Landesbischof Ralf Meister

Ralf Meister wurde am 26. März 2011 als Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers eingeführt. Seit 9. November 2018 ist er Leitender Bischof der VELKD.

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Bild: "Wenn es der Belebung des Stadtlebens dient, kann die Sonntagsöffnung erlaubt werden." Foto:Norman Klaß

Warum soll man sonntags nicht am Computer sitzen und shoppen, Herr Landesbischof?

Interview mit dem Politikjournal "Rundblick" zum neuen Ladenschlussgesetz in Niedersachsen

Das neue Ladenschlussgesetz, das demnächst vom Landtag verabschiedet werden soll, sieht bis zu vier verkaufsoffene Sonntage im Jahr vor. Die evangelischen Kirchen in Niedersachsen, die sich um den Schutz des freien Sonntags sorgen, begrüßen im Wesentlichen den Entwurf der Großen Koalition. Im Interview äußert sich der Ratsvorsitzende der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen,
Landesbischof Ralf Meister.

Rundblick: Gibt es in der zunehmend digitalisierten Welt noch einen tieferen Sinn des arbeitsfreien Sonntags?
Meister: Auf jeden Fall. Mir kommt das Kinderbuch „Jesus macht Urlaub“ in den Sinn. Die Geschichte geht so: Jesus muss zum ersten Mal in Urlaub gehen, und er weiß spontan gar nicht, wie er das machen soll – soll er keine Kranken heilen, keinen Schwachen helfen und keine Predigten halten?
Jesus muss in diesem Buch mühsam lernen, was es heißt, mit der freien Zeit etwas anzufangen und sie als Muße zu begreifen. Das ist der Sinn des arbeitsfreien Sonntags, der im mittleren Osten vor Jahrtausenden entstanden ist und durch die christlich-jüdische Tradition zu uns kam: Der Mensch soll seine gewohnte Arbeitsweise unterbrechen, zur Besinnung kommen und sich zumindest kurzzeitig aus der ökonomischen Sklaverei befreien.

Rundblick: Finden Sie mit solchen Argumenten in der Politik Gehör?
Meister: Ja, durchaus. Es freut mich, eine relativ gesicherte breite Mehrheit in Politik und Gesellschaft in Niedersachsen zu finden, die den Sonntag als arbeitsfreien Tag schützen und ihn vor einem Ausverkauf bewahren will. Die Regel mit den bis zu vier Sonntagen im Jahr, an denen Geschäfte geöffnet haben dürfen, finde ich gut – die evangelischen Kirchen in Niedersachsen können das gut mittragen. Wenn ich daran denke, wie noch vor wenigen Jahren in anderen Bundesländern über dieses Thema diskutiert wurde…

Rundblick: Was meinen Sie?
Meister: In Berlin zum Beispiel ist vor zehn Jahren die Debatte heftig entfacht worden, weil dort zur Adventszeit alle vier Sonntage vor Heiligabend verkaufsoffen waren. Das hat das Bundesverfassungsgericht dann unterbunden, sehr zu unserer Zufriedenheit. Und wir begrüßen sehr, dass die Adventssonntage in Niedersachsen nach dem Gesetzentwurf auch in Zukunft nicht verkaufsoffen sein werden.

Rundblick: Damals wurde auch über die vielen Bahnhöfe gesprochen, in denen rund um die Uhr auch an Wochenenden alle möglichen Waren erhältlich waren.
Meister: Das war damals das Argument derer, die wirtschaftliche Chancengleichheit forderten und die Zeiten unbedingt ausweiten wollten. Heute indes, das müssen wir erkennen, ist die Diskussionslage eine völlig andere. Auf der einen Seite haben wir den Ladenschluss an fast allen Sonntagen, auf der anderen den immer stärker werdenden Trend, Waren auch am Sonntag zuhause bequem per Knopfdruck im Internet zu bestellen. Damit wird die Grundfrage des Sonntagsschutzes neu gestellt.

Rundblick: Und wie lautet die Antwort?
Meister: Das kann ich noch nicht sagen. Aber die Frage müssen wir auf jeden Fall stellen. Was schafft die automatisierte Ökonomisierung an Schaden für unsere Gesellschaft? Welche Widrigkeiten schafft sie, die wir womöglich nicht einfach so hinnehmen können? Zu überlegen wäre, ob man dann einschreiten sollte, wenn die Sonntagsbestellung am Computer dazu führen sollte, dass an diesem Sonntag auch irgendwo ein Mitarbeiter die Ware heraussuchen, verpacken und versandfertig machen muss. Dann hätte der Internethandel Sonntagsarbeit zur Folge, das wäre nicht zu tolerieren.

