Landesbischof Ralf Meister

Ralf Meister wurde am 25. November 2010 von der 24. Landessynode gewählt und am 26. März 2011 zum Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers eingeführt.

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Bild: Filmplakat Human Flow

Human Flow - Bündnisunterstützer eingeladen

Landesbischof Meister hat 150 Unterstützerinnen und Unterstützer des Bündnisses "Niedersachsen packt an" zum neuen Film von Ai Weiwei "Human Flow" eingeladen.

 Seine persönlichen Eindrücke zum Film:

Die zwei Faktoren, die das 21. Jahrhundert prägen und verändern werden, sind der Klimawandel und die Migration. Am Umgang mit beiden Phänomenen wird sich die Zukunft der Menschheit und die Lebensfähigkeit unseres Planeten Erde entscheiden. Zum Thema der Migration hat einer der berühmtesten Künstler der Gegenwart, Ai Weiwei,  mit dem Film HUMAN FLOW ein eindrückliches Statement abgegeben.

Wer in 140 Minuten die Reise Ai Weiweis durch Flüchtlingslager in Wüstenlandschaft oder auf Schlammfeldern verfolgt, wer das unwürdige Leben von Greisen, hochschwangeren Frauen und Kindern in Zelten, Containern oder im Flugzeughangar gesehen hat, der hält die in europäischen Ländern heftig diskutierte Frage nach einer „Obergrenze“ für eine marginale Entscheidung, die im Angesicht der Dimension dieser Menschheitsherausforderung wie eine politische Posse erscheint.

Ai Weiwei dreht einen Dokumentationsfilm und setzt sich als Betrachter zeitweilig mit ins Bild. Man sieht ihn mit dem Handy filmen, man sieht ihn in der stillen Betrachtung einer Szene oder an der Route der Flüchtlinge. Diese Ereignisse, so zeigt er, erlauben nicht eine distanzierte Wahrnehmung, sondern sind immer beteiligte Beobachtung. Und die entscheidende Frage ist, ob die Weltgesellschaft bereit ist, sich zu beteiligen. Auf der Pressekonferenz während der Filmfestspiele in Venedig beschreibt er sich nicht als Erklärer. Er habe keine Antwort, er selbst bleibe nur Zuschauer. Doch zugleich dokumentiert er in Bildern die Dimension dieser Migrationsbewegung als eine Tragödie, die nicht die Menschheit, sondern den einzelnen Menschen trifft. Es ist nicht „die Flüchtlingswelle“ oder der „Strom der Menschen“, sondern das Bild von Abermillionen einzelnen Personen, die aufbrachen, um eine andere, sichere, bessere Welt zu finden.

Die Kritik auf diesen Film, als er in Venedig auf der Filmbiennale gezeigt wurde, war vom Publikum und den Journalisten scharf: „Kennen wir“, „Nichts Neues“, „Zu lang“.
Dieser Film hat kein gutes Ende. Aber er stellt in seiner Totalität, mit der er dieses Drama der Menschheitsgeschichte erzählt, die Frage, ob die Weltgemeinschaft diese Herausforderung des 21. Jahrhunderts annimmt oder scheitern wird. (Ralf Meister)


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Kirche mit mir: Zu Gast in Sögel und Bexhövede

Zwei ganz unterschiedliche Kirchengemeinden hat Landesbischof Meister im Rahmen seiner kleinen Tour im Vorfeld der Kirchenvorstandswahlen am 11. März 2018 besucht: Er war zu Gast in Sögel im Emsland und in Bexhövede in der Nähe von Bremerhaven. An beiden Orten war Landesbischof Meister beeindruckt von der Art und Weise, wie die leitenden Gemeindegremien ihre Kirchengemeinden fit machen für die Zukunft.

Die Kirchengemeinde Sögel ist eine der flächenmäßig größten Kirchengemeinden der Landeskirche: Über 30 Kilometer legt Pastor Matthias Voß zurück, wenn er von Surwold am einen Ende nach Klein Berßen am anderen Ende fährt. Trotzdem gelingt es dem Kirchenvorstand, dass in der Kirchengemeinde eine fast schon familiäre Atmosphäre spürbar wird. „Gemeindeleitung ist Teamarbeit von Haupt- und Ehrenamtlichen“, beschrieben die Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher im Gespräch mit dem Landesbischof ein entscheidendes Kriterium für ihre erfolgreiche Gemeindearbeit. Bei den Sitzungen des Kirchenvorstands sind neben den gewählten Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorstehern und dem Pastor auch immer alle haupt- und nebenberuflich in Kirchengemeinde Tätigen dabei.

