Landesbischof Ralf Meister

Ralf Meister wurde am 26. März 2011 als Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers eingeführt. Seit 9. November 2018 ist er Leitender Bischof der VELKD.

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Neue Landessuperintendentin in Osnabrück

Landesbischof Ralf Meister hat am Sonnabend die neue Osnabrücker Regionalbischöfin Birgit Klostermeier (54) in ihr Amt eingeführt. Meister unterstrich in seiner Ansprache die Gegensätze des bisherigen und des neuen Arbeitsplatzes der evangelischen Theologin. Klostermeier, die zuvor Superintendentin in Berlin war, komme aus der "Hauptstadt des Atheismus, aus der Mixtur der Religionskritik in eine Region, die noch vital lebt in ihrer christlichen und ökumenischen Dimension". Zu dem Gottesdienst in der Osnabrücker Marienkirche waren rund 500 Menschen gekommen. 

Meister wünschte Klostermeier "Mut zu klaren Worten und Neugier auf das Unbekannte und Herausfordernde". Eine Herausforderung für interessante Begegnungen und spannende Dialoge sei das Institut für islamische Theologie an der Universität. Auch die "Mitsorge" für die Flüchtlinge in den beiden Erstaufnahmelagern in Bramsche und Osnabrück legte er der neuen Regionalbischöfin ans Herz. Wichtigster Auftrag sei jedoch die Seelsorge und Beratung für die Pastorinnen und Pastoren und alle übrigen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden in ihrem Sprengel.

Die neue Landessuperintendentin leitet künftig den Sprengel Osnabrück mit fünf Kirchenkreisen, 115 Gemeinden und rund 300.000 Gemeindemitgliedern. Er reicht vom südlichen Landkreis Osnabrück über Diepholz und Hoya bis kurz vor Bremen. Klostermeier ist Nachfolgerin von Burghard Krause, der im vergangenen Sommer in den Ruhestand gegangen war. (epd)

Ausführlicher Bericht auf der Webseite der Evangelischen Zeitung

Bild: Claudia Sarazzin (Evangelische Zeitung)

Wolfgang Banse
vor mehr als 2 Jahren
Wem nützt eine Landessuperintendentin,ein landessuperintendent.,im Bezug auf die Kosten/Nutzen Analyse?

Aktuelle Beiträge

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Bild: Ralf Meister predigt in Ripon/England. Foto: Ripon Cathedral

Bischof Meister ruft Kirchen nach Brexit-Abstimmung zur Zusammenarbeit auf

Hannover (epd). Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister hat die Kirchen angesichts der Brexit-Abstimmung in Großbritannien zur Zusammenarbeit aufgerufen. "Die Kirchen sind herausgefordert, in Zeiten auseinanderstrebender Kräfte ihren Beitrag zu leisten. Unsere Gemeinschaft in Christus verbindet die europäischen Kirchen über alle nationalen Grenzen", sagte der evangelische Theologe, der auch deutscher Vorsitzender der Meißen-Kommission ist, am Mittwoch in Hannover. In der Kommission haben sich die Kirche von England und die deutschen Protestanten 1991 zur Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft verpflichtet.

Meister betonte, er sei sicher, dass es auch über den Brexit hinweg gelingen werde, die "vertraute Partnerschaft zu unseren Freundinnen und Freunden in England weiter zu leben und zu vertiefen." Er fügte hinzu: "Gemeinsam müssen wir daran arbeiten, das unglaubliche Geschenk des Friedens zu erhalten und uns für den Fortbestand Europas mit allen Kräften einsetzen." Es gehe um mehr als um einen Austrittsvertrag: "Der europäische Traum handelt von Menschlichkeit, Gerechtigkeit und Frieden aller europäischen Völker."