Rundblick: Was die Ausnahmen für die Sonntagsöffnung angeht, worauf legen Sie wert?
Meister: Im Gesetzentwurf gibt es eine schöne Formulierung, die auf „die Belebung der Gemeinde oder eines Ortsbereichs“ abzielt. Also: Wenn es der Belebung des Stadtlebens dient, kann die Sonntagsöffnung erlaubt werden. Das halte ich für einen guten Ansatz, wenn der Sinn der Geschäftsöffnung an den wenigen vorgesehenen Sonntagen in einer Art Gemeinschaftsstiftung gesehen wird. Das darf natürlich nicht dazu führen, dass die Öffnung sämtlicher Läden an sich schon für eine Belebung gehalten wird. Dafür sind auch immer kulturelle Ereignisse wie Konzerte, Theateraufführungen oder Lesungen notwendig. Dann wird hier der Unterschied deutlich: Wer zuhause bei einem Online-Händler seine Ware bestellt, agiert isoliert und für sich allein, da ist beim Kaufvorgang nichts Gemeinschaftsstiftendes dabei.

Rundblick: Was wollen Sie dagegen tun?
Meister: Die Möglichkeiten von Politik, Kirche und Medien, die Bedürfnisse der Menschen zu steuern und zu stärken, sind sehr begrenzt. Die Kirche achtet aus theologischen Gründen den Freiheitswert des einzelnen und hält ihn für ein wichtiges Rechtsgut. Aber wir weisen schon auf Entwicklungen hin, die problematisch werden können. Darin sehe ich eine wichtige Aufgabe der Kirche.


Interview: Klaus Wallbaum


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Bild: Pressestelle

Keine Kinder als Soldaten!

Landesbischof Ralf Meister macht mit beim Red Hand Day

„Ich unterstütze das Anliegen des Red Hand Day: Dass weltweit immer noch 250.000 Kinder als Soldatinnen und Soldaten missbraucht werden, ist ein Skandal, den wir immer wieder neu ins Bewusstsein rufen müssen. Minderjährige sollten in keinem Land der Welt Soldatinnen und Soldaten sein – das gilt auch für Deutschland. Von daher sollte das Bundesverteidigungsministerium die sehr offensive Werbung für den Soldatenberuf unter Jugendlichen sehr kritisch überdenken.“ (Ralf Meister)

Seit über 15 Jahren gibt es die Aktion am 12. Februar, dem internationalen Gedenktag für das Schicksal von Kindersoldaten. Hunderttausende rote Handabdrücke wurden bereits in über 50 Ländern gesammelt und an Politiker und Verantwortliche übergeben.

In diesem Jahr macht auch der Landesbischof mit und hat seinen Handabdruck auf der Seite https://www.redhandday.org hochgeladen. Denn immer noch gibt es weltweit 250.000 Kindersoldaten. Wer mitmacht, setzt ein Zeichen gegen diese Ausbeutung von Kindern.

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Bild: Die Landeskirche Hannovers macht mit im Bündnis "Niedersachsen für Europa".

„Kommt in mein Haus und bleibt da!“

Warum Europa uns als Christinnen und Christen braucht

Vor kurzem habe ich eine Lehrstunde bekommen über das Geschenk des Friedens in Europa: Zum 100. Jubiläum des Waffenstillstandes, der den 1. Weltkrieg beendete, durfte ich in England in der Kathedrale von Ripon predigen. Vom Altar hing wie ein Parament der Union Jack, die Fahne Großbritanniens. Viele Soldaten in Uniform. Keine Heldenverehrung, aber ein Pathos, das mich überraschte. Dass ich als Deutscher in dieser Atmosphäre predigen durfte, hat mich tief bewegt.

Seit fast 74 Jahren leben wir in Frieden mit unseren Nachbarn. Diesen Frieden zu bewahren ist die wichtigste Aufgabe der Europäischen Union. Sie ist, wie es der deutsche Schriftsteller Navid Kermani auf den Punkt bringt, „das politisch Wertvollste, was sich auf diesem Kontinent durch Kriege und Völkermorde hindurch herausgebildet hat“.