Dieses Verbundenheitsgefühl im Leitungsteam strahlt auch über die eigenen Gemeindemitglieder hinaus aus.  Eine intensive und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der katholischen Gemeinde gehört fest zum Gemeindeleben dazu. „Die Ökumene ist hier im Prinzip schon, wo wir sie uns wünschen: Dass Christen sich zusammen für Menschen einsetzen“, lobte Landesbischof Ralf Meister.

Beim Besuch in Bexhövede bekam Landesbischof Ralf Meister gleich zu Beginn einen Eindruck von den Aufgaben, die der Kirchenvorstand aktuell zu bewältigen hat: Der Weg zum Gemeindesaal führte ihn in Bexhövede durch eine Baustelle, da das Gemeindehaus umfangreich saniert wird. „Unser Gemeindehaus platzt aus allen Nähten und ist sehr gut ausgelastet. Wir freuen uns deshalb, dass die Renovierungsarbeiten jetzt bald abgeschlossen sind“, berichtete Wilfried Geils, der seit fünf Jahren Vorsitzender des Kirchenvorstands ist. Den Gebäudebestand der Kirchengemeinde sieht er auf einem guten Weg, denn auch der Turm der Johannes-der-Täufer-Kirche, deren älteste Gebäudeteile aus dem 12. Jahrhundert stammen, ist eingerüstet und wird saniert.

Die Bauprojekte der Kirchengemeinde waren jedoch nur ein Teil der Arbeit, die der Kirchenvorstand in den vergangenen fünfeinhalb Jahren geleistet hat. Kraft und Zeit haben auch die strukturellen Veränderungen gekostet: Wie gelingt es, die Gemeindeglieder aus allen vier Orten der Kirchengemeinde in das Gemeindeleben einzubeziehen? Welche Gebäude sind für die künftige Gemeindearbeit nicht nur notwendig, sondern auch finanzierbar? Für die Kirchengemeinde bedeutete das, das Gemeindehaus in Sellstedt an die Kommune für die Einrichtung einer Krippe zu verkaufen.

All diese strukturellen und inhaltlichen Planungen erarbeitete und verantwortete der Kirchenvorstand gemeinsam. Während der Elternzeit von Pastorin Schilde haben die Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher zudem auch Teile der Aufgaben übernommen, die sonst oft dem Pfarramt zugerechnet werden. Ein Team aus Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorstehern, weiteren ehrenamtlichen Mitarbeitenden und jugendlichen Teamerinnen und Teamern war im vergangenen Jahr zum Beispiel hauptverantwortlich für die Konfirmandenarbeit der Kirchengemeinde – und erhielt viel Anerkennung und Lob von den Konfirmandinnen und Konfirmanden und deren Eltern. „Ich finde das total überzeugend“, sagte Landesbischof Ralf Meister. „Sie haben Formen gefunden, die für die Konfirmandinnen und Konfirmanden richtig gut passen und so lebendig und authentisch christlichen Glauben vermittelt. Das ist großartig.“

Sowohl in Sögel als auch in Bexhövede gibt es vorsichtigen Optimismus, dass es gelingt, genug Kandidatinnen und Kandidaten für die Kirchenvorstandswahl zu finden, die bereit sind, in der Kirchengemeinde Verantwortung zu übernehmen, um die erfolgreiche Gemeindearbeit fortzuführen. Dass das gelingt, glaubt auch der Landesbischof: „Ich habe in beiden Kirchenvorständen sehr engagierte Menschen getroffen.  Sie arbeiten kreativ und mit großem Erfolg daran, die Weichen in ihrer Gemeindearbeit so zu stellen, dass sie um auch in Zukunft Kirche vor Ort und nah bei den Menschen sein können. Und ich ermutige Sie, diesen Weg weiterzugehen.“ (bsh)

Bild: Bild 1: Sögel. Bild 2: Bexhövede. Foto: Landeskirche

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Abschied vom Mann der klaren Worte

Der Vorstandssprecher der Diakonie in Niedersachsen, Christoph Künkel, ist mit einem Festgottesdienst in Hannover in den Ruhestand verabschiedet worden. Der 59-Jährige hatte aus gesundheitlichen Gründen sein Amt an der Spitze des größten Wohlfahrtsverbandes im Land vorzeitig niedergelegt. Landesbischof Ralf Meister würdigte Künkel als einen Mann der klaren Worte, der in seinem Einsatz sich selbst und andere gefordert habe. Künkel habe der Diakonie in Niedersachsen in prägender Weise ein Gesicht gegeben, sagt Meister im Abschiedsgottesdienst.