Eine Mehrheit von 432 Abgeordneten zu 202 Delegierten hatte sich am Dienstagabend gegen das Brexit-Abkommen im britischen Parlament ausgesprochen. (epd)
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Nachdenkliche Töne beim Epiphaniasempfang 2019 

Ministerpräsident und Landesbischof warnen vor Rechtspopulismus

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und Landesbischof Ralf Meister haben zu mehr Engagement für die Demokratie, für Europa und gegen Rechtspopulismus aufgerufen. Die überragende Mehrheit der Bevölkerung stehe für einen starken demokratischen Staat und für eine starke Zivilgesellschaft, sagte Weil beim 69. Epiphanias-Empfang der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers am Sonntag im Kloster Loccum bei Nienburg. 

Der Ministerpräsident verwies dabei auf den Hashtag #wirsindmehr, der sich im vergangenen Sommer nach den rechtsmotivierten Ausschreitungen von Chemnitz in den sozialen Netzwerken gebildet hatte. Dennoch drohe ein unverkennbarer Rechtsruck in Europa viele Errungenschaften in Frage zu stellen, warnte Weil vor rund 130 Gästen aus Landespolitik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft. Er rief die Bürger dazu auf, "mit aller Kraft" für die Demokratie und für Europa einzutreten und zu kämpfen. 

Landesbischof Meister warnte angesichts der Vorfälle in Amberg und Bottrop davor, dass rechte Parteien die Sorgen der Bürger für ihre Zwecke ausnutzen könnten. Die sozialen Netzwerke und die Medien verstärkten die Ängste durch ihre Berichterstattung um ein Vielfaches, kritisierte Meister. Er bezog sich auf den Angriff jugendlicher Asylsuchender auf Passanten im oberpfälzischen Amberg und die Tat eines 50-jährigen Deutschen in Bottrop, der mit seinem Auto gezielt Gruppen mit Ausländern rammte. 

"Die Aufmerksamkeit, die auf Attentäter, Kriminelle, Irregeleitete und auf ihre Taten gelenkt wird, ist unerträglich. Jede blutige Sekunde ist rund um den Erdball verfolgbar", sagte der evangelische Theologe und ergänzte: "In der Erregungskultur der sozialen Medien wird eine Messerstecherei schnell zum Terroranschlag, ein Amoklauf zum Vorboten eines Weltuntergangs, ein Attentäter weckt Schläfer". 

Umso wichtiger sei es, von der Sorge zum Hoffen und Handeln zu kommen. "Es liegt an uns, unserer Hoffnung eine sichtbare Gestalt zu geben, indem wir jeden Tag handeln", sagte Meister. Dabei komme es auch darauf an, "die Weiterentwicklung Europas konstruktiv und kritisch zu begleiten".

Die Landeskirche lädt seit 69 Jahren Repräsentanten des öffentlichen Lebens zum Jahreswechsel zu dem Empfang in das mehr als 850 Jahre alte Zisterzienserkloster ein. Der frühere Landesbischof Hanns Lilje (1899-1977) hatte 1950 nach seiner Wahl zum Abt zu Loccum erstmals zum "Empfang zwischen den Jahren" gebeten. (epd)

Bild: Jens Schulze

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Zeit für Freiräume eröffnet

Gottesdienste in sechs Sprengeln

Mit Gottesdiensten in sechs verschiedenen niedersächsischen Regionen hat die hannoversche Landeskirche am Sonntag ihr Themenjahr "Zeit für Freiräume" eröffnet. Ziel ist es, Routinen zu hinterfragen und sich auf Wesentliches zu besinnen. "Dabei geht es darum, mit welchen Mustern und Traditionen man auch einmal brechen kann", sagte Landesbischof Ralf Meister im Vorfeld der Aktion. "Wir brauchen viel mehr mutige Musterbrecher." Zu dem Themenjahr sind Projekte in der gesamten Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers geplant. (epd)

Bild: Jens Schulze

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Bild: Heiko Preller

Zeit für Freiräume 2019 - Was ist das?

Herr Meister, worum geht es in der „Zeit für Freiräume“?

Es geht darum, auszuprobieren und zu entdecken, was wir tun und möglicherweise auch lassen können. Ich wünsche mir eine bescheidene, aber fröhliche Suche nach Veränderungen im eigenen Glauben und Leben, in der Gemeinde und in der Kirche. Freiräume heißt Mut zur Unterbrechung, zum Beispiel von Gewohnheiten, Prinzipien und Ordnungssystemen. Toll wäre es, wenn dabei originelle, kleine, verrückte Ideen entstehen, die den Alltag in Kirche und Glauben verändern.

