Landesbischof Ralf Meister

Ralf Meister wurde am 25. November 2010 von der 24. Landessynode gewählt und am 26. März 2011 zum Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers eingeführt.

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Bild: Bischofskanzlei

Reformationstag gesetzlicher Feiertag in Niedersachsen

Als Ratsvorsitzende der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen sagt Landesbischof Ralf Meister zur Entscheidung des niedersächsischen Landtags zur Einführung des Reformationstages als gesetzlichen Feiertag:

„Die evangelischen Kirchen in Niedersachsen freuen sich über die historische Entscheidung des Landtags, den Reformationstag als gesetzlichen Feiertag in Niedersachsen einzuführen. Wir danken allen, die sich in den vergangenen Monaten dafür eingesetzt haben.

Mit dem Reformationstag bekommt Niedersachsen einen Feiertag, der in seiner Gestaltung herausfordernd ist und große Chancen bietet, aber auch unbequem sein kann. Beim Reformationsjubiläum im vergangenen Jahr ist es gelungen, den 31. Oktober religionsübergreifend, ökumenisch und weltoffen zu begehen. Auch die kritische Auseinandersetzung mit theologischen Irrtümern der Reformatoren hat dabei breiten Raum eingenommen. Die große Beteiligung an den Gottesdiensten und Veranstaltungen hat gezeigt, dass der Reformationstag von vielen Menschen in Niedersachsen mitgetragen wird.

Mit der Gestaltung des neuen gesetzlichen Feiertages werden wir daran anknüpfen: Wir wollen in Veranstaltungen und Gottesdiensten in ganz Niedersachsen über unser gesellschaftliches Miteinander ins Gespräch kommen. Das können die großen, übergreifenden Fragestellungen sein: Was bedeutet Freiheit, wenn wir über Datenskandale oder den Schutz von nationalen Grenzen sprechen? Ebenso können aus Anlass des Reformationstages im Dorf oder in der Stadt unterschiedliche Player wie Sportvereine, Feuerwehr, Landfrauen, Kirchen und kommunale Vertreterinnen und Vertreter zusammenkommen, um neue soziale Impulse für das Dorf oder den Stadtteil zu geben. Über 2.000 Kirchengemeinden in ganz Niedersachsen sind ein Garant dafür, den neuen gesetzlichen Feiertag in diesem Sinne breit im ganzen Land zu verankern.

Der Streit um die Einführung des Feiertages wurde in den letzten Wochen und Monaten mit hohem Engagement geführt. Ich hoffe, dass sich jetzt alle politischen und gesellschaftlichen Akteurinnen und Akteure wieder aufeinander zu bewegen und daran mitarbeiten, dass der neue Feiertag ein Feiertag aller Bürgerinnen und Bürger in Niedersachsen wird. Der Reformationstag kann als Diskussionsforum genutzt werden, um über die verschiedenen Standpunkte und Überzeugungen miteinander ins Gespräch zu kommen. Denn eines ist für mich ganz deutlich: Alle Kulturen sind auf kontinuierliche Reformationen im Sinne von Erneuerungen, Verbesserungen und Umgestaltungen angewiesen.

Ich bin zuversichtlich, dass es gelingen wird, dass wir am 31. Oktober 2018 in ganz Niedersachen den Reformationstag als ein Tag für alle Bürgerinnen und Bürger feiern: Fröhlich, offen, ökumenisch und interreligiös und mit Blick auf die zentralen Fragen unserer Gesellschaft.

In ganz Niedersachsen sind am 31. Oktober 2018 Gottesdienste sowie weitere Veranstaltungen anlässlich des Reformationstages geplant. In Hannover wird es am Vorabend des Reformationstages eine Veranstaltung zum christlich-jüdischen Dialog geben. Am Reformationstag selbst ist ein zentraler Gottesdienst in der Marktkirche in Hannover sowie ein Empfang im Alten Rathaus der Stadt Hannover geplant. Der Jurist und Rechtsphilosoph Prof. Dr. Horst Dreier (Würzburg) hält hier einen Vortrag.