Niedersachsens Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD) hob Künkels Engagement für soziale Gerechtigkeit hervor. "Sie verstehen sich als Anwalt für Menschen in sozialen Notlagen", sagte sie. Künkel habe sich für Menschen in Armut, für Alleinerziehende, für Pflegebedürftige, Wohnungslose, Flüchtlinge und insbesondere für Kinder eingesetzt, die in Armut lebten. "Sie hatten die im Blick, die sonst wenig Lobby haben."

Künkel war rund zehn Jahre lang als Oberlandeskirchenrat Abteilungsleiter für Diakonie im Landeskirchenamt in Hannover. Anfang 2009 wurde er zusätzlich Direktor des Diakonischen Werkes der hannoverschen Landeskirche. Seit im Januar 2014 vier der fünf evangelischen Kirchen in Niedersachsen das gemeinsame Diakonische Werk evangelischer Kirchen in Niedersachsen gegründet hatten, stand er als Vorstandssprecher an der Spitze des Zusammenschlusses. Diesem gehören die Landeskirchen von Braunschweig, Hannover und Schaumburg-Lippe sowie die evangelisch-reformierte Kirche an. (epd/red.)


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Bild: Johannes Neukirch

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Große Menschlichkeit spürbar

Das Tor zur Freiheit: Ein Ort der Hoffnung, des Schutzes und ein Sinnbild, neuen Mut zu schöpfen – dafür steht das Grenzdurchgangslager Friedland seit jeher. Über diesen kleinen Ort in Südniedersachsen kamen seit 1945 mehr als vier Millionen Menschen nach Deutschland. Eine wichtige Rolle spielen dabei seit Beginn die kirchliche Seelsorge und angewandte diakonische Hilfe. Über die Schwerpunkte in der Arbeit der Inneren Mission und des Evangelischen Hilfswerks informierte sich Landesbischof Ralf Meister im Gespräch und bei einem Rundgang mit Pastor Thomas Harms. Das Lager Friedland bei Göttingen war Anlaufstelle für Flüchtlinge und Vertriebene nach dem Zweiten Weltkrieg, für entlassene Kriegsgefangene, für Aussiedler und Zufluchtsuchende aus vielen Teilen der Welt. Heute ist es Erstaufnahmeeinrichtung für Spätaussiedler, jüdische Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion, für Asylsuchende und Resettlement-Flüchtlinge. „Sie und ihre Mitarbeiter leisten hier eine tolle Arbeit“, stellte der Landesbischof der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers schnell fest. „Durch die Mitarbeiterinnen wird eine besondere Atmosphäre der Ruhe und Gemeinschaft vermittelt: Hier ist eine große Menschlichkeit spürbar.“

 

Seit einem Jahr ist der Göttinger Thomas Harms als Seelsorger für das gesamte Grenzdurchgangslager in Friedland zuständig und zugleich Geschäftsführer der Inneren Mission, eine diakonische Einrichtung der evangelischen Kirche. Thomas Harms kümmert sich zusammen mit 20 weiteren Mitarbeitern der Inneren Mission um die ankommenden Menschen. Zusammen mit Diakon Shahinian heißt er die Neuen, die häufig nur wenige Wochen bleiben und anschließend auf Kommunen in ganz Deutschland verteilt werden, in Friedland willkommen, vermittelt Orientierung, feiert Gottesdienste und begleitet die Menschen im seelsorgerischen Einzel- und Gruppengespräch. Daneben bietet die evangelische Kirche auch praktische Hilfe für die Geflüchteten an. 