Am 6. Januar finden die Auftaktgottesdienste statt. Wie geht es danach weiter?

Wir sind sehr gespannt, mit welcher Dynamik sich die Freiräume vor Ort weiterentwickeln. Wir haben bewusst nur ganz wenig vorab produziert, weil die "Zeit für Freiräume" von den individuellen Aktivitäten aller Beteiligten in der Landeskirche lebt. 

Gibt es einen besonderen Freiraum für Sie persönlich im Jahr 2019?

Ich werde unter anderem vier Wanderungen von jeweils zwei bis drei Tagen durch die Landeskirche unternehmen. Geplant ist, dass ich mit unterschiedlichen Personengruppen unterwegs bin. Jeder Tag wird mit einer Morgenandacht beginnen, übernachten werden wir in einfachsten Quartieren. Am meisten freue ich mich dabei auf die Gespräche. Was beschäftigt die Menschen? Wie kommen wir zueinander?

(epd)

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Bild: Privat

Umweltfreundlich ins neue Jahr

Elektroauto als Dienstwagen

Landesbischof Ralf Meister will umweltfreundlich ins neue Jahr starten. Künftig ist der evangelische Theologe mit einem Elektroauto unterwegs, das eigentlich schon im Herbst geliefert werden sollte. Damit ist er der erste deutsche Bischof mit einem E-Auto. Beim jährlichen bundesweiten Dienstwagencheck der Deutschen Umwelthilfe unter mehr als 40 leitenden Theologen war er vor kurzem mit seinem derzeitigen Audi Q7 Diesel/Elektro mit 225 Gramm CO2 pro Kilometer auf dem letzten Platz gelandet. 

Dennoch solle dieser Schritt nicht überbewertet werden, unterstrich der Landesbischof: "Der beste Schutz für die Umwelt in Sachen Mobilität ist ein vollständiger Verzicht auf Verbrennungsmotoren und insgesamt auf Fahrzeuge, die allein genutzt werden." Die Zukunft werde sicherlich nicht nur in den Millionenmetropolen, sondern auch in den mittleren Städten im Carsharing liegen. "Der wichtigste Maßstab ist für mich, möglichst auf das Autofahren zu verzichten." Er nehme so oft wie möglich die Bahn und innerhalb Hannovers das Fahrrad.

Im Flächenland Niedersachsen zwischen Hann. Münden und Cuxhaven werde das elektrische Fahren eine spannende Herausforderung sein, betonte Meister. Er habe viele Touren, die deutlich mehr als 400 Kilometer ausmachten: "Das heißt, wir müssen so planen, dass sowohl die Ladezeiten als auch die Ladeorte berücksichtigt werden." In bestimmten Regionen werde die nächste Ladestation eben nicht zehn oder 20, sondern vermutlich 50 Kilometer entfernt sein. "Es ist eine Umstellung, aber ich bin sicher, dass sie gelingt." Auch sein Fahrer sei von dem Projekt hundertprozentig überzeugt. (epd)
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2019 - Jahr der Zeit für Freiräume

Hannoversche Landeskirche ermutigt zur Unterbrechung von Gewohntem

Deutschlands größte evangelische Landeskirche will sich im neuen Jahr "Zeit für Freiräume" nehmen. Die gesamte hannoversche Landeskirche solle ausprobieren und entdecken, "was wir tun und möglicherweise auch lassen können", sagte Landesbischof Ralf Meister dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Freiräume heißt Mut zur Unterbrechung, zum Beispiel von Gewohnheiten, Prinzipien und Ordnungssystemen". Es gehe um eine eher bescheidene, aber fröhliche Suche nach Veränderungen im eigenen Glauben und Leben, in der Gemeinde und in der Kirche. 

