Landesbischof Ralf Meister

Ralf Meister wurde am 26. März 2011 als Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers eingeführt. Seit 9. November 2018 ist er Leitender Bischof der VELKD.

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Bild: Johannes Neukirch

Der Bischof, Sophiechen und die Riesen

Am Vorlesetag der Stiftung Lesen lässt Landesbischof Meister in der Jakobi-Bücherei in Hannover Geschichten lebendig werden

Hannover (epd). Die Stimme des Vorlesers ist warm und lebhaft. Gut, er habe vorher auch geübt, sagt Landesbischof Ralf Meister, denn es sei lange her, seit er Kindern vorgelesen habe, seine eigenen seien mittlerweile groß. Doch die Kinder, die heute bunt besockt auf orientalischen Sitzkissen in der evangelischen Jakobi-Bücherei hocken, hören ihm gebannt und staunend zu. Der Bischof liest ihnen aus dem Kinderbuch "Sophiechen und der Riese" von Roald Dahl vor.

Die Schüler einer dritten Klasse der Grundschule Wasserkampstraße, acht oder neun Jahre alt, sind 24 von über einer halben Million Kindern in ganz Deutschland, für die Erwachsene sich am "Vorlesetag" Zeit genommen haben, ihnen eine Geschichte vorzulesen. Die Stiftung Lesen und die Wochenzeitung "Die Zeit" hatten den Tag vor 14 Jahren ausgerufen. Mittlerweile unterstützen die Initiative Partner wie die Deutsche Bahn Stiftung, und zahlreiche Prominente machen mit: Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) ebenso wie die Journalistin Anne Will, die Modedesignerin Jette Joop, der Schauspieler Wanja Mues oder der Sänger Rolf Zuckowski.

Oder wie Landesbischof Meister, der auch dem Evangelischen Literaturportal vorsteht, dem Dachverband der evangelischen öffentlichen Büchereien. Dazu gehört auch die Jakobi-Bücherei im hannoverschen Stadtteil Kirchrode. Mit rund zwei Dritteln ihrer 5.500 Bücher, Hörbücher oder DVDs richtet sie sich eigens an Kinder und Jugendliche.

Die Schüler der Klasse 3e besuchten sie laut Klassenlehrerin Kerstin Wunnenberg häufig: "Alle vier Wochen suchen wir uns hier Bücher aus". Doch die jetzige Aktion dürfte den Kindern ziemlich neu vorkommen. Denn der Landesbischof liest für sie so vor, als hätte er Zeit seines Lebens nichts anderes gemacht.

Meister lebt die Geschichte: Er bewegt dabei seine Hände, macht laute Pustegeräusche, zieht an seinen Ohren, um die großen Ohren des Riesen im Buch zu veranschaulichen. Und er imitiert die Stimme der kleinen Protagonistin Sophiechen, die zusammen mit dem guten Riesen gegen die bösen Riesen kämpft. Die Kinder belohnen ihn mit ungeteilter Aufmerksamkeit.

"Meine Mutter hat mir und meinen Geschwistern die Märchen der Gebrüder Grimm vorgelesen", sagt Meister. "Das habe ich sehr gemocht und dadurch früh das Lesen selbst gelernt." Nun möchte er die Erfahrung an andere Kinder weitergeben.

Das kommt anscheinend an. Der achtjährige Felix hat sich über die Lesung gefreut. "Ich habe zwei kleine Brüder, und meine Eltern lesen ihnen vor, mir jetzt nicht mehr so oft", sagt er. Rieke würde das Buch gerne zu Ende lesen, aber "doch lieber alleine". Und Johann fand die Geschichte "witzig, vor allem wegen der lustigen Wortverdrehungen". Aber auch, "weil der Mann im Anzug sehr gut gelesen hat".

Cristina Marina (epd)

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Frieden braucht Leidenschaft

Landesbischof predigt in Ripon -
Mädchenchor Hannover beim Friedenskonzert in Halifax

Hundert Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs hat Landesbischof Ralf Meister in Großbritannien zum aktiven Einsatz für Frieden und Versöhnung aufgerufen. "Dieser Krieg mahnt bis heute ganz Europa zum Frieden", sagte der evangelische Bischof am Sonntag in der Kathedrale von Ripon in Nordengland. Frieden brauche Energie, Mut und Überzeugung. Er stelle sich nicht einfach ein, wenn der Krieg vorbei sei. "Frieden braucht Leidenschaft. Er ist kein Traumbild, sondern eine konkrete, aktive politische Handlungsoption", sagte Meister.