Einige dieser  vielfältigen Angebote wurden bei dem Rundgang besucht: Gleiche Chancen für die Menschen unterschiedlicher Herkunft bietet die Kleiderkammer, die vor allem Kindern und Jugendlichen Rucksäcke und Schultaschen aushändigt. Das Frauenzentrum der Caritas und der Inneren Mission mit Nähstube und Spielzimmer bietet geflohenen Frauen einen besonderen Lern- und Schutzraum. Männer haben hier keinen Zutritt. Auch im Kinderhaus und in der Vorschule sind meistens die Mütter mit ihren Schützlingen anzutreffen. Im fröhlichen Gewusel spielen Kinder mit ganz unterschiedlichen Muttersprachen wie Russisch und Arabisch friedlich zusammen. Tafelbilder erklären spielerisch die ersten deutschen Vokabeln. Thomas Harms berichtet in den hellen Räumlichkeiten über die Herausforderungen, die Kinder jeweils nur eine kurze Zeit zu betreuen, bevor der Umzug ihrer Familien an einen neuen Wohnort in Deutschland erfolgt. „Die Kinder sollen Kinder sein und bleiben – gerade hier im Lager Friedland. Deshalb gibt es Angebote für jede Altersgruppe, um den Kindern für den meist kurzen Aufenthalt Ruhe, Frieden, Freude und die ersten deutsche Worte zu vermittelt“, erklärt Pastor Thomas Harms, bevor es weiter zum Kindersprachraum und in das von einer Irakerin entwickelte Sprachlabor geht. Dieses dient den Geflüchteten als Hilfe zur Selbsthilfe, spielerisch Deutsch zu lernen. „Hören, sprechen, lesen, schreiben – alle Lernmethoden werden hier vermittelt“, verdeutlicht die Ingenieurin Bushna Karim, die vor 16 Jahren als Flüchtling ohne Deutschkenntnisse in die Bundesrepublik kam und sich die Sprache selbst beibrachte. Die Kirche mit ihrer Diakonie ist hier direkt vor Ort, inmitten der Menschen im Lager Friedland“, stellte Pastor Harms heraus. Der Landesbischof pflichtete ihm bei: „Wir dürfen das Engagement für Menschen in Not nicht als temporären Aspekt betrachten. Es gehört zum Urauftrag der Kirche, sich den Menschen helfend an die Seite zu stellen.“ Sichtlich Freude habe ihm die Begegnung mit den Kindern bereitet. „Hinsichtlich der Sprachkurse und des Angebotes wird an alle gedacht: Hier wird eine sehr gute Arbeit mit Nähe zu den Menschen geleistet.“ (Text: Mareike Spillner)


Bild: Mareike Spillner

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Bild: Jens Schulze

Dauerhafter Feiertag

Landesbischof Ralf Meister hat sich dafür ausgesprochen, dass der Reformationstag dauerhaft ein Feiertag werden soll: 

„Die Art und Weise, wie in den vergangenen 365 Tagen das Reformationsjubiläum gefeiert worden ist, offen und international, ökumenisch und interreligiös und mit einer selbstkritischen Auseinandersetzung mit den dunklen Seiten Martin Luthers zeigt, dass es Raum gibt für einen Tag, der die Bedeutung der Religion und ihrer Funktionen in unserer Gesellschaft einschreibt. Nicht als Abgrenzung, sondern als Reformationsimpuls für eine zukunftsfähige Gesellschaft.“
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In aller Freiheit…

Mit einem Festgottesdienst hat die Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen am Reformationstag in Hannover an den Beginn der weltweiten Reformation vor 500 Jahren erinnert. 

Landesbischof Ralf Meister berichtete von einem Besuch in der vom Bürgerkrieg total zerstörten syrischen Stadt Homs. Dort kümmere sich eine Initiative von Christen inmitten von Ruinen um Kinder, um ein Zeichen der Hoffnung zu setzen. "Diese Welt braucht Hoffnung - wenn nicht durch uns, durch wen dann sonst", habe ihm eine Frau gesagt. Meister, der auch Ratsvorsitzender der Konföderation ist, hatte sich im Oktober bei einer Reise nach Syrien und in den Libanon über christliche Hilfsprojekte informiert.

Synodalpräsidentin Sabine Blütchen aus Oldenburg dazu auf, alle Menschen gleich welcher Herkunft in christlicher Nächstenliebe als Gottes Geschöpf anzunehmen, auch wenn sie einer anderen Religion angehörten: "Was ist denn der Obsthändler türkischer Abstammung, die pakistanische Studentin, der geflüchtete Jugendliche aus Syrien anderes als ein Nächster?" Christen müssten sich zudem für gleiche Chancen von Männern und Frauen in der Gesellschaft einsetzen.

