Landesbischof Ralf Meister

Ralf Meister wurde am 26. März 2011 als Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers eingeführt. Seit 9. November 2018 ist er Leitender Bischof der VELKD.

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Bild: Heiko Preller

Ein Dank an alle Ehrenamtlichen

"Rund 130.000 Frauen und Männer engagieren sich in den Gemeinden der hannoverschen Landeskirche ehrenamtlich. Für diesen Einsatz danke ich allen von Herzen. Die Gemeinschaft in unseren Dörfern und Städten lebt davon, dass Menschen aktiv werden und ihre Begabungen einbringen.

Dabei wird deutlich, dass die Zukunft des kirchlichen Ehrenamtes eng verbunden ist mit den Herausforderungen der modernen Gesellschaft. Ehrenamtliche leisten in unserer Kirche einen unersetzbaren Dienst. An vielen Stellen arbeiten sie Hand in Hand mit den Hauptamtlichen. Die neue Verfassung unserer Landeskirche nimmt das auf und hebt hervor, dass ehrenamtlicher und beruflicher Dienst mit gleichem Rang dem Aufbau der Gemeinde Jesu Christi dienen. Diese Kultur des Miteinanders weiter zu entwickeln, wird unsere gemeinsame Aufgabe sein."

Ralf Meister

Mehr zum Tag des Ehrenamtes lesen Sie hier.
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Reichtum biblischer Texte und Lieder erschließt sich neu

Neue Perikopenordnung mit Gottesdienst in Lutherstadt Wittenberg eingeführt

Zu Beginn des neuen Kirchenjahres am ersten Advent ist in der Wittenberger Schlosskirche eine überarbeitete Sammlung mit Texten und Liedern für evangelische Gottesdienste vorgestellt worden. Die neue "Ordnung gottesdienstlicher Texte und Lieder", auch Lektionar oder Perikopenordnung genannt, gilt künftig als Richtschnur für Lesungen und Predigttexte an Sonn- und Feiertagen, wie die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) mitteilte.

Der Vorsitzende der Union Evangelischer Kirchen in der EKD (UEK), Kirchenpräsident Christian Schad, und der Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), der hannoversche Landesbischof Ralf Meister, übergaben zum Gottesdienst jeweils ein Lektionar an Vertreterinnen und Vertreter der Landeskirchen. Geleitet wurde der Gottesdienst von der Direktorin des Evangelischen Predigerseminars Wittenberg, Sabine Kramer. Als Perikopen werden die Textabschnitte für die Schriftlesung und die Predigt bezeichnet. Lektionar heißt das oft aufwendig gestaltete, liturgische Buch, das im Gottesdienst verwendet wird.

"Die Ordnung gottesdienstlicher Texte und Lieder ist ein Einheitsband des deutschen Protestantismus wie die Lutherbibel und das Gesangbuch", erklärte Schad zum neuen Perikopenbuch. Meister betonte, durch die Zusammenstellung der Texte und Lieder erschließe sich der Reichtum der biblischen Tradition noch einmal ganz neu. Jeder Sonntag habe eine eigene Prägung. "Das ist ein Schatz, den wir zur Geltung bringen wollen", betonte der hannoversche Landesbischof.

Bei der Neuordnung wurde laut EKD rund ein Fünftel der biblischen Texte ausgetauscht. Künftig werden in evangelischen Gottesdiensten beispielsweise mehr Texte aus dem Alten Testament zu hören sein sowie mehr Texte, in denen Frauen eine wichtige Rolle spielen. Das neue Perikopenbuch ist eine Überarbeitung der bisherigen Ordnung von 1978. Ihre Ursprünge reichen bis ins Mittelalter zurück.