Die Herausforderungen unserer Zeit sind zu groß, um sie alleine, hinter nationalen Schranken zu bewältigen: Überall in der Welt werden neue Mauern errichtet. Auch in Europa sind sich längst nicht mehr alle einig, dass Menschenrechte und Demokratie unsere größten Errungenschaften sind. Millionen Verzweifelte weltweit verlassen ihre Heimat auf der Suche nach Sicherheit und Wohlstand. Und wenn wir die Erwärmung unseres Planeten nicht gemeinsam stoppen, wird nichts mehr so sein, wie wir es kennen. Damit wir diesen Herausforderungen gemeinsam gewachsen sind, müssen wir Europa stärker, demokratischer, solidarischer machen.

In der Bibel beschreibt die Apostelgeschichte, wie das Christentum nach Europa kam: Es war eine Purpurhändlerin namens Lydia, die Paulus in Philippi im heutigen Griechenland zuhörte und die Missionare spontan einlud: „Kommt in mein Haus und bleibt da!“ Seitdem sind Europa und der Glaube an Jesus Christus untrennbar miteinander verbunden. Wechselseitig haben sie sich ganz entscheidend geprägt - und sie tun das weiterhin.

Wenn in unserer Landeskirche kulturgeschichtliche Schätze erhalten werden, Kirchen und Gemeinderäume zukunftsorientiert saniert, Bildungsangebote und Treffpunkte geschaffen werden, dann kann das oft nur mit Unterstützung von EU-Mitteln umgesetzt werden. 12,8 Millionen Euro erhielten Kirchengemeinden, Kirchenkreise und die Landeskirche in der vergangenen EU-Förderperiode. Zählt man die EU-Mittel für kirchliche Bildungseinrichtungen, die Diakonien und andere kirchennahe Einrichtungen dazu, kommt man sogar auf 36,2 Millionen Euro.

Am 26. Mai 2019 haben wir alle die Chance, Europa noch besser zu machen. Ich bitte Sie herzlich: Gehen Sie zur Wahl des EU-Parlaments und geben Sie Ihre Stimme einer Partei, die Europa zu stärken verspricht.

Ihr Ralf Meister

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Bild: Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem. Foto: Matthias Rietschel/epd-bild

Erinnern braucht Namen, Orte und Gesichter

Landesbischof Ralf Meister zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus 2019

"Vor der Reise konnten wir uns nicht im Geringsten vorstellen, was uns wirklich erwarten würde.“ Das schreibt eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern, die an einer vom Kirchenkreis Nienburg organisierten Reise nach Auschwitz und Krakau teilgenommen haben. Natürlich haben sie die Shoa im Geschichtsunterricht behandelt. Aber einen der letzten Zeitzeugen zu treffen und die Orte unvorstellbarer Qualen und unvorstellbarer Schuld selbst aufzusuchen, ist etwas völlig anderes.

In der Landeskirche Hannovers wollen wir die Erinnerung aufrecht halten – nicht nur heute am Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Im vergangenen Jahr haben wir sechs „Friedensorte“ ausgewählt, die wir unterstützen. An diesen Orten suchen wir nach den Lehren aus der Vergangenheit, um unsere Gegenwart zu gestalten. Zum Beispiel in der Gedenkstätte Lager Sandbostel: Hier wurden sowjetische Kriegsgefangene ausgebeutet und mutwillig dem Tod überlassen. In den letzten Kriegswochen hat man hier noch 3000 KZ-Häftlinge ermordet.

Zu den „Friedensorten“ gehört auch das Anne-Frank-Haus, das Bildungshaus der Gedenkstätte Bergen-Belsen, das vom Christlichen Verein Junger Menschen getragen wird. Hier wird 2019 ein Jubiläum gefeiert: Bereits zum 25. Mal treffen sich 50 Jugendliche aus ganz Europa, aus Israel und Südafrika, um Lehren aus der Geschichte zu ziehen: Denn der Antisemitismus ist nicht mit dem Ende der Shoa verschwunden. Das Internationale Jugendworkcamp ist das größte Projekt dieser Art in Deutschland. Kaum eine andere internationale Jugendbegegnung kann auf eine Kontinuität von 25 Jahren zurückschauen.

Für diese Jugendlichen ist das Erinnern nicht in Ritualen erstarrt. Es kennt Namen, Orte und Gesichter. Wer einmal auf dem Boden von Bergen-Belsen stand und dort die Berichte gehört hat von den Verhungernden, die sich die Erde in den Mund stopften auf der Suche nach dem Geschmack von etwas verschütteter Suppe, der wird nie wieder von einem „Vogelschiss in der Geschichte“ sprechen.