(Pressestelle der Landeskirche)


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Delegationsbesuch der EKD und der Church of England in Brüssel

Unter der Leitung von Landesbischof Ralf Meister und Bischof Jonathan Gibbs, beide Vorsitzende der Meissen Kommission der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Kirche von England, begegneten sich in Brüssel die Delegationen beider Kirchen, um mit EU-Vertretern über die Zukunft Europas und die Auswirkungen des bevorstehenden Brexit auf unsere Länder und Kirchen zu beraten.
 
Der Besuch, zu dem das EKD-Büro in Brüssel unter Leitung von OKRin Katrin Hatzinger eingeladen hatte, setzt ein klares Signal dafür, dass die Kirchen sich durch die gegenwärtigen europäischen Entwicklungen dazu aufgerufen sehen, ihre eigenen Anstrengungen im Blick auf den europäischen Zusammenhalt noch einmal zu intensivieren.

Die Gespräche führten sehr deutlich vor Augen, vor welchen Herausforderungen Europa derzeit steht. Nicht nur der bevorstehende Brexit, sondern auch die unterschiedlichen ökonomischen Entwicklungen und die Zunahme von Populismus in der EU bereiten den Verantwortlichen in Brüssel große Sorgen.
Gesprächspartner waren u.a. David Brück (Deputy Head of the Brexit Unit und Permanent Representation of Ireland to the EU), Andrew Elliott (Director of the Office of the Northern Ireland Executive), Benjamin Hartman (Council of the EU - General Secretariat Task Force on the UK), Janis Emmanouilidis (Director of Studies, European Policy Centre) und Prof. Christian Calliess LLM EUR (Legal Adviser to the European Political Strategy Centre, European Commission).

Die zwischen beiden Kirchen bestehende Partnerschaft im Rahmen der Meissener Erklärung aus dem Jahr 1991 arbeitet an der vollen, sichtbaren Einheit der Kirchen und setzt sich für die Versöhnung zwischen Deutschland und England ein. (Text: EKD/red.)


Bild: OKR Christoph Ernst, EKD

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Segenswünsche zum Ramadanfest

Landesbischof Ralf Meister hat den rund 300.000 Musliminnen und Muslimen in Niedersachsen seine Segenswünsche zum Ramadanfest überbracht. "Mit Ihnen gemeinsam werden wir uns auch in Zukunft mit aller Kraft für ein gutes interreligiöses Zusammenleben und das Grundrecht auf Religionsfreiheit einsetzen", schreibt er in einer Grußbotschaft an die islamischen Verbände und Gemeinden und fügt hinzu: "Denjenigen, die den Islam als Religion zweiter Klasse ansehen, werden wir entschieden widersprechen."

Das Miteinander von Christeninnen und Christen und Muslimen wird Meister zufolge in diesen Tagen auf mancherlei Weise herausgefordert: "Moscheen werden attackiert, Frauen wird das Kopftuch entrissen, im Deutschen Bundestag wird verächtlich über Muslime gesprochen." All dies sei schwer zu ertragen. Dazu zählten auch die Angriffe gegen Juden, die in den vergangenen Wochen Anlass für verschiedene Demonstrationen waren. "Viele von uns haben nicht gedacht, dass sie noch einmal nötig sein würden". (epd)

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Streit um den Reformationstag ist konstruktiv

Die Auseinandersetzungen um den Reformationstag in Niedersachsen sind nach Auffassung der hannoverschen Landeskirche in ihrer Heftigkeit zwar überraschend, aber dennoch konstruktiv. "Der Streit war auf keinen Fall umsonst", sagte Landesbischof Ralf Meister dem Evangelischen Pressedienst (epd): "Es ist hilfreich zu wissen, dass noch viel Arbeit vor uns liegt, um uns vor allen mit den Katholiken und unseren jüdischen Partnern zu verständigen." Falls sich der Landtag am kommenden Dienstag für den 31. Oktober als neuen gesetzlichen Feiertag ausspreche, sollte dieser Tag für die ganze Gesellschaft neu gestaltet werden.