Die Direktorin der Niedersächsischen Landeszentrale für politische Bildung, Ulrika Engler, appellierte an die Zuhörer, im gesellschaftlichen und politischen Leben für die Freiheit einzutreten. Freiheit sei die Grundlage und der "zentrale Rahmen unseres Lebens, den wir verteidigen müssen", sagte die ausgebildete katholische Theologin. Nicht zufällig stehe die Freiheit an der Spitze der Zehn Gebote, die das Volk Israel an seine Befreiung aus der Knechtschaft in Ägypten erinnerten. "Lassen Sie uns Freiheit leben, Tag für Tag, im Großen und im Kleinen."

Paulina Spieß, Volunteer vom Verein Reformationsjubiläum e.V. in Wittenberg, berichtete von ihren beeindruckenden Erfahrungen beim Stationenweg mit einem Truck quer durch Europa. "Reformation ist jung, ist jetzt und geht weit über Grenzen hinweg." Ihre Kollegin Emilia Diers brachte das auch in ihrer Fürbitte zum Ausdruck.

Der musikalisch geprägte Gottesdienst zum 500. Reformationstag mit rund 800 Besuchern in der Marktkirche stand unter dem Motto "In aller Freiheit" und nahm damit ein zentrales Thema des Reformators Martin Luther (1483-1546) auf. Repräsentanten aller fünf evangelischen Kirchen in Niedersachsen gestalteten die Feier mit, unter ihnen der braunschweigische Landesbischof Christoph Meyns, der schaumburg-lippische Landesbischof Karl-Hinrich Manzke und der reformierte Kirchenpräsident Martin Heimbucher. (epd/red.)
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Bild: Jens Schulze

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Parlament wichtigster Ort in der Topologie der Demokratie

Landesbischof Ralf Meister hat in einem Gottesdienst zur Einweihung des neuen Plenarsaals im niedersächsischen Landtag das Parlament als den "wichtigsten Ort in der Topologie der Demokratie" bezeichnet. "Der demokratische Staat braucht offene Häuser, in denen der Wettstreit um die Zukunft des Gemeinwesens stattfindet", sagte der Vorsitzende des Rates der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen am Freitag in Hannover. An der Feier in der Marktkirche nahmen unter anderen auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und der katholische Weihbischof Wilfried Theising aus Vechta teil.

Der Bischof betonte, das Parlament stehe für den besonderen Schutz des Volkes. "Es bewahrt den Innenraum unserer Freiheitsrechte und setzt nach außen Grenzen, wo diese Ordnung gefährdet ist." An die Parlamentarier gerichtet sagte Meister, das Volk schaue mit Respekt auf ihre Arbeit. "Die Art und Weise, in der sie dieses Haus füllen, wird repräsentativ sein für das Ansehen unseres Landes." Das Parlament müsse ein Haus des Verstandes und der Vision sein.  

An den Gottesdienst schloss sich ein Festakt mit rund 700 Gästen an. Der niedersächsische Landtag wurde vom Sommer 2014 bis in den Oktober 2017 umfassend saniert und umgebaut. Die Kosten dafür belaufen sich nach Angaben des Landtags auf rund 58,2 Millionen Euro. Das Parlament tagte während der Umbauphase im Forum des ehemaligen Georg-von-Cölln-Haus, das als Interims-Plenarsaal hergerichtet wurde und der Marktkirche direkt gegenüber liegt.
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Bild: Gottesdienst mit Bundespräsident Steinmeier vor der Eröffnung. Foto: Jens Schulze

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Syrien: Zerstörung und Normalität

„Warum sind Sie nach Homs gefahren, werden mich Journalisten vielleicht fragen, wenn ich wieder zurück in Deutschland bin. Und ich werde antworten: Weil die Kirchengemeinde in Homs Teil unserer christlichen Familie ist und bleiben wird. In Jesus Christus werden wir über Grenzen hinweg eine Familie Gottes“, sagte Landesbischof Ralf Meister bei seiner Predigt in der evangelischen Gemeinde im syrischen Homs am gestrigen Sonntag (22. Oktober 2017).