Meister war anlässlich des 100. Jahrestags des Waffenstillstands von Compiègne von der Diözese Leeds der anglikanischen Kirche als Prediger zu einem Gedenkgottesdienst am britischen "Remembrance Day" (11. November) eingeladen worden. Die hannoversche Landeskirche und die englische Diözese wollen eine Partnerschaft eingehen, um im Angesicht des Brexit ein Zeichen zu setzen und sich noch enger miteinander zu verbinden. Meister ist auch deutscher Vorsitzender der Meißen-Kommission, in der sich die Kirche von England und die deutschen Protestanten 1991 zur Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft verpflichtet haben.

In seiner Predigt rief er die Schrecken des Ersten Weltkriegs in Erinnerung, in dem mehr als neun Millionen Soldaten und mehr als sechs Millionen Zivilisten ihr Leben verloren: "Dieser Krieg ist nicht nur ein furchtbares historisches Kapitel der europäischen Geschichte, sondern er lebt in den Erinnerungen unserer Familien und unserer Kultur fort." Das gelte in England und Deutschland ebenso wie in Frankreich oder Russland. Der Krieg habe Europa zerrissen.

Die Menschen in allen europäischen Ländern seien damals überzeugt gewesen, sie gingen in den Krieg, um sich verteidigen zu müssen. "Diese Haltung erscheint uns vertraut", sagte Meister. Sie gewinne weltweit sogar eine neue Attraktivität. Doch wenn die "nationale Souveränität" verteidigt werden solle, vermischten sich Leidenschaft und Gefühl leicht mit Ressentiment und Abwehr. "Unsere Sprache verroht und wird feindselig. Und schneller als gewollt entsteht aus dieser Verteidigung ein Angriff." So könne Ausgrenzung entstehen. Meister rief dazu auf, im christlichen Glauben die Grenzen von Nationen und Rassen zu überwinden.

Auf seiner Reise nach England wurde Meister vom Mädchenchor Hannover begleitet. Der Chor sang am Vorabend des Gottesdienstes bei einem Friedenskonzert in Halifax. (epd/Bischofskanzlei)

Die Predigt im Wortlaut


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Bild: Christoph Ernst, EKD// Ripon Cathedrale Facebook

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Bild: In England gilt die Mohnblume als Symbol für die Toten des I. Weltkrieges. Foto: EMA

Versöhnungsreise nach England


Landesbischof Ralf Meister predigt in Ripon zum Ende des I. Weltkrieges vor 100 Jahren
Hannover/Leeds (epd). Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister wird an diesem Sonntag, in England "Remembrance Day" genannt, in einem Gedenkgottesdienst zum Ende des Ersten Weltkrieges in der nordenglischen Kathedrale von Ripon predigen. Als Vorsitzender der Meißen-Kommission, in der sich Anglikaner und deutsche Protestanten 1991 zur Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft verpflichtet haben, sind ihm Begegnungen und Partnerschaften mit Großbritannien ein besonderes Anliegen.
epd: In Deutschland steht der Erste Weltkrieg stets im Schatten des Grauens von Nationalsozialismus und Zweitem Weltkrieg. Das scheint in Frankreich und England anders zu sein. Was ist der Hauptunterschied?

Meister: Der Erste Weltkrieg hatte in Großbritannien und Frankreich eine auch gesellschaftlich sehr viel nachhaltigere Wirkung als in Deutschland. Beide waren als Sieger aus diesem Krieg hervorgegangen. Durch die Aufteilung von bis dahin deutschen Kolonien zwischen Frankreich und England im Versailler Vertrag erreichte das britische Empire seine größte Ausdehnung. Zugleich aber begann ein unaufhaltsamer politischer und wirtschaftlicher Niedergang des alten Empires, neben dem die USA sich als neue Weltmacht etabliert hatten.

Der Zweite Weltkrieg ist dagegen im kulturellen und kollektiven Gedächtnis Deutschlands viel stärker eingezeichnet, was vor allem mit den Verbrechen des Nationalsozialismus, der politischen Teilung nach dem Krieg und den bis dahin in Deutschland ungekannten Flüchtlingsgeschichten aus den ehemals deutschen Gebieten zu tun hat.

epd: Was hat die Meißen-Kommission zur deutsch-englischen Versöhnungsarbeit beigetragen?