Hamburg und Schleswig-Holstein hatten sich bereits im Februar für den Reformationstag entschieden. Die Bremer Bürgerschaft stimmte in erster Lesung ebenfalls dafür. Das kleinste Bundesland will aber mit der endgültigen Abstimmung zunächst abwarten, wie sich der niedersächsische Nachbar entscheidet. In Niedersachsen verlief die Diskussion kontrovers. Die jüdischen Gemeinden, aber auch die katholische Kirche, die religionskritischen Humanisten und Wirtschaftsverbände übten scharfe Kritik. "Diesen Tag zum Kirchenspaltungstag zu stilisieren, hat uns überrascht und erschreckt", sagte der Meister zur Kritik der katholischen Kirche. 

Oberlandeskirchenrätin Kerstin Gäfgen-Track sagte, es gehe darum, "diesen Tag künftig noch bewusster, offener, ökumenischer, interreligiöser und sehr viel stärker mit Blick auf Gesellschaft und Staat aufzustellen". Die Bevollmächtigte der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen fügte hinzu: "Wir müssen unsere Positionen austauschen und sowohl nach den Gemeinsamkeiten als auch nach den Unterschieden suchen. Nur durch den Streit hindurch kommen wir zu einem Zusammenhalt." Dies sei auch unabhängig davon, ob der Tag zum staatlichen Feiertag erklärt werde oder nicht. 

Am Vorabend des Reformationstages solle es künftig in Hannover und einigen anderen größeren Städten Vorträge und Podiumsdiskussionen mit namhaften Persönlichkeiten geben, erläuterte Meister als Bischof der größten evangelischen Landeskirche in Deutschland. Im Flächenland Niedersachsen seien aber Veranstaltungen auf dem Lande genauso wichtig. Der 31. Oktober biete sich gut dazu an, um gemeinsam über Projekte für das neue Jahr nachzudenken. "Wenn die Schützen, die Feuerwehr und die Kirchen sowie der ehrenamtliche Bürgermeister und die Landjugend zusammenkommen, um zu feiern und neue soziale Impulse für die Dorfgemeinschaft zu geben, wäre das doch ganz im Sinn der Reformation", sagte Meister.

"Wie auch immer das Ergebnis der Abstimmung ausfällt, wir laden alle gesellschaftlichen Gruppen ein, den Reformationstag gemeinsam mit uns mit neuem Leben zu füllen", betonte der Bischof: "Wir werden unsere Türen offen halten." (epd)
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Treffen mit orthodoxen Geistlichen aus Niedersachsen

Die regelmäßigen Begegnungen mit orthodoxen Geistlichen aus Niedersachsen, die Landesbischof Ralf Meister vor sechs Jahren initiiert hatte, ist durch ein herzliches Miteinander und einen lebendigen und interessanten Austausch geprägt.
Zum wiederholten Mal traf man sich im orthodoxen Zentrum in Hannover im Mengendamm, in diesem Jahr unter dem Thema: "Die Bedeutung der Liturgie in der Diaspora". Welche Rollen spielen der Gottesdienst und die Gemeinschaft der Gemeinde am Sonn- und Festtagen für Menschen, die in Deutschland eine neue Heimat gefunden haben?
Die orthodoxen Geistlichen erzählten von der großen Bedeutung einer regelmäßigen geistlichen Begleitung für ihre Diaspora-Gemeinden. Diese Gemeinschaften sind ein zentraler Haftpunkt für Menschen aus Rumänien, aus dem mittleren Osten, Russland, Griechenland oder Serbien. Zudem bleibt es wichtig, dass es Kirchen für diese Diaspora-Gemeinden gibt. So suchen mehrere orthodoxen Gemeinden nach Kirchenräumen in Niedersachsen. In vielen Fällen gibt es bereits eine Gastfreundschaft evangelischer Gemeinden, aber auch die Abgabe von kirchlichen Immobilien an orthodoxe Gemeinden wird geprüft.
Die gemeinsame Begegnung endete mit einer Andacht in der serbisch-orthodoxen Kirche in Hannover. 

