© Jens Schulze

Sommergruß

Fri, 30 Jul 2021 12:29:10 +0000 von . Bischofskanzlei

Es ist Sommer. Nach anstrengenden Monaten der Pandemie heben wir vorsichtig den Blick. In den Gärten und Parks steht uns die ganze sommerliche Pracht vor Augen. Sie umschmeichelt uns mit Blütenduft und Vogelgezwitscher. Sie durchflutet den Morgen mit goldenem Sonnenlicht und schenkt uns warmen Sommerregen, der die Gärten und Balkonkästen wässert. "Sorgt euch nicht um euer Leben und darum, dass ihr etwas zu essen habt, noch um euren Leib und darum, dass ihr etwas anzuziehen habt. Ist nicht das Leben wichtiger als die Nahrung und der Leib wichtiger als die Kleidung? Seht die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr als sie?“ fragt Jesus. Frühmorgens, wenn der Blick durch das „frische und neue“ Licht geht, scheint möglich, was Jesus sagt. Sorget nicht. Steht auf, geht aus und singt das Lied des Lebens. Was für eine heitere Rede! 

Doch zum Menschsein gehört das Sorgen. Wir wissen, dass Eichhörnchen Nüsse und Hamster Getreidekörner sammeln zum Überleben, dass die “unverdrossne Bienenschar” mit Wachs die Honigzellen der Waben für die kalte Jahreszeit sichert, dass hier überwinternde Vögel vorsorgen, wie ja auch die Menschen Obst und Gemüse einwecken, Kartoffeln keltern, in Kühltruhen Fleisch und Fisch einfrieren. Wir wissen, dass wir zum Schutz bei Krankheiten und Unfällen Versicherungen eingehen und dass es klug ist, sich jetzt impfen zu lassen - zur Vorsorge und Fürsorge. Sorgen ist menschlich. Sorgen zeigt, dass wir leben. Denn die Früchte zu ernten, die Speicher zu füllen, das sind Bewegungen, mit denen wir uns - oft unbemerkt - nach vorn entwerfen. Wir gehen davon aus, es wird uns noch geben, wenn es so weit sein wird und wir die Vorräte brauchen.
 Wer mag in diesen Tagen ehrlich sagen: „Sorget nicht“? Menschen sind am Virus schwer erkrankt und gestorben. Herausforderungen, die mit der Pandemie für uns verbunden sind, zerreißen unsere Gesellschaft und wir sagen: „Sorget nicht“?

Sorge ist ein Wort, das den Gedanken an andere weckt. Daran, dass es allen wohlergeht. Wie sehr hat uns in den vergangenen Monaten die Solidarität und Mitsorge für andere immer wieder Kraft gegeben, so sehr uns die Lage auch erschöpfte. Sorge und Solidarität gehören zusammen. Daraus wächst die Kraft, über den Augenblick hinaus zu sehen und zu hoffen:  "Trachtet zuerst nach der Herrschaft Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird Euch das übrige zufallen!" sagt Jesus. Wir kommen nicht bis ins Leben, wenn uns die Sorge für das Leben verschlingt. Tanken wir Kraft in der Leichtigkeit des Sommers:  „Der Sommer spannt die Segel / und schmückt sich dem zu Lob, / der Lilienfeld und Vögel / zu Gleichnissen erhob. / Der Botschaft hingegeben / stimmt fröhlich mit uns ein: / Wie schön ist es, zu leben / und Gottes Kind zu sein!!“ (EG 639)

Einen gesegneten Sommer wünscht Ihnen
Ralf Meister
Quelle: Privat
Im Garten der Bischofskanzlei