Meister: Angefangen hat der Meißen-Prozess mit dem Besuch des damaligen Erzbischofs von Canterbury, Robert Runcie, in der BRD und DDR aus Anlass des 500. Geburtstages von Martin Luther im Jahr 1983. Der Erzbischof hatte in Dresden betroffen an der Ruine der von britischen Bombern zerstörten Frauenkirche gestanden. Dies gab den Impuls dafür, dass die protestantischen Kirchen in Ost- und Westdeutschland zusammen mit der Kirche von England einen substanziellen Beitrag zur Versöhnung zwischen unseren Völkern leisten wollten. Das Ergebnis war die Meißener Erklärung von 1991.

epd: Was ist seitdem geschehen?

Meister: Das Besondere an Meißen ist nicht, dass es die theologische Erklärung zur Kirchengemeinschaft gegeben hat. Vielmehr hat Meißen dazu ermutigt, persönliche Begegnungen zu organisieren, Partnerschaften zu etablieren und miteinander als Christenmenschen gemeinsame Schritte zu gehen. Die zugrundeliegende Überzeugung dabei ist, dass dort, wo Menschen sich austauschen, Hass und Vorurteile überwunden werden.

Meißen lebt zwar auch von der theologischen Diskussion, aber mindestens ebenso von persönlicher Nähe zwischen den Menschen. Auf dieser Grundlage gibt es heute mehr als 40 lebendige Partnerschaften auf allen kirchlichen Ebenen. Allein deren Existenz ist doch das beste Beispiel für gelingende Versöhnungsarbeit.

epd: Was erhoffen Sie sich von Ihrem Besuch in Leeds anlässlich des Gedenkens zum Ende des Ersten Weltkrieges?

Meister: Der Besuch in der Diözese Leeds aus Anlass des 100. Jahrestags des Waffenstillstands von Compiègne ist mir wichtig. Der Gottesdienst in der Kathedrale von Ripon am Remembrance Day, in dem ich auch predigen darf, zeigt, dass das Gedenken an die Opfer von Krieg und Terror keine Grenzen und Nationen mehr kennt, sondern ein mitmenschliches, völker- und generationenverbindendes Anliegen ist. Kann es denn ein stärkeres Zeichen für die Sehnsucht nach Frieden und Verständigung geben, als die bewusste Begegnung mit gemeinsamer Geschichte und Kultur, und das gerade auch an symbolträchtigen Tagen?

epd-Gespräch: Ulrike Millhahn

Gebet von Landesbischof Meister zum 100. Jahrestag des Waffenstillstandes

Themenpaket zu Kirche und I. Weltkrieg
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Ralf Meister zum Leitenden Bischof der VELKD gewählt

Landesbischof Ralf Meister ist neuer Leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD). Die Generalsynode der VELKD wählte ihn am Freitagmorgen in Würzburg mit 38 von 45 abgegebenen Stimmen. Fünf Delegierte stimmten mit Nein, zwei enthielten sich. Der sächsische Landesbischof Carsten Rentzing wird sein Stellvertreter. 

Meisters Vorgänger Gerhard Ulrich, Bischof der Nordkirche, hat sein Amt vorzeitig niedergelegt. Er tritt im kommenden Jahr in den Ruhestand. Mit einem Gottesdienst am Wahlabend wird Meister in sein neues Amt eingeführt.

Der neue Leitende Bischof der deutschen Lutheraner will vor allem mehr junge Menschen für die Kirche gewinnen. Der hannoversche Landesbischof sagte am Freitag nach seiner Wahl an die Spitze der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), das sei für ihn ein zentrales Thema. Der 56-jährige gebürtige Hamburger und Vater von drei Kindern möchte außerdem "die Vielfalt im Protestantismus intensiver kennenlernen und die lutherische Stimme pointiert erheben".

Die VELKD ist ein Zusammenschluss von sieben evangelisch-lutherischen Landeskirchen innerhalb der EKD. Zur VELKD gehören rund neun Millionen Gläubige. Am Sonntag beginnt im Anschluss an die Generalsynode der VELKD die viertägige EKD-Synode. (epd)

Votum zur Vorstellung anlässlich der Wahl im Wortlaut
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Bild: VELKD

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Integration braucht einen langen Atem

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat die Bedeutung der Integration Geflüchteter in Niedersachsen unterstrichen. "Alle Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religion sollen friedlich miteinander in diesem Land leben können", sagte Weil anlässlich des dritten Jahrestages des Bündnisses "Niedersachsen packt an". "Für Rassismus und Ausgrenzung ist kein Platz in Niedersachsen." 