Über 120 Menschen waren zu dem Gottesdienst gekommen, den der Landesbischof gemeinsam mit dem Generalsekretär des Gustav-Adolf-Werks, Enno Haaks, und dem Pfarrer der evangelischen Gemeinde in Homs, Mofid Karajili, feierte. Meister überbrachte in dem Abendmahlsgottesdienst die Grüße der Hannoverschen Landeskirche und betonte die Verbundenheit der Christinnen und Christen in aller Welt: "Wenn wir zusammenkommen, singen oder beten in unterschiedlichen Sprachen und unter ganz unterschiedlichen Umständen, dann fühlen wir, dass wir eins sind in Gott."

Bereits am Samstag war Landesbischof Meister in Homs eingetroffen und hatte sich selbst ein Bild von der vom Krieg stark betroffenen Stadt gemacht. Viele Häuser sind zerstört, ebenso Moscheen und Kirchen. Mittlerweile ist ein Teil der Bewohnerinnen und Bewohner nach Homs zurückgekehrt und ist bemüht, sich in den vom Einsturz bedrohten oder nahezu unbewohnbaren Häusern wieder eine Existenz aufzubauen. "In der Altstadt versuchen Menschen, Normalität - was auch immer das sein kann - wieder zu gewinnen", beschreibt Enno Haaks seine Eindrücke vom Besuch in der Stadt.

Mitten in der Altstadt vom Homs leitet Pfarrer Mofid Karajili seine evangelische Gemeinde, die noch ca. 500 Mitglieder hat. 100 von ihnen besuchen in der Regel den Sonntagsgottesdienst. Direkt neben der Kirche liegt eine zerstörte Moschee und eine zerstörte Schule. Inzwischen ist die Kirche ein Hoffnungsort inmitten der Ruinen: "Ich glaube, dass es Sinn macht, hier zu sein. Ich will bleiben und Hoffnung säen! Und: Das geht", sagt Mofid Karajili. Und er betont wie wichtig die Unterstützung aus dem Ausland ist, sowohl die materielle als aus geistliche Hilfe. "Wir brauchen eure Gebete und eure Solidarität!"

(Text: Enno Haaks/Pressestelle der Landeskirche)

Bild: Enno Haaks

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"Frieden in einer unfriedlichen Umgebung"

Kein Land hat in Relation zur eigenen Bevölkerung mehr syrische Flüchtlinge aufgenommen als der Libanon; 1,8 Millionen sollen sich im Land aufhalten. Am zweiten Tag seiner Reise hat Landesbischof Meister in der evangelischen Schule in Zahle am Rande der Bekaa-Ebene einen syrisch-orthodoxen Christen getroffen, der vor vier Jahren aus der Region Rakka in Syrien geflohen ist, die bis jetzt vom IS kontrolliert wurde. Sein ältester Sohn lebt mittlerweile in Deutschland. Sein jüngerer Sohn wurde von IS-Kämpfern getötet – eine lebenslange, traumatische Erfahrung. Arbeiten darf der Syrer als Flüchtling im Libanon nicht. In der evangelischen Schule übernimmt er jedoch kleine Arbeiten, um wenigstens zu einem kleinen Teil für seinen Lebensunterhalt aufkommen zu können. In der nächsten Zeit wird er den Libanon Richtung Europa verlassen. Im Rahmen einer Familienzusammenführung darf er zu seinem Sohn nach Deutschland reisen.

"Die Reformation als Bildungsbewegung ist hier im Libanon lebendig"
Die evangelischen Schulen im Libanon bemühen sich, die Situation der vielen syrischen Flüchtlinge zu verbessern und setzen sich dafür ein, dass die geflohenen Kinder zumindest Lesen und Schreiben lernen können. Landesbischof Meister verschaffte sich bei einem Rundgang durch die Schule einen Eindruck vom Leben und Lernen der Kinder. "Die Schulen sind ein lebendiges Zeugnis reformatorischen Glaubens. Die Reformation war immer auch eine Bildungsbewegung - das ist hier im Libanon lebendig", zeigt sich Landesbischof Meister beeindruckt von dem Engagement der Schulen. In Beirut traf er die Schulleiter der evangelischen Schulen. Sie berichteten von der engen Vernetzung der Schulen untereinander und mit den christlichen Gemeinden, sprachen aber auch über die Motivation für ihre Arbeit. "Wir sind in dieses Land gestellt, um mit unserem Glauben und den uns von Gott geschenkten Möglichkeiten Zeugnis für unseren Glauben zu geben", sagt Professor Johnny Awwad, pädagogischer Koordinator für die sieben Schulen der National Evangelical Synod of Syria and Lebanon (NESSL). „Wir stehen zu unseren Werten und wollen die Freiheit des Denkens und des eigenen Gewissens stärken. Damit leisten wir einen Beitrag zur Vielfalt in der libanesischen Gesellschaft und zum Frieden in einer unfriedlichen Umgebung."