Zum ersten Mal begehen wir in diesem Jahr den Holocaust-Gedenktag auch als Gedenktag der Kirche. Mit der neuen Ordnung der Lese- und Predigttexte, die am 1. Advent in Kraft getreten ist, sind der 27. Januar und der 9. November, der Tag des Gedenkens an die Pogrome 1938, ein Teil des Kirchenjahrs. Damit erkennen wir als Christinnen und Christen auch die Mitschuld der Kirche am mörderischen Antisemitismus an: Über Jahrhunderte haben Theologen das Judentum abgewertet und diffamiert. Die Christen von heute trifft daran keine Schuld, aber sie tragen Verantwortung: Es darf nicht sein, dass Europa wieder zu einem Ort wird, an dem Jüdinnen und Juden sich nicht sicher fühlen. Antisemitismus ist Gotteslästerung.

Ralf Meister

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Bild: Jens Schulze

Kirchen für Tempo 130

Hannover/Magdeburg (epd). Die evangelischen Kirchen in Niedersachsen befürworten ein Tempolimit von 130 Stundenkilometern auf Autobahnen. "Es ist notwendig, dass konkrete Schritte unternommen werden, um den Klimazielen näherzukommen", sagte Landesbischof Ralf Meister als Ratsvorsitzender der Kirchen-Konföderation am Donnerstag in Hannover. "Auch kleine Schritte helfen."

Die Kirchen unterstützen damit eine Petition für ein generelles Tempolimit von 130 km/h auf Autobahnen, die die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland zu Beginn der Fastenzeit am 6. März beim Bundestag einreichen will. Als erste hatte die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" in ihrer Online-Ausgabe am Donnerstag darüber berichtet.

Umwelt- und Klimaschutz gehe alle an, betonte Meister. Auch eine Geschwindigkeitsbegrenzung könne dazu einen Beitrag leisten. Vor einigen Tagen hatte die Verkehrskommission der Bundesregierung vorgeschlagen, mit Tempo 130 als Höchstgrenze den CO2-Ausstoß von Fahrzeugen zu begrenzen.

Die hannoversche Landeskirche, die größte Mitgliedskirche der Konföderation, hatte im Herbst 2015 ein Klimaschutz-Konzept beschlossen. Ziel ist es, die CO2-Emmissionen deutlich zu reduzieren. Für Kirchengemeinden und Einrichtungen würden dabei Klimaschutzkonzepte entwickelt, sagte Meister.

Klimaschutzmanager starteten Projekte zur Förderung des Radfahrens und der E-Mobilität. "Wir investieren in Energieeinsparung in Gebäuden und befähigen Ehrenamtliche zum Energiemanagement", betonte der Bischof. Die Kirchen seien herausgefordert, noch viel stärker als bisher ihren Beitrag zu den Nachhaltigkeitszielen zu liefern.

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Bild: Heiko Preller

"Es gibt viel Not für die wache, kluge und kritische Stimme der Kirche"

Segenswünsche für den neuen Oldenburger Bischof Thomas Adomeit

Mit einem feierlichen Gottesdienst ist der Oldenburger Bischof Thomas Adomeit am Mittwochabend in sein neues Amt eingeführt worden. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, segnete den 48-jährigen Theologen vor rund 800 Besuchern in der voll besetzten St. Lambertikirche ein. Anschließend legte er ihm das Bischofskreuz als Zeichen seines neuen Amtes um.

Für die Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen gratulierte der hannoversche Landesbischof Ralf Meister dem neuen Bischof mit dem Bibelwort: „Ein Nachbar in der Nähe ist besser als ein Bruder in der Ferne“  (Spr 27,10).

Dazu erklärte er: "Unbekannt ist der Nachbar uns schon seit Jahren nicht. Er hat im Haus nebenan auch nur das Zimmer gewechselt. Er kennt seine Wohnungen und auch die Nachbargrundstücke gut. Schon oft haben wir am Gartentor zusammen geschwätzt oder mit ihm geplauscht über Land und Leute, über Gott und Welt.

Der nachbarschaftliche Austausch zwischen den Kirchen der Konföderation ist gut und wir arbeiten daran, dass er noch besser wird. Gerade in den Zeiten, in denen wir Risse und manche tiefe Spaltungen innerhalb unserer Gesellschaft und zwischen Ländern sehen, wird deutlich, wie wichtig der Zusammenhalt der Kirchen ist."