Größere Veränderungen gibt es auch bei den Liedern. Zu jedem Sonn- und Festtag werden nun zwei Lieder aus unterschiedlichen Epochen vorgeschlagen, darunter etwa ein Drittel zeitgenössische Lieder oder solche, die in den vergangenen Jahrzehnten populär geworden sind. Auch einige Fest- und Gedenktage sind neu in die Ordnung aufgenommen worden, zum Beispiel der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar und der Tag des Gedenkens an die Novemberpogrome am 9. November, aber auch der Martinstag am 11. November und der Nikolaustag am 6. Dezember. (epd)

Bild: EKD

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Bild: Ralf Meister (r.) begrüßt Pastor Mofid Karajili, Bild: Jens Schulze

Eine Kirche des Vertrauens 

Bericht vor der Landessynode
Vertrauensnotlage, sexueller Missbrauch, Syrien und Europa im Fokus

In seinem Bericht zur XI. Tagung der 25. Landessynode diagnostiziert Landesbischof Ralf Meister eine Vertrauensnotlage in der Gesellschaft. "Könnte es sein, dass der Mensch nach dem Vertrauen in Gott nun auch das Vertrauen in den Menschen verloren hat?", fragte er. Ihm fehlen Bilder einer Zukunft, für die es lohnt, sich einzusetzen. Für Meister erwächst daraus ein Auftrag an die Kirche: "Die stärkste Geste und überzeugendste Haltung, die wir Christinnen und Christen unserer Welt schulden, ist ein mutiger, klarer und zukunftsfroher Blick nach vorn. Was trägt die hannoversche Landeskirche mit ihren Gemeinden und Einrichtungen dazu bei?"

Die Kirche muss Vertrauen schaffen, indem sie sich ihren Fehlern stellt, befand Meister: "Die zahlreichen Fällen sexuellen Missbrauchs haben einen Vertrauensverlust herbeigeführt, dessen Ausmaß wir nicht ermessen können." Er kündigte an, dass die Landeskirche aktiv die wissenschaftliche Studie der EKD zum Thema unterstützen werde. Darin sollen unabhängige Experten untersuchen, ob es systemische Ursachen in der evangelischen Tradition oder Theologie gibt, die Missbrauch begünstigen. "Wir haben viel getan, aber es hat vielleicht nicht gereicht", räumte Meister selbstkritisch ein. 


Unmittelbar vor dem Bischofsbericht berichtete Pastor Mofid Karajili aus Aleppo von der Situation der Christen in Syrien und überbrachte ihren Dank für die Unterstützung der Landeskirche. Meister stellte vor, wie sich die Partnerschaft mittlerweile entwickelt hat: Erstmals sind im Herbst Studierende aus Hildesheim und Göttingen in die Flüchtlingslager im Libanon gereist, um dort die evangelischen Schulen zu unterstützen und etwas Abwechslung in den tristen Alltag der Flüchtlingskinder zu bringen. Meister präsentierte die neue Webseite, die über das Engagement der Landeskirche informiert: www.zukunft-fuer-syrien.de 

Der Landesbischof warb dafür, sich der Initiative European Church Convention anzuschließen. Christen aus verschiedenen Ländern bereiten hier eine Art Kirchentag für ganz Europa vor: "international, konfessionell vielfältig und als starkes Zeichen für ein gemeinsames Europa."

Landesbischof Meister in seinem Bericht vor der Landessynode - hier im Wortlaut

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"Bitte helft uns, offen zu bleiben"

Im Angesicht des Brexit streben die evangelischen Kirchen in Deutschland und die Anglikanische Kirche eine engere Zusammenarbeit an. Das zeigte eine Diskussion in der Marktkirche zum Thema „Over and out? Die Kirchen vor dem Brexit“ 

„Herzlich willkommen in der Marktkirche in Hannover, im Herzen Europas." So stimmte der Moderator Bernward Kalbhenn die Besucherinnen und Besucher auf das Thema des Abends ein. Unter dem Motto "Over and Out?" diskutierte Landesbischof Ralf Meister am Buß- und Bettag mit seinen Gästen, Archdeacon Colin Williams von der Church of England und dem EU-Abgeordneten Sven Giegold, über die Zukunft der Kirchen in einem auseinander driftenden Europa.