Am 6. Januar, dem Epiphaniastag, wird das Sabbatjahr "...um des Menschen willen - Zeit für Freiräume 2019" mit besonderen Gottesdiensten aller sechs Landessuperintendenten in Buxtehude, Emden, Hannover, Hildesheim, Lüneburg und Osnabrück eröffnet. "Dann sind wir sehr gespannt, mit welcher Dynamik es sich vor Ort weiterentwickelt", sagte Meister und fügte mit einem Augenzwinkern hinzu: "Wir haben so gut wie nichts vorab produziert, weil es ein produktionsloses Projekt ist, das von den individuellen Aktivitäten aller Christinnen und Christen lebt."

Er selbst plane unter anderem eine Wanderung durch Niedersachsen, erläuterte der 56-Jährige. Er werde viermal, jeweils zwei bis drei Tage zu unterschiedlichen Jahreszeiten zwischen Hann. Münden und Cuxhaven mit Menschen aus den jeweiligen Kirchengemeinden unterwegs sein. Jeder Tag werde mit einer Morgenandacht begonnen, übernachtet werde in einfachsten Quartieren in den Gemeinden. Am meisten freue er sich auf die Gespräche, sagte der Landesbischof: "Was beschäftigt die Menschen? Wie kommen wir zueinander?"

"Unterbrechungen" von Alltagsroutinen könnten zu Innovationen führen, sagte Meister und nannte als Beispiel Sitzungen von Gremien. "Häufig reisen Mitarbeiter aus ganz Niedersachsen für eine 90-minütige Sitzung in Hannover an. Wenn wir stattdessen eine anständige Videokonferenz hinbekämen, könnte das eine Zeitersparnis von vier bis sechs Stunden bedeuten." Er wünsche sich "originelle, kleine, verrückte Ideen, die den Alltag in Kirche und Glauben verändern". (epd)

Mehr Informationen über das Projekt, Ideen und Bausteine finden Sie hier
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Bild: Jens Schulze

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Bild: Jens Schulze

Jahreslosung 2019: Suche Frieden und jage ihm nach 

Frieden braucht Aufbruch und Leidenschaft

Im vergangenen Jahr war ich mit meinen Kindern (17 und 18 Jahre alt) in der zentralen Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem. Nach zwei Stunden schweigendem Gang durch die Ausstellung fragte meine Tochter: „Und Oma hat da schon gelebt?“  Wir spürten alle sofort, dass die Erinnerung an dieses Grauen des 2. Weltkriegs keine historische Erinnerung ist, sondern einen unmittelbaren Ort in allen deutschen Familien hat. Haben muss. Seit 74 Jahren ist Frieden in unserem Land. Für unsere Kinder ist das eine Welt, die sie - Gott sei Dank – nicht anders kennen.

Aber ihre Großeltern, unsere Eltern, haben den Krieg hautnah erlebt. Sie wissen noch zu gut, dass menschlicher Friede immer temporär und brüchig ist. Wir sind in der Zwischenzeit gefährlich abgestumpft bei den vielen Nachrichten, in denen ständig von neuen Krisenherden berichtet wird oder von alten Konfliktfeldern, die auch nach Jahren nicht beigelegt sind. Und wissen doch, dass es auch auf einer kleineren Skala Bereiche voller Spannungen gibt: In der Familie, am Arbeitsplatz, in der Gemeinde. Wo Menschen zusammenkommen, entstehen Konfliktfelder.

Das Jahr 2019 steht unter dem Bibelwort "Suche Frieden und jage ihm nach!" (Psalm 34,15). Ich habe mich über die Wahl dieses Psalmverses gefreut. Es ist eine Aufforderung an alle Christinnen und Christen und ein Mahnwort an ganz Europa. Suchet den Frieden! Wer vor fast 3000 Jahren diese Worte geschrieben hat, der wusste: Frieden ist nicht etwas, was sich einfach einstellt, wenn der Krieg vorbei ist. 

Frieden braucht Energie, Mut, Überzeugung.
Frieden braucht Aufbruch und Leidenschaft.
Frieden ist kein Traumbild, sondern eine konkrete Handlungsoption.
Es gibt viele Verben für das Kämpfen in unserer Sprache, aber kein Verb für den Frieden.