Landesbischof Meister erinnerte an den Oldenburger Theologen Rudolf Bultmann, der sich schon 1933 an den Philosophen und Nazi-Freund Martin Heidegger wandte: „...weil es mir unerträglich war, daß noch kein Theologe öffentlich für die kritische Aufgabe der Theologie in der gegenwärtigen Situation eingetreten war.“ Meister folgerte aus der Geschichte: "Es gibt viel Not und großen Raum für die wache, kluge und kritische Stimme der Kirche."

(epd/Bischofskanzlei)

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Bild: Johannes Neukirch

Niedersachsen für Europa

Bündnis aus Politik und Gesellschaft startet Initiative für Europa - Landesbischof Meister: "Für Gedanken, für Träume und für den christlichen Glauben gibt es keine Grenzen."

Im Mai wählen die EU-Bürger ein neues Parlament, doch nationale Bestrebungen wie der Brexit schwächen die europäische Idee. In Niedersachsen haben sich deshalb Politik, Kirchen, Unternehmer und Gewerkschaften zusammengetan, um für Europa zu werben.

Hannover (epd). Ein breites gesellschaftliches Bündnis aus Politik, Kirchen, Unternehmern und Gewerkschaften in Niedersachsen hat am Montag eine Initiative für ein geeintes Europa gestartet. "In einer Situation, wo man deutlich merkt, dass Europa Gegenwind hat, wollen wir ein Signal in eine ganz andere Richtung setzen", sagte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) zum Auftakt in Hannover. Nicht zuletzt wegen des beabsichtigten Austritts Großbritanniens aus der EU stehe Europa vor großen Herausforderungen. "Deshalb ist es wichtig, die Errungenschaften und Leistungen der Europäischen Union wieder stärker in die Öffentlichkeit zu bringen." Das vereinte Europa stehe für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, Frieden und Wohlstand. Er hoffe, dass sich weitere Partner wie die Landjugend oder die Sportjugend dem Bündnis anschlössen, sagte Weil.

Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister betonte für die Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen: "Für Gedanken, für Träume und für den christlichen Glauben gibt es keine Grenzen." Der europäische Traum handele von Menschlichkeit, Gerechtigkeit und Frieden aller europäischen Völker. Auch die Kirchen seien herausgefordert in Zeiten auseinanderstrebender Kräfte ihren Beitrag zu leisten, damit Menschen in diesem Geist zusammenblieben. Die evangelischen Kirchengemeinden wollten den Wahlsonntag zur Europawahl am 26. Mai zu einem "Europa-Sonntag" machen, kündigte Meister an. Zudem baue die hannoversche Landeskirche derzeit eine intensive Partnerschaft zu anglikanischen Diözese Leeds in Großbritannien auf.

Ziel des Bündnisses "Niedersachsen für Europa" ist es nach Angaben der Initiatoren, die Bürgerinnen und Bürger über die EU, ihre Institutionen und ihre Verdienste zu informieren. Zugleich wollen sie für die Teilnahme an der Europawahl werben. In den kommenden Monaten sind dazu Bürgerdialoge in zahlreichen Städten und Gemeinden, Hochschuldialoge und Projekttage an Schulen geplant. Am 11. Mai soll es in Hannover ein "Europafest" geben. Geplant sind auch ein Video-Wettbewerb, ein Kinderliteraturfestival, ein Europa-Preis und eine Multimediashow.

Der Hildesheimer katholische Bischof Heiner Wilmer betonte, bei der europäische Idee gehe es "um nichts weniger als um die Frage Krieg oder Frieden". Der Frieden stelle sich nicht automatisch ein. "Er ist ein langer gemeinsamer Kampf um abgerungene Solidarität." Europa sei zu dem die "Frucht einer langen jüdisch-christlichen Tradition", sagte Wilmer.

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Bild: Ralf Meister predigt in Ripon/England. Foto: Ripon Cathedral

Bischof Meister ruft Kirchen nach Brexit-Abstimmung zur Zusammenarbeit auf

Hannover (epd). Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister hat die Kirchen angesichts der Brexit-Abstimmung in Großbritannien zur Zusammenarbeit aufgerufen. "Die Kirchen sind herausgefordert, in Zeiten auseinanderstrebender Kräfte ihren Beitrag zu leisten. Unsere Gemeinschaft in Christus verbindet die europäischen Kirchen über alle nationalen Grenzen", sagte der evangelische Theologe, der auch deutscher Vorsitzender der Meißen-Kommission ist, am Mittwoch in Hannover. In der Kommission haben sich die Kirche von England und die deutschen Protestanten 1991 zur Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft verpflichtet.