Die Beziehungen zu Großbritannien liegen Meister besonders am Herzen. Er ist Co-Vorsitzender der Meissen Kommission, die die Evangelische Kirche in Deutschland und die Church of England 1991 ins Leben gerufen haben, um einen Beitrag zur Versöhnungsarbeit zwischen England und Deutschland zu leisten. Die Landeskirche Hannover und die englische Diözese Leeds wollen eine Partnerschaft aufbauen. Meister betonte, es brauche Begegnungen von Pastoren, Diakonen und Kirchengemeinden oder Schulklassen. „Dann ist viel getan.“ Mit Blick auf die Abstimmung in Großbritannien sagte er: „Glücklicherweise stehen wir in Deutschland nicht vor einer solchen Frage.“. Es gebe auch in den evangelischen Kirchen in Deutschland einen „nicht unerheblichen Anteil von Menschen, die rechtspopulistisch denken“. 

Für die Church of England war Archdeacon Colin Williams nach Hannover gekommen. Er ist leitender Geistlicher der Auslandsgemeinden der Anglikaner in Nord- und Osteuropa. Williams bedauerte, dass etwa zwei Drittel der Kirchenmitglieder in Großbritannien für den Brexit gestimmt haben. Das entspreche dem Abstimmungsverhalten aller über 70-Jährigen, und etwa dort liege auch das Durchschnittsalter der Gemeinden.

Die Kirchenleitung habe zu leise für einen Verbleib in der EU geworben, sie sehe nun selbstkritisch auf das Ergebnis. „Das war ein Scheitern der Kirchenleitung.“ Es sei zu viel über Geld und technische Fragen im Zusammenhang mit der EU gesprochen worden. Die Kirche hätte zum Beispiel betonen müssen, dass Europa auch dank der EU nun über 70 Jahre in Frieden lebe. Williams: „Wir hätten lauter von der Seele Europas sprechen sollen.“ Der Archdeacon appellierte an die Kirchen in Deutschland, sich gerade jetzt um weitere Kontakte zu Gemeinden in Großbritannien zu bemühen. Die Kontakte, die es zum Beispiel zwischen Berlin oder Braunschweig und englischen Diözesen gebe, hätten beiden Seiten viel gebracht. „Bitte helft uns, offen zu bleiben“, appellierte er.

Der Europa-Abgeordnete Sven Giegold (Grüne) rief die EU-Staaten auf, Großbritannien gerade nach dem Brexit fair zu behandeln. Es gebe dort bereits jetzt eine wachsende Zahl von EU-Befürwortern. Wenn in Großbritannien auch künftig zu spüren sei, dass das Land als Partner gewollt sei, hofft er, werde dort auch den Wunsch nach einem Wiedereintritt wachsen. 

Giegold sprach außerdem über die Idee, eine Art europäischen Kirchentag ins Leben zu rufen, um den Zusammenhalt auch über die Grenzen der EU hinaus zu steigern. Soziale Medien seien wichtig für die Kirchen. Aber um Gemeinschaft gerade für junge Christinnen und Christen erlebbar zu machen, genügen sie nicht, meint er: „Lasst uns mehr Mut haben, Orte zu schaffen, wo wir uns tatsächlich begegnen können.“ 

Dirk Altwig

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Bild: v.l.: The Venerable Colin Williams, Moderator Bernward Kalbhenn, Sven Giegold MEP und Landesbischof Meister

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Bild: Johannes Neukirch

Der Bischof, Sophiechen und die Riesen

Am Vorlesetag der Stiftung Lesen lässt Landesbischof Meister in der Jakobi-Bücherei in Hannover Geschichten lebendig werden

Hannover (epd). Die Stimme des Vorlesers ist warm und lebhaft. Gut, er habe vorher auch geübt, sagt Landesbischof Ralf Meister, denn es sei lange her, seit er Kindern vorgelesen habe, seine eigenen seien mittlerweile groß. Doch die Kinder, die heute bunt besockt auf orientalischen Sitzkissen in der evangelischen Jakobi-Bücherei hocken, hören ihm gebannt und staunend zu. Der Bischof liest ihnen aus dem Kinderbuch "Sophiechen und der Riese" von Roald Dahl vor.