Im Anschluss sprachen die Initiatoren des Bündnisses, zu denen auch Landesbischof Ralf Meister gehört, über die anstehenden Aufgaben für die Integration von geflüchteten Menschen. Besonders die Förderung auf der Schwelle zwischen Schule und Ausbildungsbeginn und die Unterstützung geflüchteter Frauen werden zu markanten Punkten der künftigen Arbeit.  

2015 schlossen sich die beiden christlichen Kirchen, Gewerkschaften und Unternehmerverbände mit der Landesregierung zusammen, um die Integration der Flüchtlinge voranzubringen. Seitdem ist das Bündnis "Niedersachsen packt an" auf mehr als 330 beteiligte Organisationen und rund 3.000 Einzelmitglieder angewachsen. Integration benötige jedoch einen langen Atem, sagte Weil. Deshalb werde die Landesregierung den eingeschlagenen Kurs gemeinsam mit den Bündnispartnern fortsetzen. (epd/Bischofskanzlei)

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Bild: Yury Petrovic/Niedersachsen packt an

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Bild: Die Mohnblume ist in England das Symbol für die Toten des 1. Weltkrieges. Foto: EMA

Deutsch-englisches Friedensgebet zum Ende des 1. Weltkrieges vor 100 Jahren


Am 11. November 2018 jährt sich der Waffenstillstand, der den Ersten Weltkrieg beendete, zum 100. Mal. Die mehr als 50 Millionen Toten, die diesen entsetzlichen Krieg mit ihrem Leben bezahlen mussten, sind in ganz Europa unvergessen.

Einhundert Jahre später sind aus Feinden Freunde geworden. Die Evangelische Kirche in Deutschland und die Church of England haben 1991 die Meissen Kommission ins Leben gerufen, um einen Beitrag zur Versöhnungsarbeit zwischen Großbritannien und Deutschland zu leisten. Als Co-Vorsitzender dieser Kommission lädt Landesbischof Ralf Meister alle Gemeinden in Deutschland und England ein, dieses Fürbittgebet gemeinsam zu beten.


Du Gott des Friedens.
Wir rufen Dich gemeinsam an in der Gemeinschaft von Christen aus England und Deutschland.

Wir gedenken heute unserer Toten aus dem Krieg vor einhundert Jahren.

Unser Andenken erinnert an ein Europa der Feindschaft.

Doch aus Feinden wurden Freunde. Wir wissen um die besondere Verantwortung, die unseren Völkern zukommt.

In Christus bleiben unsere Kirchen treu und fest verbunden.

So beten wir gemeinsam für den Frieden in dieser Welt.

Du Gott der Hoffnung,
wir bitten dich für die Menschen, die in politischer Verantwortung stehen.
In diesen Monaten treffen sie schwere Entscheidungen.
Hilf, dass Politiker der Einheit dienen und dem Hass wehren.

Wir bitten dich um Gedanken des Friedens.

Du Gott der Versöhnung,
wir klagen, dass Krieg und Not weltweit nie aufgehört haben.
Täglich sterben Tausende von Frauen, Männern und Kindern.
Sprich, damit die Herzen der Mächtigen dieser Welt verwandelt werden und
sie das friedliche Zusammenleben aller Menschen ermöglichen.

Du Gott der Ewigkeit,
du kommst uns entgegen.
Schau auf uns und erfülle uns mit deinem Geist des Friedens,
den du verheißen hast durch Jesus Christus, unseren Herrn.

Amen.


Intercession of 11 November 2018 in Remembrance of the End of World War I in 1918

O God of peace,
we call on you jointly as the community of Christians of the United Kingdom and of Germany.
We remember today our dead of the war ended one hundred years ago and we mourn.
Our commemoration recalls a Europe of enmity and of enemies becoming friends.
We are aware of the particular responsibility of our peoples.

Our churches are truly and firmly united in Christ.
Thus, we pray together for peace in this, our world.

O God of hope,
we pray to you for people who bear political responsibility in these months as they weigh important decisions.
Help, that politicians serve unity and ward off hatred.
We ask you for inspiration to peace.

O God of reconciliation,
we lament that wars and worldwide suffering have never ceased.
Daily, thousands of women, men and children die.
Speak, o God, that the hearts of the powerful of this world be transformed to make possible the peaceful co-existance among all people.