Auf dem Foto (von links): Priester Alexej Tereschenko, Erzpriester Milan Pejic, Pfarrer Woldemar Flake, Landesbischof Ralf Meister, Lars-Torsten Nolte, Archimandrit Gerasimos Frangulakis, Priester Nikolas Georgus, Priester Mihai Ilas
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Bild: Matthias Borchert

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Festgottesdienst 700 Jahre Markus-Kirche Sülfeld 

Bild: Thorsten Bollmann

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"Den Kreislauf von Gewalt unterbrechen"

Landesbischof Ralf Meister hat angesichts der weltweiten Gewalt an die Hoffnung auf Frieden und Freiheit für alle Menschen erinnert. "Niemand von uns ist nicht schon einmal Opfer von Gewalt gewesen", sagte Meister bei einem ökumenischen Gottesdienst in Wunstorf zum "Tag der Bundeswehr." Jeder könne eine eigene Geschichte erzählen von Belästigung, Beschimpfung, Unterdrückung, Mobbing, Drogen, Intoleranz, Armut oder Wut. Auch die eigene Geschichte der Gewalttätigkeit, könnte erschreckend sein.

Meister erzählte in seiner Predigt von einem irakischen Flüchtling mit christlichem Glauben, den er bei sich in Hannover aufgenommen hatte. Der 28-Jährige habe bei einer Anhörung zu seinem Asylantrag vor Gericht die Geschichte aus dem Neuen Testament von der Steinigung einer Frau erzählt. Sie handelt davon, wie Jesus die Gewalt verhindert habe, durch den Satz: "Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein". Die Steinigung eines Menschen sei nicht Teil vergangener Geschichte sondern immer noch inoffizieller Rechtsalltag in radikalen islamischen Ländern, sagte Meister. "Todessteine werden auch heute noch geschleudert mit der Begründung islamischen Rechts."

Für den Flüchtling, der ein Leben voller Gewalt erlebt habe, sei diese Erzählung der Gewaltunterbrechung eine "große Geschichte der Freiheit" gewesen, betonte der Theologe. Sie habe ihn aus einer Welt von Terror und Angst befreit. "Eine Geschichte, die nicht nur die Gewalt unterband, und darin Gerechtigkeit schuf, sondern die nach der eigenen Schuld fragt." An diese Erzählung, an den Glauben von einem Gott, der mit aller Kraft versucht habe, den Kreislauf von Gewalt zu unterbrechen, habe er seine Hoffnung geheftet.

Text: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen

Bild: Gerald Petzold/Thorsten Bollmann

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"Trump verschachert Gnade Gottes"

Landesbischof Ralf Meister hat die Auffassung des US-Präsidenten Donald Trump scharf kritisiert, dass dieser sich selbst begnadigen darf. "Billiger kann man die Gnade Gottes nicht verschachern, als mit der Behauptung, jederzeit das Recht zu haben, sich absolut selbst zu begnadigen", sagte der evangelische Theologe am Dienstag dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Hannover.

Trump hatte am Montag in einem Tweet geschrieben: "Wie von zahlreichen Rechtswissenschaftlern dargelegt wurde, habe ich das absolute Recht, mich selbst zu begnadigen, aber warum sollte ich das tun, wenn ich nichts falsch gemacht habe?"

 Der Präsident nahm damit Medienberichten zufolge offensichtlich Bezug auf Spekulationen, dass es im Zuge der Russland-Affäre zu Begnadigungen kommen könnte. Die "New York Times" hatte am Sonnabend einen 20-seitigen Brief veröffentlicht, den die Trump-Anwälte John Dowd und Jay Sekulow im Januar an Sonderermittler Robert Mueller geschickt hatten. Meister betonte, mit diesem Satz, "diskreditiert Trump sich nicht nur intellektuell, sondern auch geistlich und menschlich".