Die Schüler einer dritten Klasse der Grundschule Wasserkampstraße, acht oder neun Jahre alt, sind 24 von über einer halben Million Kindern in ganz Deutschland, für die Erwachsene sich am "Vorlesetag" Zeit genommen haben, ihnen eine Geschichte vorzulesen. Die Stiftung Lesen und die Wochenzeitung "Die Zeit" hatten den Tag vor 14 Jahren ausgerufen. Mittlerweile unterstützen die Initiative Partner wie die Deutsche Bahn Stiftung, und zahlreiche Prominente machen mit: Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) ebenso wie die Journalistin Anne Will, die Modedesignerin Jette Joop, der Schauspieler Wanja Mues oder der Sänger Rolf Zuckowski.

Oder wie Landesbischof Meister, der auch dem Evangelischen Literaturportal vorsteht, dem Dachverband der evangelischen öffentlichen Büchereien. Dazu gehört auch die Jakobi-Bücherei im hannoverschen Stadtteil Kirchrode. Mit rund zwei Dritteln ihrer 5.500 Bücher, Hörbücher oder DVDs richtet sie sich eigens an Kinder und Jugendliche.

Die Schüler der Klasse 3e besuchten sie laut Klassenlehrerin Kerstin Wunnenberg häufig: "Alle vier Wochen suchen wir uns hier Bücher aus". Doch die jetzige Aktion dürfte den Kindern ziemlich neu vorkommen. Denn der Landesbischof liest für sie so vor, als hätte er Zeit seines Lebens nichts anderes gemacht.

Meister lebt die Geschichte: Er bewegt dabei seine Hände, macht laute Pustegeräusche, zieht an seinen Ohren, um die großen Ohren des Riesen im Buch zu veranschaulichen. Und er imitiert die Stimme der kleinen Protagonistin Sophiechen, die zusammen mit dem guten Riesen gegen die bösen Riesen kämpft. Die Kinder belohnen ihn mit ungeteilter Aufmerksamkeit.

"Meine Mutter hat mir und meinen Geschwistern die Märchen der Gebrüder Grimm vorgelesen", sagt Meister. "Das habe ich sehr gemocht und dadurch früh das Lesen selbst gelernt." Nun möchte er die Erfahrung an andere Kinder weitergeben.

Das kommt anscheinend an. Der achtjährige Felix hat sich über die Lesung gefreut. "Ich habe zwei kleine Brüder, und meine Eltern lesen ihnen vor, mir jetzt nicht mehr so oft", sagt er. Rieke würde das Buch gerne zu Ende lesen, aber "doch lieber alleine". Und Johann fand die Geschichte "witzig, vor allem wegen der lustigen Wortverdrehungen". Aber auch, "weil der Mann im Anzug sehr gut gelesen hat".

Cristina Marina (epd)

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Frieden braucht Leidenschaft

Landesbischof predigt in Ripon -
Mädchenchor Hannover beim Friedenskonzert in Halifax

Hundert Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs hat Landesbischof Ralf Meister in Großbritannien zum aktiven Einsatz für Frieden und Versöhnung aufgerufen. "Dieser Krieg mahnt bis heute ganz Europa zum Frieden", sagte der evangelische Bischof am Sonntag in der Kathedrale von Ripon in Nordengland. Frieden brauche Energie, Mut und Überzeugung. Er stelle sich nicht einfach ein, wenn der Krieg vorbei sei. "Frieden braucht Leidenschaft. Er ist kein Traumbild, sondern eine konkrete, aktive politische Handlungsoption", sagte Meister.

Meister war anlässlich des 100. Jahrestags des Waffenstillstands von Compiègne von der Diözese Leeds der anglikanischen Kirche als Prediger zu einem Gedenkgottesdienst am britischen "Remembrance Day" (11. November) eingeladen worden. Die hannoversche Landeskirche und die englische Diözese wollen eine Partnerschaft eingehen, um im Angesicht des Brexit ein Zeichen zu setzen und sich noch enger miteinander zu verbinden. Meister ist auch deutscher Vorsitzender der Meißen-Kommission, in der sich die Kirche von England und die deutschen Protestanten 1991 zur Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft verpflichtet haben.

In seiner Predigt rief er die Schrecken des Ersten Weltkriegs in Erinnerung, in dem mehr als neun Millionen Soldaten und mehr als sechs Millionen Zivilisten ihr Leben verloren: "Dieser Krieg ist nicht nur ein furchtbares historisches Kapitel der europäischen Geschichte, sondern er lebt in den Erinnerungen unserer Familien und unserer Kultur fort." Das gelte in England und Deutschland ebenso wie in Frankreich oder Russland. Der Krieg habe Europa zerrissen.