Frieden machen, Frieden gestalten, das kann heißen: Einander besser kennen lernen, im kleinen Freundeskreis und in der Begegnung der Nationen. Frieden kann heißen, einander zu verstehen, auch wenn Unterschiede bestehen bleiben. Frieden heißt, aushalten, dass wir verschieden sind und uns dennoch in Liebe begegnen. Frieden heißt Vergeben, ohne eine Gegenleistung. Als Kind hießen Verben Tätigkeitsworte. Wir brauchen Wörter der Tätigkeit, des Handelns für den Frieden. Action for peace!

Friede meint nach biblischem Verständnis weit mehr als nur die Abwesenheit von Streit und Krieg. Friede, Schalom meint eine tiefe Sehnsucht nach einer heilen, unversehrten Welt. Schalom ist die unverbrüchliche Hoffnung auf ein gerechtes und alle Feindschaft überwindendes Miteinander der ganzen Schöpfung:  „Doch ist ja Gottes Hilfe nahe denen, die ihn fürchten, dass in unserm Land Ehre wohne; dass Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen; dass Treue auf der Erde wachse und Gerechtigkeit vom Himmel schaue“. (Psalm 85,10-12)

Ein friedvolles neues Jahr wünscht Ihnen

Ihr

Ralf Meister

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Bild: Landesbischof Meister am Remenbrance Day mit Bishop Nick Baines (r.) in Ripon, Foto: Ripon Cathedral

"Europa ist die Lösung und nicht das Problem"

Landesbischof Meister ruft dazu auf, den EU-Kritikern aktiv entgegen zu treten

Hannover (epd). Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister ruft die Kirchen angesichts der Wahlen zum EU-Parlament am 26. Mai 2019 zu einem aktiven Wahlkampf auf. "Wir brauchen neben den üblichen Wahlaufrufen der Bischöfe ein breites Spektrum von Initiativen, ohne dabei parteipolitisch zu werden", sagte der evangelische Theologe im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Er wolle sich für gemeinsame Aktionen mit den katholischen Kirchen, Unternehmerverbänden, Gewerkschaften und allen demokratisch gewählten Parteien einsetzen. "Die klare Botschaft muss lauten 'Geht zur Wahl', weil Europa ein Teil der Lösung ist und nicht das Problem."

Auch wenn es momentan viele Schwierigkeiten gebe, wäre es eine Katastrophe, die EU als das Grundproblem dafür zu sehen. "Denn die Alternative dazu wäre eine Renationalisierung einzelner Staaten, wie wir sie zum Teil ja bereits erleben, und das kann auf gar keinen Fall eine Lösung sein", betonte Meister, der seit dem Herbst auch Leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) ist. Nötig seien starke Bündnisse von Menschen, die Europa positiv gegenüber stünden.

"Meine Generation ist in einem Europa groß geworden, in dem stetig zusammenwuchs, was zusammengehört. Zum Schluss konnten wir als größte Errungenschaft sogar ohne Pass fast überall hinreisen", unterstrich der 56-Jährige. Die Vorstellung eines neu gewählten Parlaments mit möglicherweise mehrheitlich europakritischen Abgeordneten bringe ihn um den Schlaf. "Ich will mich nicht im Juni fragen müssen, was hast du eigentlich getan, um dies zu verhindern."

In diesem Zusammenhang betonte der Landesbischof, dass "einer der herausragenden Momente" in seinem Berufsleben seine Predigt im November am "Remberance Day" in England zum Ende des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren gewesen sei. "Dass ich an einem national sehr aufgeladenen Erinnerungstag in der Kathedrale im nordenglischen Ripon vor rund 2.000 Menschen, unter ihnen Hunderte ehemalige Soldaten, predigen durfte, bewegt mich noch immer."

Frieden sei für ihn auch ein großes Thema für 2019, sagte Meister. Die christliche Jahreslosung "Suche Frieden und jage ihm nach" sei kein Zufall, sondern eine Fügung: "Wachsende Auseinandersetzungen, darunter auch kriegerische wie zwischen Russland und der Ukraine, fordern uns permanent heraus. Und wir müssen uns fragen, was in den vergangenen Jahrzehnten an Friedensinitiativen eigentlich gelungen ist."

