Landesbischof Ralf Meister

Null-Toleranz-Strategie bei Gewalt gegen Kinder

Sat, 22 Jun 2019 06:31:00 +0000 von . Bischofskanzlei

Dortmund/Hannover (epd). Landesbischof Ralf Meister fordert eine gesellschaftliche Null-Toleranz-Strategie bei Gewalt gegen Kinder. "Dieses Thema muss in allen internationalen politischen Beziehungen auf die Tagesordnung gelangen", sagte er bei einer Film-Bibelarbeit beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dortmund: "Hier beginnt die Friedenserziehung für unsere Welt." Der evangelische Theologe erinnerte an die UN-Kinderrechtskonvention, die im November 30 Jahre alt wird. Sie sei das wichtigste internationale Menschenrechts-Instrumentarium für Kinder, das es heute gebe.

Meister betonte, alle Kinder in der Welt müssten vor jeglicher Gewalt geschützt werden. Dazu zählten auch Ausbeutung, Verwahrlosung, Vernachlässigung und sexueller Missbrauch. Doch die Realität sei eine andere: "Paternalismus, innerfamiliäre Gewaltgeschichten, vor allem aber auch religiöse und ethnische Gewohnheiten und Gebräuche widerstehen einer friedlichen Kindererziehung." Mehr als 700 Millionen Kinder lebten in Ländern, in denen die Prügelstrafe in den Schulen nicht abgeschafft sei. Oft komme die Gewalt von Eltern und Erziehungsberechtigten.

In Deutschland habe die Kriminalstatistik 2017 eine leichte Zunahme der Gewalt gegen Kinder verzeichnet. Dabei gehe es nicht nur um den "Klaps auf den Po" oder eine Ohrfeige, die immer noch von 44 Prozent der befragten Eltern für okay gehalten würden. Im Jahr 2017 seien 143 Kinder an den Folgen von Gewalt gestorben. Fast 78 Prozent von ihnen seien jünger als sechs Jahre gewesen. In 77 Fällen sei es bei einem Tötungsversuch geblieben. Insgesamt 4.208 Jungen und Mädchen seien Opfer von Gewalttaten geworden.

Zurzeit erlebe Europa einen Aufstand der Kinder, sagte Meister. "Töchter und Söhne sind auf der Straße und demonstrieren für eine andere Zukunft. Und im Kern demonstrieren sie gegen uns, gegen ihre Eltern." Die Bewegung "Fridays for Future" sei eine Anklage gegen Mütter und Väter, die trotz vieler Einsichten ihre alte Agenda lebten und and die Kinder weiterreichen wollten. Schon in der Bibel heiße es bei dem Propheten Jesaja: "Die Väter haben saure Trauben gegessen, und den Kindern werden die Zähne stumpf."
Quelle: Silvia Mustert