangen Reise noch so pieksaubere Kleidung? Wollte keiner das Dach im Stall reparieren oder wenigsten die Fenster abdichten? Erst vor wenigen Jahren sah ich das Bild zum ersten Mal im Original in der Alten Pinakothek in München und sofort war - mitten im Sommer - Weihnachten. Ich sah meine Eltern und meine Geschwister am Heiligen Abend vor dem Putenbraten und Rotkohl am Esstisch sitzen.

Mir ist als Jugendlicher erst nach einigen Adventjahren das kleine, besondere Detail aufgefallen: Das Kruzifix an der Rückwand des Stalles. Schlicht und am Mittelpfeiler so aufgehängt, als sei es das Selbstverständlichste, dass der Gekreuzigte hinter dem neugeborenen Jesuskind hängt. Der Gekreuzigte schon gegenwärtig mitten in der Heiligen Nacht? Geburt und Tod nebeneinander. Es gibt kein Leben ohne Anschauung des Todes.

„Schau, wie das Knäblein Sündelos / Frei spielet auf der Mutter Schoß! / Und dort im Walde wonnesam / Ach, grünet schon des Kreuzes Stamm.“ So dichtet Eduard Mörike in Auf ein altes Bild.

Das wollen wir nicht, dass uns ins Idyll der Weihnachtsnacht auch noch die Traurigkeit hineingerät. Diese geretteten schönen Stunden sollen doch frei bleiben von Abschied und Tod. Das mag ein schöner Gedanke sein, aber er bleibt eine Illusion. Denn in jedem Weihnachtsfest schwingt doch der Abschied immer schon mit. Der Abschied aus der Kinderweihnacht, dem faszinierenden Zauber dieser Nacht, der immer wie ein großes Wunder über uns kam und uns in tagelange Aufregung versetzte. Dazu kamen die nicht erfüllten Wunschzettelwünsche. Doch viel wichtiger wurden die späteren Abschiede und auch Traurigkeiten von den eigenen, so tief gegründeten Träumen: ein Weihnachten noch einmal mit allen Kindern, ein Weihnachten noch einmal mit der kranken Mutter? Ein Weihnachten...?

Das Wunder dieser Nacht ist nicht nur glückschwingendes Läuten aus einer fernen Welt, sondern trägt die ganze vergängliche Welt in diese Stunden. Und darin auch die Melancholie, dass die schönsten Augenblicke immer schon Vergänglichkeit atmen. In Krippe und Kreuz steht uns das vor Augen. Auch unsere Weihnachtslieder erzählen von dieser unlösbaren Verbindung: In „O du fröhliche, O du selige, Gnadenbringende Weihnachtszeit“ singen wir „Christ ist erschienen, uns zu versühnen. Freue, freue dich, o Christenheit“. Auch „Ihr Kinderlein kommet“ klingt zunächst sehr nach Krippenidylle. Doch in der fünften Strophe heißt es: „O betet: Du liebes, du göttliches Kind, was leidest du alles für unsere Sünd! Ach hier in der Krippe schon Armut und Not,  am Kreuze dort gar noch den bitteren Tod.“

Nah kommt Gott uns, ganz nah. In unseren Krippenmomenten, wenn wir uns über Neues freuen, wenn wir aufbrechen und hoffnungsvoll in die Zukunft sehen. Und in unseren Kreuz-Erfahrungen, wenn wir verzweifelt sind, wenn wir nichts Gutes sehen können und unsere Kräfte ans Ende kommen. Er kommt in die Freude und in die Angst. In den Abschied wie in den Anfang. Alle Schritte unseres Lebens sind schon mit seiner Gegenwart gefüllt.

Der Ruf des göttlichen Engels über dem Stall von Bethlehem ist nie verstummt: „Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude!“ Er klingt herüber zu uns in jeder Heiligen Nacht und begleite Sie durch diese Weihnachtszeit!