Die deutschen Kirchen müssten deutliche Mahner dafür bleiben, dass bei der Frage von Rüstungsexporten eine andere Linie gebraucht werde. "Allein wenn wir nur auf die Produktion von Kleinwaffen oder Munition schauen, ergibt sich eine verheerende Bilanz: Über 60 Prozent der Exporte gehen an Abnehmer, die nicht zur EU oder zur Nato gehören." Niemand könne garantieren, dass die Waffen nicht weiterverkauft würden.

Deutschland sei immer noch unter den Top fünf bei der Waffenproduktion. Im letzten Jahr seien Rüstungsexporte an 52 Staaten genehmigt worden, in denen teilweise die Menschenrechtslage sehr bedenklich sei, sagte Meister und fügte hinzu: "Die Kriege in aller Welt sind auch unsere Kriege, denn wir exportieren unsere Waffen dorthin. Wir tun nicht genug, um sie zu unterbrechen und letztlich zu beenden. Das erleben wir gerade in erschütternder Weise im Jemen."

epd-Gespräch: Ulrike Millhahn
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Bild: epd-Bild / Jens Schulze

Beim Bischof sind die Hühner los

Vier Hühner, ein Bienenvolk, Obstbäume und selbst gezogenes Gemüse: Landesbischof Meister gibt der Natur Raum im Garten seiner Kanzlei

Hannover (epd). Die uralte Frage nach der Henne und dem Ei bewegt Landesbischof Ralf Meister eher weniger, wenn er sich morgens sein Frühstücksei aus dem Garten seiner Kanzlei am hannoverschen Maschsee holt. "Ich freue mich einfach darüber, wie zutraulich die vier inzwischen geworden sind", sagt der 56-jährige Theologe und nimmt zum Beweis eine der Hennen auf den Arm. Sie gackert fröhlich vor sich hin. Als Sohn Tom in der elften Klasse eine Jahresarbeit zum Thema "Tierzucht und Tierwohl in Niedersachsen" anfertigen musste, entschied dieser sich für das Projekt Hühnerstall.

Die evangelisch-lutherische Kirche Hannovers ist ländlich geprägt, viele Mitglieder sind nach wie vor in der Landwirtschaft tätig. Landesbischof Meister liegt eine verantwortungsvolle Nutzung der Schöpfung besonders am Herzen. "Für mich stellt sich grundsätzlich die Frage, wie eine Einstellung in unserer Gesellschaft wächst, die um die Endlichkeit der Erde weiß und erkennt, dass uns die Schöpfung geschenkt ist?", sagt er. "Das ist nicht zuerst eine ökologische oder soziale, es bleibt eine geistliche Frage."

"Vom Entwurf bis zum Bau ist unser Hühnerstall in Eigenregie entstanden", sagt der stolze Vater und gibt zu, dass sowohl er als auch Kanzleimitarbeiter Thorsten Bollmann mit Rat und Tat zur Seite standen: "Als der Stall dann fertig war, mussten eben auch Hühner rein." Das Quartett stammt vom Lehr- und Forschungsgut der Tierärztlichen Hochschule Hannover, und die Geflügelhaltung ist ordnungsgemäß registriert. "Wir sind richtig glücklich mit ihnen. Sie haben keinerlei Krankheiten, noch nicht einmal Milben, die so verbreitet sind." Drei bis vier Eier legen sie pro Tag, und die ganze Familie kennt sich inzwischen mit Hühneraufzucht bestens aus.

Ulrike Millhahn/Bischofskanzlei


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Bild: epd-Bild / Dieter Sell

Was wären wir ohne unsere Hoffnungen?

Landesbischof Ralf Meister wünscht ein gesegnetes Weihnachtsfest
Mein erstes Fotoalbum reicht von 1962 bis 1972. Und es zeigt in einem fast immer gleichen Rhythmus die Highlights eines Jahres: Geburtstagsfeier, Sommerurlaub, Weihnachten. Jahr für Jahr wieder. Damals fast alles noch in Schwarz-Weiß. Im Zeitalter der digitalen Fotografie ist diese Sparsamkeit beinahe lächerlich. Heute wird so viel fotografiert und dokumentiert wie noch nie. Doch auch im digitalen Zeitalter bleiben Urlaub, Geburtstag und Weihnachten Anlässe zu zahllosen Schnappschüssen, alle Jahre wieder.

