Landesbischof Ralf Meister

Gruß zum Ende des Ramadan

Tue, 04 Jun 2019 04:43:54 +0000 von . Bischofskanzlei


Im Namen der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers wünsche ich Ihnen, Ihren Familien und allen Musliminnen und Muslimen in Niedersachsen ein gesegnetes Ramadanfest. 

Haben Sie herzlichen Dank für die vielen Einladungen zum Fastenbrechen, die Sie auch in diesem Jahr wieder an evangelische Christinnen und Christen ausgesprochen haben. Wir freuen uns über diese Einladungen und nehmen sie gern an. Ich selbst habe in den vergangenen Jahren an vielen Fastenbrechen teilgenommen, teils im offiziellen, teils im privaten Rahmen. Dabei wurde mir noch einmal deutlich, dass das Fasten für Sie mehr ist als der Verzicht auf Essen und Trinken. Es geht auch darum, Streit und üble Nachrede zu vermeiden. Es geht darum, unangemessenes und schlechtes Benehmen zu vermeiden. Es geht darum, sich bewusst zu werden, dass alles, was wir zum Leben brauchen, von Gott kommt. 

Wenn ich faste, dann spüre ich, wie sehr ich von dem abhänge, was ich zu mir nehme. Und wie wenig selbstverständlich es ist, dass wir jederzeit zu essen und zu trinken haben. Meistens ist es uns das ja gar nicht bewusst. Die Supermärkte sind jederzeit voll mit allen nur denkbaren Lebensmitteln. Dass es auch anders sein könnte, kommt uns in der Regel nicht in den Sinn. Deshalb ist der Ramadan wichtig, auch für uns evangelische Christinnen und Christen, die wir in diesen Tagen nicht fasten. Als Muslime erinnern Sie uns daran, allezeit dankbar zu sein für die guten Gaben, die Gott uns schenkt. In diesem Sinne tun Sie einen Dienst für die ganze Gesellschaft. 

Vor wenigen Wochen tagte das Parlament unserer Landeskirche, die Synode. Ich habe in diesem Jahr meinen Bericht vor der Synode erstmals unterbrochen, um zwei junge Frauen zu Wort kommen zu lassen, die sich in der Bewegung „Fridays for Future“ engagieren. Sie haben uns mit eindringlichen Worten deutlich gemacht, dass wir mehr tun müssen, um unseren Planeten zu bewahren. 
Natürlich wissen wir das längst. Seit vier Jahrzehnten liegen die Studien auf dem Tisch, die uns deutlich machen, dass es mit der Wegwerfgesellschaft so nicht weitergehen kann, dass es Grenzen gibt. Und selbstverständlich engagieren wir uns als Landeskirche für den Klimaschutz. Doch nicht immer setzen wir unsere guten Ideen mit der Ernsthaftigkeit um, die wir angesichts der drängenden Notwendigkeit brauchen. Wir brauchen mehr Engagement, mehr Mut, mehr „Sprunginnovationen“, wie man das heute nennt

All das kommt mir in den Sinn, wenn ich an einem Fastenbrechen teilnehme und zuhöre, was der Ramadan für Sie bedeutet. Wir sind Geschöpfe Gottes, beschenkt mit Himmel und Erde, Wasser und Land und allem, was darin lebt und wächst. Gemeinsam sollten wir alles daran setzen, die Schöpfung zu bewahren.  

Id mubarak wünscht Ihnen Ihr 

Ralf Meister