Ihr

Ralf Meister


Zur Weihnachtspredigt von Landesbischof Meister

 

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Bild: Rogier van der Weyden, Anbetung der Könige, Columba-Altar, Bayrische Gemäldesammlung, No: 50010412

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Beachtung der Sicherheitsmaßnahmen zu Weihnachten

Die hannoversche Landeskirche wendet sich als größte evangelische Mitgliedskirche in Deutschland in einem Brief an ihre knapp 1.400 Kirchengemeinden. Hier heißt es unter anderem, dass die Sicherheitsmaßnahmen, die den Gemeinden ohnehin empfohlen würden, noch einmal besonders beachtet werden sollten, sagte Kirchensprecher Benjamin Simon-Hinkelmann. Dazu gehöre unter anderem, Telefonnummern von Rettungsdiensten parat zu haben oder auch bei vollen Kirchen Fluchtwege freizuhalten.

"Darüber hinaus vertrauen wir auf die gute Zusammenarbeit mit den Sicherheitsbehörden und der Polizei vor Ort, wenn auch klar ist, dass es keine absolute Sicherheit geben kann", betonte Simon-Hinkelmann. In diesem Jahr komme den Weihnachtsgottesdiensten eine zentrale Bedeutung zu: "Jedes 'Fürchtet Euch nicht' setzt ein Zeichen gegen Angst, Hass und Gewalt und für ein friedliches Miteinander in unserer Gesellschaft."

Nach dem Terroranschlag in Berlin von Montagabend verzeichnen die Kirchen in Niedersachsen zahlreiche Anfragen zu Sicherheitsvorkehrungen bei den bevorstehenden Weihnachtsgottesdiensten. Der leitende evangelische Theologe Renke Brahms in Bremen kann sich nicht vorstellen, dass die kirchlichen Feiern mit dem Maschinengewehr geschützt werden. "Das passt nicht zur Weihnachtsgeschichte, die wir mit den Worten predigen: Fürchtet euch nicht", sagte Brahms.

Es sei klar, dass es eine Verunsicherung gebe. "Die müssen wir als Seelsorger wahrnehmen, begleiten und in Worte fassen. Wir müssen damit aber auch leben." Die Weihnachtsgeschichte selbst spiele in unsicheren Zeiten, erinnerte Brahms, der auch Friedensbeauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist. "Und trotzdem wagen es die Engel, vom Frieden auf Erden zu singen." Wenn die Kirche ihre Gottesdienste aus Sicherheitsgründen einschränke, ginge sie den Terroristen "geradezu auf den Leim". Er vertraue der Polizei, dass sie die Situation im Auge behalte und sich gegebenenfalls melde, wenn weitergehende Maßnahmen ergriffen werden müssten.

Aus der Braunschweiger und Oldenburger Kirche sowie aus der Evangelisch-reformierten Kirche mit Sitz in Leer hieß es, dass die Kirchen in engem Kontakt zu den Behörden stünden und alle notwendigen Vorkehrungen zur Sicherheit der Gottesdienstbesucher getroffen würden. Über Einzelheiten könne keine Auskunft gegeben werden. (epd/red)


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Bild: Jens Schulze

Hass und Zorn sind keine Antwort

Worte des Schocks: Trauer, Tränen und Schmerz. Ratlosigkeit und Angst. Verzweiflung und Unsicherheit. Und Worte des Zorns: Entsetzen und Wut. Verfolgung und Strafe. Dazu drängt sich auf die Liste des Hasses: Fluch und Rache. Verdammnis und Tod.

In großer Trauer gedenken wir der Menschen, die auf dem Weihnachtsmarkt in Berlin durch einen Terroranschlag getötet oder verletzt wurden. Wir beklagen die Toten vor Gott, beten um Genesung für die Verletzten, bitten um Trost für die Angehörigen. Mit den Worten des Schocks treten wir vor Gott. Wir bergen sie in unseren Gebeten und sprechen mit den Worten des 39. Psalms: „Höre mein Gebet, Herr, und vernimm mein Schreien; schweige nicht zu meinen Tränen.“ So wahren wir die Würde der Opfer und treten aus der Wiederholungsschleife der Nachrichten und  den schnellen Verdächtigungen.