Besonders Weihnachten scheint die Wiederholung des immer Gleichen zu sein. Heute Abend singen wir wieder die gleichen Lieder, hören die bekannten alten Texte. Auch zu Hause gibt es diese Wiederholung bis hinein in die kleinen alljährlichen Fragen: Spitze auf dem Tannenbaum oder nicht, Lametta ja oder nein, Bescherung vor oder nach der Kirche?

Das ist eine Treue zur Tradition, die es in vielen anderen Lebensbereichen längst nicht mehr gibt. Die Wiederholung des immer Gleichen. Heimat finden in einer vertrauten Form. Sehnsucht nach dem Gewohnten. Sie zeigt, wie sehr wir Bewährtes, Gesichertes, Immer-Wiederkehrendes in unserem Leben brauchen.

Wiederholung bedeutet aber auch: Sich etwas wieder holen, was im Alltag fehlt. Genau dieses geschieht zu Weihnachten. Für ein paar Stunden holen wir den Wunderglauben zurück ins Leben. Wer in dieser Nacht nicht an Wunder glaubt, der glaubt bald an gar nichts mehr.

Die beiden großen weihnachtlichen Wunder-Sätze, die wir Jahr für Jahr wieder hören, lauten für mich: „Friede auf Erden“ und „Fürchtet Euch nicht.“ Zwei Sätze, die sich als starkes Motto in die Weihnachtszeit platzieren.

„Friede auf Erden“. Wie fern scheint diese Hoffnung, von der die Engel berichten! Wie absurd scheint eine solche Forderung. Und doch gilt sie. Sie muss gelten. Gegen allen Anschein muss sie festgehalten werden. Wenn wir die Hoffnung aufgeben, die in diesem Friedens-Satz verkündigt wird, liefern wir uns dem Handel des Bösen aus und akzeptieren den Teufelskreis der Gewalt.

Und „Fürchtet Euch nicht!“. Wir sind verunsichert wie seit langem nicht mehr und hören es gerne, das „Fürchtet Euch nicht!“ Doch es meint hier nicht nur die Anteilnahme für das furchtsame Kind in uns, sondern den Aufruf zur Verantwortung. Was können wir tun, um unsere Sorgen vor der Zukunft zu bewältigen? Welche Lösungen bieten sich uns an, um den Herausforderungen auch im nächsten Jahr begegnen zu können?

„Friede auf Erden“ und „Fürchtet euch nicht“ - das begleitet uns aus dieser Nacht in  das kommende Jahr. Wir sind keine Gefangenen unserer Angst. Das, was das Leben bedroht, ist stark und gefährlich. Deshalb wird auf den Feldern von Bethlehem und in den dunklen Winkeln unseres Herzens Gottes Gegenwart herbeigerufen. Nicht durch die Klage und ein Lamento, sondern durch Lob und Verheißung. Es gibt viel zu fürchten. Doch gerade deshalb gilt: Loben wir Gott. Singen wir ihm. Jahr für Jahr. Tag für Tag.

Mit solchem Lob wird Gottes Herrschaft ausgerufen. Der Stärkere wird angesagt, vor dem die Fesseln springen und die Mauern reißen. Was wären wir ohne unsere Hoffnungen? Die Zuversicht dieser alten Geschichte vom Kind aus Bethlehem reißt uns aus dem Kerker der Sorge.

In den Herzen ist's warm;
Still schweigt Kummer und Harm. Sorge des Lebens verhallt;
Freue dich! 's Christkind kommt bald!

Gott verwandelt diese Welt. Seit dieser Nacht ist nichts mehr gleichgültig, weil Gott unsere Sorge des Lebens aufnimmt. Dessen seid gewiss und: „Fürchtet Euch nicht!“

Friede sei in Ihrem Haus!
Ihr
Ralf Meister

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