Text: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen

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Bild: Bild: Neukirch

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Bild: Jens Schulze

Bericht vor der 25. Landessynode

Landesbischof Ralf Meister hat zu einem engeren Miteinander der Religionsgemeinschaften aufgerufen. "Wenn wir nicht an einem Strang ziehen, geraten wir noch stärker als bisher schon in den Verdacht, überflüssig oder geradezu gefährlich zu sein", sagte Meister vor dem Kirchenparlament in Hannover. "Ich denke, dass wir mehr als bisher auf die anderen Religionen zugehen und enger kooperieren sollten", sagte er in dem turnusmäßigen Bericht, den er in neuer Form mit 26 Fragen und Antworten vortrug. 

Die Religionen dürften nicht instrumentalisiert werden. "Das meint das provokative Aufhängen von Kreuzen in Behörden genauso wie Hasspredigten in Moscheen, den Streit um das Kreuz auf der Kuppel am neuen Berliner Stadtschloss, die Debatten um eine Leitkultur oder um die überflüssige Frage, ob der Islam zu Deutschland gehört", sagte er. "Wir erleben religiös verbrämte Anschläge und müssen mit Entsetzen zur Kenntnis nehmen, dass sich jüdische Mitbürger an einigen Orten nicht mehr trauen, in der Öffentlichkeit die Kippa aufzusetzen. Da gilt es Farbe zu bekennen." Es gehe nicht darum, Unterschiede zu verwischen oder Traditionen einzustampfen, erläuterte Meister. "Es ist aber an der Zeit, den Beweis anzutreten, dass Menschen mit einer religiösen Identität die Gesellschaft nicht spalten, sondern versöhnen." 

Der Bischof warb trotz der Kritik von jüdischen Gemeinden und aus der katholischen Kirche erneut für den Reformationstag als künftigen gesetzlichen Feiertag in Niedersachsen. Die jüdischen Gemeinden lehnen den Tag mit Verweis auf die Judenfeindlichkeit Martin Luthers ab. Meister hielt dagegen, die Feier des Reformationstages werde nicht zu einer "Martin-Luther-Gedenkfeier" werden. "Der Tag der Reformation ist ein Tag für Toleranz und das Miteinander der Religionen", betonte er. Dies hätten die Feierlichkeiten zum 500. Jubiläum der Reformation im vergangenen Jahr untermauert, die vielfach in ökumenischer Gemeinschaft mit der katholischen Kirche begangen worden seien. 

Mit Blick auf die weltweite Migrationsbewegung schlug der Bischof einen landesweiten "Runden Tisch" von Nichtregierungsorganisationen, Politik, Unternehmen und anderen Partnern vor. Dieser könnte etwa "Niedersachsen hilft" heißen und mit Entwicklungs- und Friedensarbeit Menschen in ihren Herkunftsländern unterstützen. "Die weltweite Migrationsbewegung wird in diesem Jahrhundert neben dem Klimaschutz eine der größten Herausforderungen für die Menschheitsfamilie bleiben."

Zum Klimaschutz könne die Kirche noch mehr beitragen, sagte er. Möglich sei etwa, Teile der rund 40.000 Hektar Kirchenland als ökologische Ausgleichsflächen zur Verfügung zu stellen. Einnahmeverluste der Kirchengemeinden als Landeigner könnten durch einen Fonds der Landeskirche ausgeglichen werden. Auch mit Blick auf ihre Gebäude könne die Kirche mehr tun, wenn sie etwa die Förderung von Sanierungen an eine überdurchschnittliche Reduktion des Energieverbrauchs knüpfe. Meister regte ein Klimaschutzgesetz für die größte evangelische Landeskirche in Deutschland an. Von der Kirche könne zudem die Initiative zu einer Niedersächsischen Klimakonferenz ausgehen. 