So kann auch verhindert werden, dass Hass eine Antwort auf den grauenvollen Terroranschlag ist. Wir dürfen uns nicht aufhetzen lassen. Nicht von Attentätern, nicht von Kommentatoren, nicht von Provokationen in den sozialen Netzwerken. Für die Aufklärung und Strafverfolgung vertrauen wir auf die Stärke des demokratischen Rechtsstaats. Und in die Liste der Hassworte diktiert Gott: „Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes“ (Römerbrief 12, 9). Rache und Vergeltung liegen nicht in unserer Hand. Nicht mit Worten, nicht mit Werken. Das auszuhalten wird schwer, weil unsere Gefühle uns in Versuchung führen. Gönnen wir den Attentätern nicht unseren Hass! Antworten wir mit der Haltung, die sie vernichten wollen: Furchtlosigkeit.

Die Botschaft der Weihnachtsnacht lautet: Fürchtet Euch nicht! Dieses Versprechen bleibt die Grundlage jeder freien Gesellschaft. Halten wir daran fest!

Ralf Meister


Birthe Ullmann
vor 26 Tagen
Sehr geehrte Damen und Herren,
werden die Kommentare auf Ihrer Homepage "zensiert"?
Gestern hatte ich hier einen Kommentar geschrieben, der zunächst erschien und nun verschwunden ist. Woran liegt das?
Über eine Rückmeldung würde ich mich sehr freuen.
Bischofskanzlei
vor 26 Tagen
Sehr geehrte Frau Ullmann,
nein, Ihr Beitrag wurde von uns nicht gelöscht. Wir können nicht erklären, wo Ihr Kommentar geblieben ist.
Wir behalten uns allerdings das Recht vor, Beiträge zu löschen, wenn Persönlichkeitsrechte von Menschen missachtet werden, indem sie diffamiert oder diskriminiert werden. Wir löschen auch, wenn mit Kommentaren die Grenzen des guten Geschmacks überschritten werden.
Freundliche Grüße und gute Wünsche zum Weihnachtsfest aus der Bischofskanzlei der Landeskirche Hannovers
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Zum Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Berlin

"Ich bin zutiefst betroffen über den furchtbaren menschenverachtenden Anschlag in Berlin. Meine Gedanken und Gebete sind bei den Verstorbenen und Verletzten, ihren Familien und Freunden. Ebenso bei den Rettungs- und Polizeikräften und allen, die diesen Anschlag unmittelbar erleben mussten.

Jetzt in Berlin und an so vielen anderen Orten weltweit sind in den letzten Wochen und Monaten Menschen brutal ermordet worden. Es ist für mich unfassbar, zu welchen Taten Menschen fähig sind.

Die weihnachtliche Botschaft „Fürchte dich nicht“ droht angesichts von so viel Gewalt unsere Herzen nicht mehr zu erreichen. Und doch können uns nur das Gebet und das Innehalten vor Rache und bösem Denken bewahren. Ich glaube fest daran, dass dem, der sich an die Weihnachtskrippe stellt, die Waffe aus der Hand genommen wird.

Ich hoffe, dass die Debatten über Sicherheit und die Verteidigung unserer freien Gesellschaft gegen Gewalt und Terrorismus die Balance zwischen Freiheit und Sicherheit behalten."