Die Menschen in allen europäischen Ländern seien damals überzeugt gewesen, sie gingen in den Krieg, um sich verteidigen zu müssen. "Diese Haltung erscheint uns vertraut", sagte Meister. Sie gewinne weltweit sogar eine neue Attraktivität. Doch wenn die "nationale Souveränität" verteidigt werden solle, vermischten sich Leidenschaft und Gefühl leicht mit Ressentiment und Abwehr. "Unsere Sprache verroht und wird feindselig. Und schneller als gewollt entsteht aus dieser Verteidigung ein Angriff." So könne Ausgrenzung entstehen. Meister rief dazu auf, im christlichen Glauben die Grenzen von Nationen und Rassen zu überwinden.

Auf seiner Reise nach England wurde Meister vom Mädchenchor Hannover begleitet. Der Chor sang am Vorabend des Gottesdienstes bei einem Friedenskonzert in Halifax. (epd/Bischofskanzlei)

Die Predigt im Wortlaut


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Bild: Christoph Ernst, EKD// Ripon Cathedrale Facebook

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Bild: In England gilt die Mohnblume als Symbol für die Toten des I. Weltkrieges. Foto: EMA

Versöhnungsreise nach England


Landesbischof Ralf Meister predigt in Ripon zum Ende des I. Weltkrieges vor 100 Jahren
Hannover/Leeds (epd). Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister wird an diesem Sonntag, in England "Remembrance Day" genannt, in einem Gedenkgottesdienst zum Ende des Ersten Weltkrieges in der nordenglischen Kathedrale von Ripon predigen. Als Vorsitzender der Meißen-Kommission, in der sich Anglikaner und deutsche Protestanten 1991 zur Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft verpflichtet haben, sind ihm Begegnungen und Partnerschaften mit Großbritannien ein besonderes Anliegen.
epd: In Deutschland steht der Erste Weltkrieg stets im Schatten des Grauens von Nationalsozialismus und Zweitem Weltkrieg. Das scheint in Frankreich und England anders zu sein. Was ist der Hauptunterschied?

Meister: Der Erste Weltkrieg hatte in Großbritannien und Frankreich eine auch gesellschaftlich sehr viel nachhaltigere Wirkung als in Deutschland. Beide waren als Sieger aus diesem Krieg hervorgegangen. Durch die Aufteilung von bis dahin deutschen Kolonien zwischen Frankreich und England im Versailler Vertrag erreichte das britische Empire seine größte Ausdehnung. Zugleich aber begann ein unaufhaltsamer politischer und wirtschaftlicher Niedergang des alten Empires, neben dem die USA sich als neue Weltmacht etabliert hatten.

Der Zweite Weltkrieg ist dagegen im kulturellen und kollektiven Gedächtnis Deutschlands viel stärker eingezeichnet, was vor allem mit den Verbrechen des Nationalsozialismus, der politischen Teilung nach dem Krieg und den bis dahin in Deutschland ungekannten Flüchtlingsgeschichten aus den ehemals deutschen Gebieten zu tun hat.

epd: Was hat die Meißen-Kommission zur deutsch-englischen Versöhnungsarbeit beigetragen?

Meister: Angefangen hat der Meißen-Prozess mit dem Besuch des damaligen Erzbischofs von Canterbury, Robert Runcie, in der BRD und DDR aus Anlass des 500. Geburtstages von Martin Luther im Jahr 1983. Der Erzbischof hatte in Dresden betroffen an der Ruine der von britischen Bombern zerstörten Frauenkirche gestanden. Dies gab den Impuls dafür, dass die protestantischen Kirchen in Ost- und Westdeutschland zusammen mit der Kirche von England einen substanziellen Beitrag zur Versöhnung zwischen unseren Völkern leisten wollten. Das Ergebnis war die Meißener Erklärung von 1991.

epd: Was ist seitdem geschehen?