Die Kirchen sollten dort, wo es keine grüne Energieversorgung gebe, im Winter nur ausnahmsweise genutzt werden, sagte der Bischof. Zugleich hob er die prägende symbolische Funktion die Kirchbauten hervor. Sie müssten "als geistliche Orte, Asylräume, Friedensstätten und Kultur- und Begegnungsplätze" erhalten werden.(epd)

Den ganzen Bericht lesen Sie hier
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Bild: Bischofskanzlei

Pfingsten - Fest der Entgrenzung

Am Wochenende erwarten uns mehr als zwei freie Tage. Es ist Pfingsten. Das Fest mit den vielen Sprachen trifft einen zentralen Kern unseres Miteinanders. Denn wir erzählen an Pfingsten, dass der Geist Gottes Menschen unterschiedlichster Herkunft, Sprache und Hautfarbe so eng miteinander verbindet, dass sie sich verstehen und eines Geistes sind. Zugleich aber wird darin auch deutlich: Pluralität gehört zum Glauben dazu.

In den Zeiten eines wiedererwachenden Nationalismus, in den Zeiten von Anschlägen, Grenzverletzungen und Kriegen ist das eine sehr aktuelle und dringliche Botschaft für alle Völker. Bevor die Menschen verbunden werden, beseitigt der Geist Gottes die Grenzen zwischen Menschen. Und ich kenne keine andere religiöse Erzählung, die so radikal auf Entgrenzung und darin zugleich auf eine neue Verbindung setzt: Nur der Geist der Liebe und des Friedens ist wichtig, alles andere nebensächlich. 

Ein schönes sichtbares Zeichen dafür, dass wir mit unserem heutigen Pfingstfest daran anknüpfen, sind die vielen Gottesdienste unter freiem Himmel. An Christi Himmelfahrt, aber auch an Pfingsten gehen wir oft aus den Kirchengebäuden hinaus und feiern „Open Air“. Beim ersten Pfingstfest kamen die Menschen in Jerusalem ursprünglich zum jüdische Wochenfest zusammen, genannt Schawuot. Es ist ein Erntedankfest und gehört zu den jüdischen Wallfahrtsfesten, an denen Menschen von überall her nach Jerusalem reisen. Diese vielen Menschen aus aller Welt feierten damals zusammen – und vermutlich  auch vorwiegend im Freien. Dabei wurden sie Zeuginnen und Zeugen der ersten öffentlichen Predigt der Jünger Jesu. In diesem Jahr werden übrigens Schawuot und Pfingsten gleichzeitig gefeiert.

An Himmelfahrt und Pfingsten stellt sich die noch kleine Schar der Jesus-Anhänger darauf ein, dass Jesus nicht mehr sichtbar und physisch unter ihnen ist. Und sie machen die Erfahrung: Es kommt alles darauf an, dass der Funke auf uns selbst überspringt. Trauer oder Heldenverehrung bringen uns nicht weiter. Wir sind in Gottes Geist miteinander verbunden und werden durch ihn die Lage versetzt, Liebe zu üben und in Frieden miteinander zu leben. Das ist das grundlegende Narrativ für christliche Gemeinden. Deshalb wird ja Pfingsten auch der „Geburtstag der Kirche“ genannt.

Wer Pfingsten predigt und Gottesdienste gestaltet, wird auch darüber reden, wo und wie Gottes Geist heute wirkt, wo Schranken durch die Liebe Gottes fallen, die uns sonst trennen. Ein faszinierendes aber auch umstrittenes Beispiel habe ich einmal zu Pfingsten in Lübeck in der Marien-Kirche erlebt. Dort sprachen alle Vertreter der Weltreligionen aus ihren eigenen Traditionen Texte zum Frieden und zur Toleranz. Und sie wurden nicht kritisch kommentiert sondern als offene Möglichkeit zugelassen: Hier weht der Wind Gottes. Deshalb bin ich sicher, dass diese Erzählung zeigt, an wie vielen Stellen wir durch Mauern, Zäune, Grenzen, in der Welt oder im Herzen gegen die Freiheit des liebenden Geistes Gottes agieren.

Gesegnete Pfingstage wünscht Ihnen
Ihr
Ralf Meister


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