O God of eternity,
you come toward us. Look at us and fill us with your spirit of peace,
promised through Jesus Christ, our Lord.

Amen

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Stiftungsprofessur zum Christlich-jüdischen Dialog

An der Berliner Humboldt-Universität wird eine Stiftungsprofessur zum christlich-jüdischen Dialog eingerichtet. Das friedliche Miteinander der Religionen als Teilaspekt des gesellschaftlichen Zusammenhalts sei der Universität ein großes Anliegen, sagte Hochschulpräsidentin Sabine Kunst am Montagabend bei der Vorstellung der Professur in Berlin. Die Universität wolle sich in die aktuellen gesellschaftlichen Auseinandersetzungen künftig stärker einmischen, kündigte sie an. Die neue Professur sei ein Schritt dazu.

Initiiert wurde die Stelle von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und den evangelischen Landeskirchen. Die Einrichtung ist ein Resultat aus der Beschäftigung der Protestanten mit Antisemitismus in den eigenen Reihen im Zuge der Reformation vor 500 Jahren. Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister verwies auf den Bildungsauftrag der evangelischen Kirche als Erbe der Reformation. Die Professur sei in diesem Sinne nicht nur eine gute Idee, sondern eine Notwendigkeit, sagte der Theologe. "Als in der Vorbereitung des Gedenkjahres 2017 über die bleibenden Verdienste der Reformatoren diskutiert wurde, gab es manchen Streit darüber, welche „Leistungen“ man aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, mit Blick auf ihre fortwährenden Wirkungen im 21. Jahrhundert, benennen könne. Unstrittig blieb zumeist ein Punkt: Die Bildung. So bleibt es eine Herausforderung für die Evangelischen Kirchen, den Bildungsimpuls heute nicht nur an den Schulen, sondern auch den Theologischen Fakultäten in Forschung und Lehre fortzusetzen. Die Einrichtung einer Stiftungsprofessur für die Geschichte und Gegenwart des jüdisch-christlichen Verhältnisses ist für mich eine eindrückliche Aufnahme dieses Bildungsanspruches, der in der Zeit der Reformation einen markanten Anstoß bekam."

2015 hatte sich die EKD-Synode vom Antisemitismus in Schriften des Reformators Martin Luther (1483-1546) distanziert. "Luthers Sicht des Judentums und seine Schmähungen gegen Juden stehen nach unserem heutigen Verständnis im Widerspruch zum Glauben an den einen Gott, der sich in dem Juden Jesus offenbart hat", heißt es in der vor drei Jahren verabschiedeten Stellungnahme des Kirchenparlaments. Ein Jahr später verabschiedete die Synode außerdem einen Beschluss, in der sie der sogenannten Judenmission eine Absage erteilt. Infolge der Diskussion um Antisemitismus in der evangelischen Kirche entstand die Idee zur Einrichtung der Stiftungsprofessur, die nach Angaben der EKD vom Stifterverband und der Volkswagen-Stiftung unterstützt und nach zehn Jahren fest in der Humboldt-Universität verankert werden soll.

Die Professur ist eine deutschlandweite Premiere und soll nach aktuellen Plänen zum Wintersemester 2019/20 starten. Eine Berufungskommission, in der auch eine jüdische Vertreterin sitzt, hat die Suche nach einer geeigneten Person bereits begonnen. (epd/Bischofskanzlei)

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Reformationsfeiertag 2018

Im Mittelpunkt: Begegnung, Dialog und die Frage nach Freiheit

Die Bischöfe und leitenden Theologen in Niedersachsen und Bremen haben am Reformationstag die Religions- und Meinungsfreiheit in den Mittelpunkt ihrer Predigten gestellt. Landesbischof Ralf Meister sagte in seiner Predigt in der Marktkirche, die "Rücksichtnahme auf die Freiheit anderer ist gerade keine Einschränkung meiner Freiheit, sondern ein Ausdruck meiner Freiheit". Dies sei vielleicht die schwierigste und entscheidende Botschaft des Reformationstages: "Wir sind frei, dem Zorn zu gehorchen oder die Versöhnung zu suchen! Wir sind frei, uns nur um uns selbst zu kümmern oder das Wohl der Gemeinschaft in den Blick zu nehmen", sagte Meister.