Meister betonte, er sei sicher, dass es auch über den Brexit hinweg gelingen werde, die "vertraute Partnerschaft zu unseren Freundinnen und Freunden in England weiter zu leben und zu vertiefen." Er fügte hinzu: "Gemeinsam müssen wir daran arbeiten, das unglaubliche Geschenk des Friedens zu erhalten und uns für den Fortbestand Europas mit allen Kräften einsetzen." Es gehe um mehr als um einen Austrittsvertrag: "Der europäische Traum handelt von Menschlichkeit, Gerechtigkeit und Frieden aller europäischen Völker."

Eine Mehrheit von 432 Abgeordneten zu 202 Delegierten hatte sich am Dienstagabend gegen das Brexit-Abkommen im britischen Parlament ausgesprochen. (epd)
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Nachdenkliche Töne beim Epiphaniasempfang 2019 

Ministerpräsident und Landesbischof warnen vor Rechtspopulismus

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und Landesbischof Ralf Meister haben zu mehr Engagement für die Demokratie, für Europa und gegen Rechtspopulismus aufgerufen. Die überragende Mehrheit der Bevölkerung stehe für einen starken demokratischen Staat und für eine starke Zivilgesellschaft, sagte Weil beim 69. Epiphanias-Empfang der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers am Sonntag im Kloster Loccum bei Nienburg. 

Der Ministerpräsident verwies dabei auf den Hashtag #wirsindmehr, der sich im vergangenen Sommer nach den rechtsmotivierten Ausschreitungen von Chemnitz in den sozialen Netzwerken gebildet hatte. Dennoch drohe ein unverkennbarer Rechtsruck in Europa viele Errungenschaften in Frage zu stellen, warnte Weil vor rund 130 Gästen aus Landespolitik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft. Er rief die Bürger dazu auf, "mit aller Kraft" für die Demokratie und für Europa einzutreten und zu kämpfen. 

Landesbischof Meister warnte angesichts der Vorfälle in Amberg und Bottrop davor, dass rechte Parteien die Sorgen der Bürger für ihre Zwecke ausnutzen könnten. Die sozialen Netzwerke und die Medien verstärkten die Ängste durch ihre Berichterstattung um ein Vielfaches, kritisierte Meister. Er bezog sich auf den Angriff jugendlicher Asylsuchender auf Passanten im oberpfälzischen Amberg und die Tat eines 50-jährigen Deutschen in Bottrop, der mit seinem Auto gezielt Gruppen mit Ausländern rammte. 

"Die Aufmerksamkeit, die auf Attentäter, Kriminelle, Irregeleitete und auf ihre Taten gelenkt wird, ist unerträglich. Jede blutige Sekunde ist rund um den Erdball verfolgbar", sagte der evangelische Theologe und ergänzte: "In der Erregungskultur der sozialen Medien wird eine Messerstecherei schnell zum Terroranschlag, ein Amoklauf zum Vorboten eines Weltuntergangs, ein Attentäter weckt Schläfer". 

Umso wichtiger sei es, von der Sorge zum Hoffen und Handeln zu kommen. "Es liegt an uns, unserer Hoffnung eine sichtbare Gestalt zu geben, indem wir jeden Tag handeln", sagte Meister. Dabei komme es auch darauf an, "die Weiterentwicklung Europas konstruktiv und kritisch zu begleiten".

Die Landeskirche lädt seit 69 Jahren Repräsentanten des öffentlichen Lebens zum Jahreswechsel zu dem Empfang in das mehr als 850 Jahre alte Zisterzienserkloster ein. Der frühere Landesbischof Hanns Lilje (1899-1977) hatte 1950 nach seiner Wahl zum Abt zu Loccum erstmals zum "Empfang zwischen den Jahren" gebeten. (epd)

Bild: Jens Schulze

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Zeit für Freiräume eröffnet

Gottesdienste in sechs Sprengeln

Mit Gottesdiensten in sechs verschiedenen niedersächsischen Regionen hat die hannoversche Landeskirche am Sonntag ihr Themenjahr "Zeit für Freiräume" eröffnet. Ziel ist es, Routinen zu hinterfragen und sich auf Wesentliches zu besinnen. "Dabei geht es darum, mit welchen Mustern und Traditionen man auch einmal brechen kann", sagte Landesbischof Ralf Meister im Vorfeld der Aktion. "Wir brauchen viel mehr mutige Musterbrecher." Zu dem Themenjahr sind Projekte in der gesamten Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers geplant. (epd)

Bild: Jens Schulze

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