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Bild: unbekannt

Wolfgang Banse
vor 7 Tagen
Der Terror hat durch das Attentat auf dem Weihnachtsmarkt in der Nähe der Kaiser- Wilhelm Gedächtniskirche Deutschland erreicht..Es tat gut dass in der kathol. Bischofskirche St Hedwig Erzbischof Dr. Koch zu einer Trauerandacht lud,ein Trauergottesdienst in der Kaiser- Wilhelm- Gedächtniskirche mit ökumenischer Beteiligung gefeiert wurde.Mein Mitgefühl und Anteilnahme gehört den Angehörigen.Hass sollte nicht mit Hass beantwortet werden. Wolfgang Banse
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Aleppo: Kirchen müssen helfen

Landesbischof Ralf Meister beklagt angesichts der verzweifelten Lage der Menschen im syrischen Aleppo ein kollektives Versagen der Weltgemeinschaft. "In den Medien sehen wir fast apokalyptische Bilder einer beinahe vollständig zerstörten Stadt, durch deren kaputte Straßen Menschen irren, die versuchen, ihr Leben zu retten", sagte der evangelische Theologe im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd): "Diese Bilder haben für mich einen endzeitlichen Charakter."

Vor diesem Hintergrund sei es eine besondere Herausforderung, in zehn Tagen an Heiligabend über die Weihnachtsgeschichte zu predigen, die mit dem Statthalter Quirinius in Syrien ihren Anfang nahm. Die Geschichte von der Geburt Jesu, die voller Verheißung, Zuversicht und Hoffnung sei, beginne genau in dem Land, das sich seit Jahren in einer katastrophalen Situation befinde. "Man traut sich kaum, das nebeneinanderzusetzen, weil der Kontrast so groß ist", betonte Meister.

"Wir können in unseren Weihnachtsgottesdiensten nicht allein die Botschaft bringen, dass Gott es schon irgendwann richten wird", unterstrich der Bischof. Vielmehr müssten Gottesdienstbesuchern Möglichkeiten zur Hilfe aufgezeigt werden. "Das kann ein so kleiner Schritt sein, dass er vielleicht nur aus der Kollekte für die Diakonie Katastrophenhilfe besteht." 

Auch wenn die Situation schrecklich und hoffnungslos erscheine, müssten die Kirchen daran mitwirken, dass es in Aleppo und ganz Syrien wieder Leben und eine Infrastruktur gebe, unterstrich der Theologe. Die hannoversche Landeskirche unternehme seit einiger Zeit gemeinsam mit der Evangelisch-reformierten Kirche "einen verzweifelten Versuch, durch Partnerschaften zu helfen". In Syrien unterstützten die Kirchen vier Schulen, eine davon sei in Aleppo. Den letzten Kontakt habe es vor drei Wochen gegeben. 

Im neuen Jahr sei geplant, angehende evangelische Religionspädagogen der hannoverschen Landeskirche zu Schulpraktika in die großen Flüchtlingscamps in den Libanon zu schicken. Von den dort rund 400.000 lebenden Kindern könne zurzeit höchstens die Hälfte am Schulunterricht teilnehmen, weil es an Lehrern fehle.

"Wir brauchen jetzt das geballte Hoffnungsbündel, das in der Botschaft von der Geburt Jesus Christus steckt", sagte Meister: "Wenn wir unsere Hoffnung aufgeben, können wir auch gleich den Terroristen und den Folterknechten unsere Welt überlassen." (epd)
Birthe Ullmann
vor 28 Tagen
Sehr geehrter Herr Meister,
einige Teile Ihrer Wortwahl auf dieser Homepage betrachte ich mit Sorge.
Es heißt hier zum Beispiel, dass Sie "scharf verurteilen", dass Sie "warnen" und dass Sie "Versagen beklagen".
All diese Formulierungen klingen für mich wie Schuldzuweisungen und scheinen die Fronten eher zu verhärten. Ich bezweifle stark, dass diese Schuldzuweisungen der aktuellen Lage dienlich sind.
Es ist vielmehr an der Zeit, starke und zielgerichtete Entscheidungen zu treffen.
Es ist auch an der Zeit, nach Ursachen zu suchen und gegebenenfalls Richtungskorrekturen einzuleiten. Die Suche nach Schuld wird uns hier nicht weiterführen.

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