Um den jüdisch-christlichen Dialog zu stärken, hatte Meister am Vorabend des Reformationsfestes Rabbiner Gabór Lengyel aus Hannover zu einer Diskussion "Was gesagt werden muss. Reformation und Judentum"  in die Marktkirche eingeladen. Vor ungefähr 100 Besucher und Besucherinnen betonten beide den Weg des gemeinsamen Lernens, der mit dem neuen Feiertag einmal mehr in den Blick rücke. Zudem ermutigte Rabbiner Lengyel Pastoren und Rabbiner dazu, verstärkt politische Predigten gegen Rassismus zu halten. "Wenn in unserer Gesellschaft Grundsätzliches ins Rutschen gerät, kann ein Pastor oder Rabbiner nicht schweigen", sagte Lengyel. (epd)

Impuls "Was gesagt werden muss!" mit Rabbiner Dr. Lengyel im Wortlaut

Bild: Jens Schulze; Bischofskanzlei

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Anschlag auf die "Tree of Life"- Synagoge

"Ich bin tief erschüttert über den furchtbaren Anschlag auf die "Tree of Life"-Synagoge in Pittsburgh. Ich trauere um die Opfer, ich bete für die Verletzten und all die Menschen, die einen geliebten Menschen verloren haben oder um deren Leben bangen.
Wenige Tage vor dem 80. Jahrestag der Novemberpogrome in Deutschland schmerzt diese blinde, fanatische, hasserfüllte antisemitische Tat ganz besonders. Sie ruft uns dazu auf, gegen Hass, Gewalt und Ausgrenzung aufzustehen!
Wir stehen an der Seite unserer jüdischen Geschwister. Es gilt: der christliche Glaube schließt jede Form von Judenfeindschaft aus."  

Ralf Meister


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Reformationstag 2018:
Religionsübergreifend, ökumenisch und weltoffen

"Mit dem Reformationstag bekommt Niedersachsen einen Feiertag, der in seiner Gestaltung herausfordernd ist und große Chancen bietet, aber auch unbequem sein kann", sagt der Ratsvorsitzende der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen, Landesbischof Ralf Meister (Hannover). "Es geht uns darum, den 31. Oktober religionsübergreifend, ökumenisch und weltoffen zu begehen und uns kritisch mit den theologischen Irrtümern der Reformatoren auseinanderzusetzen. Wir wollen in Veranstaltungen und Gottesdiensten in ganz Niedersachsen über unser gesellschaftliches Miteinander ins Gespräch kommen.“


"Es ist an uns, aus dem Tag, der einmal der Tag der Trennung war, etwas Gemeinsames zu machen", sagt Landesbischof Meister im gemeinsamen Interview des Evangelischen Kirchenfunks Niedersachsen-Bremen mit seinem katholischen Amtsbruder Heiner Wilmer, dem Bischof von Hildesheim. "Reformation ist für mich eine Haltung, die in der Bibel begründet ist", erwidert Wilmer. "Der erste Reformator ist Gott selbst."

Mit über 1.000 Gottesdiensten und weiteren Veranstaltungen feiern die Kirchengemeinden der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers in diesem Jahr den 501. Reformationstag am 31. Oktober. Im Sommer haben die Länder Niedersachsen, Bremen, Schleswig-Holstein und Hamburg beschlossen, den Reformationstag als gesetzlichen Feiertag einzuführen, nachdem er im vergangenen Jahr zum 500. Jahrestag der Reformation einmalig ein gesamtdeutscher gesetzlicher Feiertag gewesen ist.

Unter der Überschrift „Was gesagt werden muss. Reformation und Judentum“ lädt die Landeskirche am Vorabend des Reformationstages (30.10.2018) um 18 Uhr in die Marktkirche ein. Landesbischof Ralf Meister und Rabbiner Dr. Gábor Lengyel geben Impulse zum Thema; die musikalische Gestaltung übernehmen „Die 3 Kantoren“ aus Berlin.

Landesbischof Ralf Meister predigt im Festgottesdienst zum Reformationstag um 10 Uhr in der Marktkirche Hannover. Anschließend wird ein Fest der Begegnung in der Marktkirche gefeiert.

Die Veranstaltungen zum Reformationsfeiertag innerhalb der Landeskirche sind hier in einer Karte zusammengefasst.

Weitere Veranstaltungen zum Reformationstag in den evangelischen Kirchen in Niedersachsen: https://www.evangelische-konfoederation.de/reformation_2017/veranstaltungen_reformationstag_2018

(Pressestelle/Bischofskanzlei)


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