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Landesbischof Ralf Meister

Was uns im Ursprung mit Gott verbindet

Wed, 03 Jun 2020 07:27:11 +0000 von . Bischofskanzlei

© Lothar Veit
Erlebnisraum Taufe in Obernkirchen von Landesbischof Meister eröffnet

 „Gerade in Corona-Zeiten kann dieser Raum Trost und Zuversicht spenden“, sagt Heike Köhler. Die Projektleiterin ist spürbar erleichtert: Der Erlebnis-Raum Taufe in Obernkirchen ist eröffnet. Später als geplant, anders als geplant. Aber das Projekt musste immerhin nicht komplett abgesagt werden. Bis zum 27. September ist der Innenraum der Stiftskirche St. Marien in stimmungsvolle Farben und Klänge getaucht. Am Pfingstmontag waren Landesbischof Ralf Meister und seine Frau die Ersten, die durch die multimediale Installation wandeln konnten. ...
Quelle: Lothar Veit
Die Menschen kennen das Prozedere längst: Am Eingang werden sie gebeten, ihre Kontaktdaten anzugeben und die Hygieneregeln einzuhalten. Ein Spender mit Desinfektionsmittel steht bereit. Auch auf das Abstandsgebot werden sie hingewiesen. Rund 70 Interessierte haben sich auf dem Kirchplatz in sicherer Entfernung versammelt und hören, wie Orgelmusik aus der Stiftskirche dringt – der Choral „O komm, du Geist der Wahrheit“. Hinter ihren Gesichtsmasken summen sie die Melodie mit. Eigentlich hätte der Erlebnis-Raum Taufe am Ostersonntag eröffnet werden sollen, nun ist es Pfingstmontag geworden. „Auch ein Super-Termin“, findet Heike Köhler.

Berühren lassen ohne Berührung

In der Ausstellung sollten sich die Menschen begegnen und sich berühren lassen – im übertragenen Sinne und auch ganz real. Nachdem die Besucher*innen durch eine 180-Grad-Projektion geschritten sind, die auf abstrakte Weise mit Wasser-Motiven spielt, steuern sie auf einen Taufstein aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts zu, der aus der St.-Aegidien-Kirche in Hülsede stammt. An dem Taufstein besteht die Möglichkeit, sich an die eigene Taufe zu erinnern und sich segnen zu lassen. „Hier schmerzt mein Herz am meisten“, sagt Heike Köhler, „weil wir nicht mit Wasser segnen können, weil die Berührung fehlt.“ Sie habe sich daher neue Segensformen ausgedacht, die auch auf Distanz möglich sind. Ein anderer Punkt erweist sich indes als Glücksfall: „Wir haben hier sehr viel Platz und dachten erst, das sei ein Nachteil.“ Nun aber hilft es bei der Besucher*innensteuerung. Der Lenkungskreis habe beim Landkreis ein Hygienekonzept einreichen müssen und sei dafür sehr gelobt worden. Dies sieht unter anderem vor, dass Gäste nur in Dreiergruppen oder als Familie in zeitlichem Abstand eingelassen werden. Auch habe man die Öffnungszeiten reduziert. „Wir wollen erst einmal Erfahrungen sammeln.“

Im Kontrast zum Kirchenbau

Anders als in Wittenberg, wo der Erlebnis-Raum Taufe während des Reformationsjubiläums in einem neutralen Ladenlokal in der Altstadt mehr als 10.000 Besucher*innen anlockte, steht in Obernkirchen die moderne Inszenierung mit Info-Tablets, futuristischen Sitzmöbeln sowie Klang- und Lichtinstallationen in Kontrast zum historischen Kirchenbau. Besonders für die künstlerische Leiterin und Innenarchitektin Ulrike Tüpker war dies eine große Herausforderung.

„Wir sehen hier Bauspuren von mehr als 800 Jahren und darin etwas ganz Modernes – genauso verschieden ist unser Leben“, sagte Bischof Meister in einer Andacht zur Eröffnung. „Jeder Gang in den Erlebnis-Raum lässt uns verzaubert darüber nachdenken, was uns im Ursprung mit Gott verbindet: die Taufe.“ Dies gelte für unterschiedlich fromme Menschen und auch für aus der Kirche Ausgetretene. Der Landesbischof kennt die Stiftskirche im „Normalzustand“. Nach seinem Rundgang steht für ihn fest: „Der Erlebnis-Raum intensiviert und konzentriert in besonderer Weise den Besuch dieser Kirche.“

Reduziertes Rahmenprogramm

Wie viele Veranstaltungen des geplanten Rahmenprogramms realisiert werden können, ist noch offen. Ein Tanztheater-Projekt des Ratsgymnasiums Minden und das Landfrauen-Fest mussten bereits ausfallen. In jedem Fall stattfinden wird der Radio-Gottesdienst am 28. Juni mit Bischöfin i.R. Dr. Margot Käßmann, den der Deutschlandfunk überträgt. Die Generalprobe wird ebenfalls öffentlich sein. Der Kantatengottesdienst am 5. Juli soll zweimal nacheinander angeboten werden, um die Abstandsregeln einhalten zu können. Aktuelle Informationen zu den Veranstaltungen sind im Internet zu finden. (Lothar Veit)