Meister: Das Besondere an Meißen ist nicht, dass es die theologische Erklärung zur Kirchengemeinschaft gegeben hat. Vielmehr hat Meißen dazu ermutigt, persönliche Begegnungen zu organisieren, Partnerschaften zu etablieren und miteinander als Christenmenschen gemeinsame Schritte zu gehen. Die zugrundeliegende Überzeugung dabei ist, dass dort, wo Menschen sich austauschen, Hass und Vorurteile überwunden werden.

Meißen lebt zwar auch von der theologischen Diskussion, aber mindestens ebenso von persönlicher Nähe zwischen den Menschen. Auf dieser Grundlage gibt es heute mehr als 40 lebendige Partnerschaften auf allen kirchlichen Ebenen. Allein deren Existenz ist doch das beste Beispiel für gelingende Versöhnungsarbeit.

epd: Was erhoffen Sie sich von Ihrem Besuch in Leeds anlässlich des Gedenkens zum Ende des Ersten Weltkrieges?

Meister: Der Besuch in der Diözese Leeds aus Anlass des 100. Jahrestags des Waffenstillstands von Compiègne ist mir wichtig. Der Gottesdienst in der Kathedrale von Ripon am Remembrance Day, in dem ich auch predigen darf, zeigt, dass das Gedenken an die Opfer von Krieg und Terror keine Grenzen und Nationen mehr kennt, sondern ein mitmenschliches, völker- und generationenverbindendes Anliegen ist. Kann es denn ein stärkeres Zeichen für die Sehnsucht nach Frieden und Verständigung geben, als die bewusste Begegnung mit gemeinsamer Geschichte und Kultur, und das gerade auch an symbolträchtigen Tagen?

epd-Gespräch: Ulrike Millhahn

Gebet von Landesbischof Meister zum 100. Jahrestag des Waffenstillstandes

Themenpaket zu Kirche und I. Weltkrieg
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Ralf Meister zum Leitenden Bischof der VELKD gewählt

Landesbischof Ralf Meister ist neuer Leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD). Die Generalsynode der VELKD wählte ihn am Freitagmorgen in Würzburg mit 38 von 45 abgegebenen Stimmen. Fünf Delegierte stimmten mit Nein, zwei enthielten sich. Der sächsische Landesbischof Carsten Rentzing wird sein Stellvertreter. 

Meisters Vorgänger Gerhard Ulrich, Bischof der Nordkirche, hat sein Amt vorzeitig niedergelegt. Er tritt im kommenden Jahr in den Ruhestand. Mit einem Gottesdienst am Wahlabend wird Meister in sein neues Amt eingeführt.

Der neue Leitende Bischof der deutschen Lutheraner will vor allem mehr junge Menschen für die Kirche gewinnen. Der hannoversche Landesbischof sagte am Freitag nach seiner Wahl an die Spitze der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), das sei für ihn ein zentrales Thema. Der 56-jährige gebürtige Hamburger und Vater von drei Kindern möchte außerdem "die Vielfalt im Protestantismus intensiver kennenlernen und die lutherische Stimme pointiert erheben".

Die VELKD ist ein Zusammenschluss von sieben evangelisch-lutherischen Landeskirchen innerhalb der EKD. Zur VELKD gehören rund neun Millionen Gläubige. Am Sonntag beginnt im Anschluss an die Generalsynode der VELKD die viertägige EKD-Synode. (epd)

Votum zur Vorstellung anlässlich der Wahl im Wortlaut
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Bild: VELKD

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Integration braucht einen langen Atem

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat die Bedeutung der Integration Geflüchteter in Niedersachsen unterstrichen. "Alle Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religion sollen friedlich miteinander in diesem Land leben können", sagte Weil anlässlich des dritten Jahrestages des Bündnisses "Niedersachsen packt an". "Für Rassismus und Ausgrenzung ist kein Platz in Niedersachsen." 

Im Anschluss sprachen die Initiatoren des Bündnisses, zu denen auch Landesbischof Ralf Meister gehört, über die anstehenden Aufgaben für die Integration von geflüchteten Menschen. Besonders die Förderung auf der Schwelle zwischen Schule und Ausbildungsbeginn und die Unterstützung geflüchteter Frauen werden zu markanten Punkten der künftigen Arbeit.  