Am Abend stand ein Konzertbesuch des Lebanese National Symphony Orchestra auf dem Besuchsprogramm: Aus Anlass des 500-jährigen Reformationsjubiläum spielte das 1998 gegründete Orchester Werke von Felix Mendelssohn-Bartholdy (Op. 107, "Reformation") und Ludwig van Beethoven.  

(Text: Enno Haaks/Pressestelle der Landeskirche)

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Bild: Haaks

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Besuch evangelischer Schulen im Südlibanon

Zum Auftakt seiner Reise in den Libanon und nach Syrien hat Landesbischof Ralf Meister am Donnerstag die evangelische Schule in Nabatieh im Süden des Libanon besucht. Die große Mehrheit der 1.300 Schülerinnen und Schüler dort sind Schiiten. "Die Eltern schicken ihre Kinder in unsere Schule, weil sie uns vertrauen, weil unsere Ausbildung einen hohen Standard hat und weil sie hier geschützt sind vor dem Versuch der Indoktrinierung durch Islamisten", sagt der Generalsekretär der National Evangelical synod of Syria and Lebnaon (NESSL) Pfarrer Joseph Kassab. "Wir selbst verstehen unser Engagement als ein Zeugnis unseres christlichen Glaubens. Mit unseren christlichen Werten versuchen wir Beispiel zu geben für gegenseitigen Respekt und Toleranz."

Neben der Schule in Nabatieh gibt es noch sechs andere Schulen im Libanon in Trägerschaft der syrischen evangelischen Kirche; eine Schule liegt im syrischen Aleppo. Drei weitere Schulen in Syrien werden von evangelischen Gemeinden betrieben. Eine große Herausforderung ist für die evangelische Kirche die Finanzierung ihrer Schulen, denn private Schulträger erhalten im Libanon keinerlei staatliche Unterstützung. „Fakt ist, dass der Libanon ohne die Schulen in kirchlicher Trägerschaft den relativ guten Bildungsstand nicht halten kann“, sagt Enno Haaks, Generalsekretär des evangelischen Gustav-Adolf-Werks, der Landesbischof Meister auf seiner Reise begleitet.

Zudem stehen die Schulen auch vor der Aufgabe, syrische Flüchtlingskinder in den Schulen unterzubringen. „Es ist zu spüren, dass die Frage der Integration von Flüchtlingskindern drängend ist. Derzeit sollen ca. 200.000 syrische Kinder und Jugendliche im Libanon ohne Schulausbildung sein. Ändert sich hier nichts, dann wächst eine hoffnungslose Generation heran mit entsprechenden Folgen“, so Haaks weiter.

Von Nabatieh reiste Landesbischof Meister zu einer weiteren evangelischen Schule in Sidon, der viertgrößten Stadt im Libanon. 1.700 Schüler und Schülerinnen werden hier unterrichtet. 95% sind muslimischen Glaubens sunnitischer Prägung. Knapp über 200 palästinensische Kinder des nahen Flüchtlingscamps besuchen die Schule.

"Gesellschaftliche Versöhnung"

"Mich beeindruckt, dass die Kirche mit ihren Schulen einen Beitrag zur Versöhnung in der libanesischen Gesellschaft leistet - und das auch im Blick auf den langen Bürgerkrieg von 1974-1990", zeigte sich Landesbischof Meister beeindruckt von dem hohen Engagement der evangelischen Christinnen und Christen in der Region.

Am Abend traf Landesbischof Meister in Beirut dann weitere Vertreterinnen und Vertretern der National Evangelical Synod of Syria and Lebanon sowie den Deutschen Botschafter im Libanon, Martin Huth.

(Text: Enno Haaks, Pressestelle der Landeskirche)

Erwartungen des Landesbischofs an diese Reise

Bild: 1: Gespräch mit dem deutschen Botschafter im Libanon Martin Huth. 2: Evangelische Schule in Sidon. Fotos: Haaks

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