2015 schlossen sich die beiden christlichen Kirchen, Gewerkschaften und Unternehmerverbände mit der Landesregierung zusammen, um die Integration der Flüchtlinge voranzubringen. Seitdem ist das Bündnis "Niedersachsen packt an" auf mehr als 330 beteiligte Organisationen und rund 3.000 Einzelmitglieder angewachsen. Integration benötige jedoch einen langen Atem, sagte Weil. Deshalb werde die Landesregierung den eingeschlagenen Kurs gemeinsam mit den Bündnispartnern fortsetzen. (epd/Bischofskanzlei)

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Bild: Yury Petrovic/Niedersachsen packt an

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Bild: Die Mohnblume ist in England das Symbol für die Toten des 1. Weltkrieges. Foto: EMA

Deutsch-englisches Friedensgebet zum Ende des 1. Weltkrieges vor 100 Jahren


Am 11. November 2018 jährt sich der Waffenstillstand, der den Ersten Weltkrieg beendete, zum 100. Mal. Die mehr als 50 Millionen Toten, die diesen entsetzlichen Krieg mit ihrem Leben bezahlen mussten, sind in ganz Europa unvergessen.

Einhundert Jahre später sind aus Feinden Freunde geworden. Die Evangelische Kirche in Deutschland und die Church of England haben 1991 die Meissen Kommission ins Leben gerufen, um einen Beitrag zur Versöhnungsarbeit zwischen Großbritannien und Deutschland zu leisten. Als Co-Vorsitzender dieser Kommission lädt Landesbischof Ralf Meister alle Gemeinden in Deutschland und England ein, dieses Fürbittgebet gemeinsam zu beten.


Du Gott des Friedens.
Wir rufen Dich gemeinsam an in der Gemeinschaft von Christen aus England und Deutschland.

Wir gedenken heute unserer Toten aus dem Krieg vor einhundert Jahren.

Unser Andenken erinnert an ein Europa der Feindschaft.

Doch aus Feinden wurden Freunde. Wir wissen um die besondere Verantwortung, die unseren Völkern zukommt.

In Christus bleiben unsere Kirchen treu und fest verbunden.

So beten wir gemeinsam für den Frieden in dieser Welt.

Du Gott der Hoffnung,
wir bitten dich für die Menschen, die in politischer Verantwortung stehen.
In diesen Monaten treffen sie schwere Entscheidungen.
Hilf, dass Politiker der Einheit dienen und dem Hass wehren.

Wir bitten dich um Gedanken des Friedens.

Du Gott der Versöhnung,
wir klagen, dass Krieg und Not weltweit nie aufgehört haben.
Täglich sterben Tausende von Frauen, Männern und Kindern.
Sprich, damit die Herzen der Mächtigen dieser Welt verwandelt werden und
sie das friedliche Zusammenleben aller Menschen ermöglichen.

Du Gott der Ewigkeit,
du kommst uns entgegen.
Schau auf uns und erfülle uns mit deinem Geist des Friedens,
den du verheißen hast durch Jesus Christus, unseren Herrn.

Amen.


Intercession of 11 November 2018 in Remembrance of the End of World War I in 1918

O God of peace,
we call on you jointly as the community of Christians of the United Kingdom and of Germany.
We remember today our dead of the war ended one hundred years ago and we mourn.
Our commemoration recalls a Europe of enmity and of enemies becoming friends.
We are aware of the particular responsibility of our peoples.

Our churches are truly and firmly united in Christ.
Thus, we pray together for peace in this, our world.

O God of hope,
we pray to you for people who bear political responsibility in these months as they weigh important decisions.
Help, that politicians serve unity and ward off hatred.
We ask you for inspiration to peace.

O God of reconciliation,
we lament that wars and worldwide suffering have never ceased.
Daily, thousands of women, men and children die.
Speak, o God, that the hearts of the powerful of this world be transformed to make possible the peaceful co-existance among all people.

O God of eternity,
you come toward us. Look at us and fill us with your spirit of peace,
promised through Jesus Christ, our Lord.

Amen

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